Rückblick

Happy End für vier eingeschlossene Jungtauben

Die jungen Tauben konnten wohlbehalten aus ihrem Gefängnis unter der Unterführung an der Höhscheider Straße gerettet werden. Archivfoto: Natalie van der List
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Die jungen Tauben konnten wohlbehalten aus ihrem Gefängnis unter der Unterführung an der Höhscheider Straße gerettet werden.

Ein schwieriges Jahr geht zu Ende – aber bei allen Sorgen gab es auch berührende Momente.

Von Kristin Dowe

Seien wir ehrlich, das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 hat nicht gerade vor guten Nachrichten gestrotzt. Dennoch gab es in den vergangenen zwölf Monaten auch kleine Lichtblicke, an denen wir uns erfreuen konnten. Eine Geschichte über eine dramatische Rettungsaktion von vier eingeschlossenen Jungtauben, die dank des beherzten und entschlossenen Handelns einiger Solingerinnen mit einem Happy End endete, hat im Juni viele ST-Leser bewegt.

„Den Tauben geht es heute gut.“
Janina Heydemann, Verein „Fliegende Schönheiten“ in Wuppertal

Was war geschehen? Ein Mitarbeiter eines von Straßen NRW beauftragten Tiefbauunternehmens hatte bei Arbeiten an der Unterführung an der Höhscheider Straße – nach eigenen Angaben versehentlich – vier Taubenjunge regelrecht eingesperrt, indem er ihr Nest mit Netzen verhangen hatte. Dabei handelte es sich um Maßnahmen zur Taubenvergrämung, damit dort keine Tiere mehr nisten können. Der Landesbetrieb betonte auf Nachfrage nachdrücklich, dass das betreffende Unternehmen die Arbeiten außerhalb der Brut- und Setzzeit hätte ausführen müssen, was nicht erfolgt sei – mögliche Gelege dürften auch nicht einfach entfernt oder gar zerstört werden. Verantwortung für die Vorfälle hatte das zuständige Tiefbauunternehmen aus Gelsenkirchen nicht übernommen.

Die Folgen dieses Verhaltens für die Vögel waren dramatisch. Mehrere Tageblatt-Leserinnen schilderten, wie die Elterntiere immer wieder verzweifelt gegen die Netze geflogen seien und nicht zu ihren Jungen vordringen konnten. Diese hätten verzweifelt geschrien. Die Tauben wären wohl qualvoll verhungert, hätte nicht eine Solingerin das Ordnungsamt und die Feuerwehr verständigt, um die Tiere zu retten. Letztere rückte sogar an zwei Tagen hintereinander aus, weil beim ersten Versuch eine der Tauben fehlte. Schlussendlich konnten alle vier gesund und munter in die Obhut von „Fliegende Schönheiten“, einer privaten Hilfsorganisation für Tauben in Wuppertal, gegeben werden. Auch das Bergische Veterinär- und Lebensmittelamt (BVLA) beschäftigte sich mit dem Fall.

Janina Heydemann, Mitarbeiterin bei der Wuppertaler Hilfsorganisation, kann sich noch gut an die Geschichte erinnern. „Den Tauben geht es heute gut“, versichert die Tierschützerin. Alle vier seien in ein privates Taubenhaus mit Freiflug in der Region gekommen. Ausgewildert werden könnten die einmal durch den Menschen domestizierten Tiere nicht mehr, da sie in freier Wildbahn nicht mehr zurechtkommen würden. „Wenn die Tauben nisten, werden die Eier ausgetauscht, damit sie sich nicht unkontrolliert weitervermehren können“, erklärt Heydemann.

Generell seien die Menschen im Bergischen sehr sensibilisiert, wenn es darum geht, verletzten oder in Not geratenen Tieren zu helfen, lobt Edeltraud Krüger, Vorsitzende des Solinger Nabu. „Egal, ob irgendwo ein junger Vogel aus dem Nest gefallen ist oder jemand ein verletztes Eichhörnchen gefunden hat – die Menschen bemühen sich zu helfen. Das ist wirklich toll“, so Krüger. Grundsätzlich sei in solchen Fällen der Nabu wichtigster Ansprechpartner, der eine erste Einschätzung der Situation vornehmen und die passende Hilfe vermitteln könne. „Wenn sich das Tier in einer gefährlichen Situation befindet, weil es beispielsweise an einer stark befahrenen Straße liegt, kann man es auch in eine Jacke wickeln und zum Tierarzt bringen.“

Gleichzeitig warnt die Nabu-Vorsitzende davor, in blinden Aktionismus zu verfallen. „Wir erleben häufiger, dass Menschen uns wegen sogenannter Ästlinge kontaktieren. Das sind Jungvögel, die teilweise am Boden sitzen und einfach ihre ersten Flugversuche machen. Dabei wirken sie manchmal sehr hilflos, aber sie sind dann nicht auf Hilfe durch den Menschen angewiesen, sondern werden von den Elterntieren weiter versorgt.“ Wer unsicher sei, solle vor allem aufmerksam hinschauen und gegebenenfalls einen Experten zurateziehen.

Hilfe für Tiere: Wer ein hilfsbedürftiges Tier findet, sollte sich zunächst an den Nabu (Tel. 6 45 85 82 oder 0178/1300675) wenden. Wenn das Tier in einer räumlich schwer zugänglichen Lage ist, können auch die Feuerwehr (Tel. 112) oder die Polizei (Tel. 110) helfen. Weitere mögliche Ansprechpartner sind das Ordnungsamt, das Bergische Veterinär- und Lebensmittelamt sowie die Untere Naturschutzbehörde.

Gute Seiten 2020

Das ST zeigt in einer kleinen Serie die guten Seiten, die das schwierige Jahr 2020 trotz aller Sorgen hatte.

22. Dezember: Der Solinger Weg macht Schlagzeilen

23. Dezember: Smart City bringt Solingen voran

24. Dezember: Mehr Tagestouristen in der Stadt

28. Dezember: Der BHC siegt 28:27 gegen Hannover vor ausverkauftem Haus

30. Dezember: Guter Verlauf der Kommunalwahl

31. Dezember: Solingen bekommt 7 Millionen Euro vom Land für Schulen

2. Januar: Die Krankenhäuser arbeiten in der Krise gut zusammen

4. Januar: Der Handel stemmt sich einfallsreich gegen die Krise

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