City 2030

Handel in Solingen leidet weiter unter Corona-Lage

Im Handel wirkt sich die Corona-Pandemie immer weiter aus. Eine nicht gut gefüllte Hauptstraße (o. l.) ist da ein Indiz. Die Stadt-Sparkasse (o. r.) berichtet von einer besonnenen Vorgehensweise der Händler, mit der Krise umzugehen. Die Stadt will mehr Grün und schönere Fassaden im Rahmen des laufenden Projekts „City 2030“ schaffen. Fotos: Christian Beier
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Im Handel wirkt sich die Corona-Pandemie immer weiter aus. Eine nicht gut gefüllte Hauptstraße ist da ein Indiz. .

Stadt will mit weiteren Bausteinen aus „City 2030“ Impulse für Verbesserungen setzen.

Von Philipp Müller und Manuel Böhnke

Solingen. Umfangreich setzt die Stadt Solingen neue Bausteine aus dem Programm „City 2030“ in diesem Jahr um. Das passiert in einer Situation, in der der Handel weiterhin besonders unter den Zugangsbeschränkungen leidet. Die Stadt-Sparkasse Solingen berichtet, dass sie ihren Partnern im Handel immer wieder finanziell unter die Arme greifen muss. Der Einzelhandelsverband, der einen Teil der Händler vertritt, blickt düster auf die aktuelle Situation.

City 2030: Der Umbau leerer Erdgeschosse beginnt

Die Stadt-Sparkasse (o. r.) berichtet von einer besonnenen Vorgehensweise der Händler, mit der Krise umzugehen

Dr. Holger Pump-Uhlmann ist Architekt und Stadtentwicklungsplaner. Als einer der Autoren des Konzepts „City 2030“ wiederholt er seine Einschätzung, das bundesweite Sterben der Innenstädte habe sich unter Corona beschleunigt und sei kein Solinger Phänomen. „Wir stehen vor einem epochalen Wandel“, sagt er warnend. „Der stationäre Einzelhandel und die Gastronomie leiden dramatisch unter der Pandemie. Die strukturellen Probleme waren aber vielerorts schon vorher vorhanden.“

„Die Situation im Einzelhandel bleibt angespannt. Nimmt man den Bereich Lebensmittel aus, befinden sich ganz viele Geschäfte in einer schwierigen Lage“, erklärt Carina Peretzke. Die Einführung der 2G-Regel hat der Pressesprecherin des Handelsverbands NRW zufolge zu Umsatzeinbrüchen in Höhe von 25 Prozent geführt.

Eine komplette finanzielle Schieflage im Handel ist bisher ausgeblieben.

Fabian Blasberg, Stadt-Sparkasse
Die Stadt will mehr Grün und schönere Fassaden im Rahmen des laufenden Projekts „City 2030“ schaffen.

Auch die Stadt-Sparkasse Solingen berichtet von einer gedrückten Stimmungslage ihrer Kunden aus dem Einzelhandel. Durchaus gebe es jedoch auch positive Signale. So sei eine „komplette finanzielle Schieflage“ bisher ausgeblieben. Das führt Fabian Blasberg, Abteilungsdirektor Firmenkunden der Stadt-Sparkasse, vor allem auf die staatlichen Überbrückungshilfen zurück. Dabei seien häufig die langen Bearbeitungszeiten zwischen Antrag und Auszahlung problematisch. In einigen dieser Fälle sei das Kreditinstitut mit einer Vorfinanzierung eingesprungen, damit die Betriebe handlungsfähig bleiben. Aber: „Eine massive Nachfrage von Darlehensmitteln erleben wir hier allerdings ausdrücklich nicht. Die Einzelhändler gehen mit der herausfordernden Situation sehr besonnen um.“

Das bestätigt Carina Peretzke. Sie hebt hervor, dass sich die Beschäftigtenzahlen in der Branche trotz Krise auf einem stabilen Niveau bewegen. Das könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Einzelhandel auch nach der Corona-Krise vor großen Herausforderungen stehe. Die Pandemie habe den Strukturwandel in den Innenstädten befeuert. Die Bedeutung von Konzepten wie City 2030 habe noch einmal zugenommen.

Die Stadt will mehr Grün und schönere Fassaden im Rahmen des laufenden Projekts „City 2030“ schaffen.

Das sieht auch Dr. Pump-Uhlmann so. Beim Konzept City 2030 sei dies früher als durch andere Städte berücksichtigt worden. Solingen habe sich auf eine „Ochsentour“ vorbereitet. Dazu führt der Experte aus: „Das heißt, dass es nach unserer Auffassung für die strukturellen Probleme keine einfache Lösung – zum Beispiel in Form eines Großinvestors oder der Schaffung eines innerstädtischen Factory Outlet Centers – gibt, sondern dass die Entwicklung nachhaltig beziehungsweise kleinteilig angelegt sein muss, um dauerhaft tragfähig und zukunftsfähig zu sein.“ Pump-Uhlmann bekennt: „Durch die Pandemie ist die Gesamtlage nochmals ungleich schwerer geworden.“

Die Stadtentwickler im Rathaus wollen daher am eingeschlagenen Kurs festhalten. Da alle Maßnahmen immer auch vor der Zuteilung von Fördergeld abhängen, gibt es 2022 eine Mischung aus begonnenen und neuen Projekten zum Umbau der Innenstadt bis 2030. Stadtsprecher Thomas Kraft nennt etwa das anstehende Verkehrskonzept, Pläne für mehr Stadtgrün oder die Umnutzung von Erdgeschossflächen als Handlungsfelder für das laufende Jahr.

City 2030

Das vom Rat der Stadt beschlossenen Projekt „City 2030“ ist ein Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Es dient als Leitfaden. Umgesetzt werden kann es nicht nur von der Stadt mit Fördermitteln. Von Anfang an sollen daher Eigentümer, Anwohner und Akteure in der City mit ins Boot genommen werden.

Standpunkt: Der Handel braucht Hilfe

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Dem Solinger Einzelhandel – nicht nur in der Innenstadt – geht es durch Corona nicht gut. Da sind durch 2G einige Ladenlokale nicht mehr für alle Solinger zu erreichen. Da steigt die Konkurrenz aus dem Internet und der Legion an Paketzustellern, die täglich durch die Klingenstadt braust. Da braucht es mehr als Appelle, vor Ort einzukaufen, sich auf das Gemeinschaftskonzept „Heimatshoppen“ einzulassen oder nicht der scheinbar unbegrenzten Auswahl aus den Onlineshops zu erliegen. Vor rund vier Jahren machten sich Rathaus und Politik auf den Weg, mit dem Konzept „City 2030“ gegenzusteuern. Da sah man sich weit vorne, fehlt ein solcher Ansatz bis heute in den meisten Städten. Nachahmer gibt es auch deshalb kaum, weil das eben ein zäher Prozess des Umsteuerns ist. Und an dieser Stelle braucht der Handel eben Hilfe. Trotz Corona ist es gut, wenn in den Stadtteilen wieder Veranstaltungen vor den Ladentüren geplant werden. Mehr Frequenz ist eine Hilfe. Und er braucht Verständnis. Muss ein Pullover immer blau sein? Geht nicht beige?

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