Selbstverpflichtung

So sparen Handel und Sport in Solingen Energie ein

Vor dem Clubhaus des Solinger Turnerbundes warben für die Aktion (v.l.) Bettina Werner, Stefan Mittelsten-Scheid, Gabi Beumer, Dietmar Blitz, Detlef Wagner, Christopher Winter und Niels Kock.
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Vor dem Clubhaus des Solinger Turnerbundes warben für die Aktion (v.l.) Bettina Werner, Stefan Mittelsten-Scheid, Gabi Beumer, Dietmar Blitz, Detlef Wagner, Christopher Winter und Niels Kock.

Heizung und Licht stehen im Fokus, es gibt aber Weihnachtsbeleuchtung – und warme Duschen.

Von Björn Boch und Philipp Müller

Solingen. Einige Sportvereine haben am Donnerstagnachmittag eine Selbstverpflichtung bekanntgegeben, mit der sie Energie sparen wollen: „Wir wollen uns für ein Umdenken in der Gesellschaft einsetzen“, erklärt Detlef Wagner, Chef des Solinger Sportbunds. Bislang hätten sich Vereine mit 10 000 Mitgliedern dem Appell angeschlossen, beim Sport ans Sparen zu denken. Christopher Winter vom Sportbund ist sicher, dass weitere Vereine, die noch einmal 15 000 Mitglieder vertreten, in Kürze bei der Aktion mitmachen.

Waldemar Gluch vom Initiativkreis stellt das Plakat vor, das anzeigt: Geschäfte haben trotz geschlossener Türe geöffnet.

Die Sportler sind von einer Verordnung der Bundesregierung betroffen, die unter anderem den Einsatz von Heizungen und Warmwasseranlagen in „öffentlichen Nichtwohngebäuden“ betrifft – etwa in Turnhallen. Sie dürfen weiter beheizt werden, doch die Sportvereine sehen Sparmöglichkeiten. Dietmar Blitz vom Merscheider Turnverein (MTV) hält allerdings nichts davon, in Hallen nur noch kalt zu duschen, wie es in der Nachbarstadt Remscheid bis Oktober der Fall ist. Das verlagere das Energieeinsparproblem nur auf die Privathaushalte.

Bettina Werner von der Turngemeinde Burg sagt, es komme auf Kleinigkeiten an, die in der Summe einen großen Effekt haben – und sei es nur, dass der Letzte wirklich das Licht ausmacht. Nicht immer müssten Hallen komplett beleuchtet werden, glaubt Niels Kock vom STC Blau-Weiß. Gabi Beumer vom Gräfrather Turn- und Sportverein erklärt, man müsse die Nebenkosten in gemieteten Hallen ohnehin in den Blick nehmen. Der MTV will die eigene Solaranlage für die Warmwasserzeugung nutzen, das Hallendach ist bereits gedämmt.

Auch Händler in Solingen wollen und müssen Energie sparen

Das alles werde nur funktionieren, wenn ein Umdenken stattfinde, sagt Sportbundchef Wagner. „Wir wollen eine Aufbruchstimmung erzeugen.“ Dazu werden Plakate mit entsprechenden Einsparbotschaften aufgehangen.

Auch Solinger Händler wollen und müssen sparen. So untersagt die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung „das dauerhafte Offenhalten von Ladentüren und Eingangssystemen, bei deren Öffnung ein Verlust von Heizwärme auftritt“. Das gilt seit 1. September. Ebenso gilt, dass „der Betrieb beleuchteter Werbeanlagen von 22 Uhr bis 16 Uhr des Folgetages untersagt ist“ – allerdings nicht, wenn die Beleuchtung zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr von Gefahren erforderlich ist.

Das soll zunächst für sechs Monate gelten. An der Verordnung gibt es Kritik, wie der Vorsitzende des Initiativkreises Solingen, Waldemar Gluch, berichtet. Und doch sind die Händler vorbereitet. Mit Plakaten werde gezeigt, dass der Laden offen ist – obwohl die Tür geschlossen sein muss. „Wir müssen uns alle an neue Umstände gewöhnen“, sagt Gluch, der auf pragmatische Regelungen hofft, die der Dezernent auch in Aussicht stellt.

„Es wäre traurig, wenn wir gar nichts machen.“

Rainer Francke, Walder Werbering, zur Weihnachtsbeleuchtung

Gluch macht aber auch klar, dass nicht alle Regelungen sofort umzusetzen seien. Teilweise seien Leuchtreklame und Schaufenster gekoppelt, das sei dann eine Frage der Sicherheit. Oder Beleuchtung reagiere per Sensor auf die nahende Dunkelheit. „Da müssen dann Fachleute ran.“

Die Händler werden zusätzlich aktiv. Die Weihnachtsbeleuchtung in Mitte soll auf vier Stunden reduziert werden – von 16 bis 20 Uhr. Das kündigt Detlef Ammann vom Werbe- und Interessenring Solinger Innenstadt an. Auch in Wald wird die Zeit verkürzt, wohl von 18 bis 22 Uhr. „Die Turmbeleuchtung der Denkmalstiftung und die Weihnachtsbeleuchtung sollen gemeinsam ausgehen“, so Rainer Francke vom Walder Werbering. Es sei aber wichtig für die Stimmung, dass es die Beleuchtung gebe, die aus stromsparenden LEDs bestehe. „Es wäre traurig, wenn wir gar nichts machen.“ Eine große Einsparung werde nicht erzielt. „Das ist eher symbolisch.“

Ähnlich argumentiert Brigitte Kiekenap für die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft. „Wir wollen ein wenig Licht in die Dunkelheit bringen, nicht nur als Händler, sondern auch als Bürger.“ Wahrscheinlich leuchte das stromsparende Licht von 16 bis 22 Uhr. „Wir müssen abwarten, zu was uns die Krise noch zwingen könnte.“ Wenig Hoffnung setzt Kiekenap in die „Tür-zu-Aktion“: Die Türen seien in Ohligs bei Kälte schon immer geschlossen gewesen.

Das sagt die Stadt Solingen

Kontrolle der Verordnungen

„Wir sind mal wieder mit einer eilig gestrickten Verordnung konfrontiert, die viele Fragen offen lässt, aber vor Ort alltagstauglich umgesetzt werden soll“, so Ordnungs- und Rechtsdezernent Jan Welzel (CDU). Der Stadtdienst Recht prüfe die Verordnung, da nicht wirklich klar sei, wer genau wo zuständig ist. Die Stadt werde aber einen „lebensnahen und pragmatischen Umgang“ mit den Vorgaben wählen, erklärte Welzel auf ST-Anfrage.

Unter anderem mit den Werbegemeinschaften befinde sich die Verwaltung bereits im Austausch. Die Verordnung zur Beleuchtung werde noch nicht kontrolliert, die Stadt sei „beratend und korrigierend“ tätig. Die Zukunft werde zeigen, wo im Ordnungswesen Prioritäten gesetzt werden, weil die personellen Kapazitäten begrenzt seien.

Klar sei: Ladenlokale, die im fraglichen Zeitraum noch geöffnet sind, müssen aus Sicht der Stadtverwaltung entsprechend beleuchtet werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. bjb

Lesen Sie auch: Solingen stellt Energiesparpläne im September vor

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