Glosse

Der Hamster kehrt zurück: Toilettenpapier ist knapp

Marcel Pauli von Edeka Pauli im Hofgarten zeigte dem ST im März ein leeres Regal mit Nudeln. Das ist jetzt noch gut gefüllt. Toilettenpapier ist allerdings bereits knapp. Daher ein Tipp aus den sozialen Netzwerken: Vakuumiert hält es länger. So kann es auch eingefroren werden. Fotos: Christian Beier/ Philipp Müller
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Marcel Pauli von Edeka Pauli im Hofgarten zeigte dem ST im März ein leeres Regal mit Nudeln. Das ist jetzt noch gut gefüllt. Toilettenpapier ist allerdings bereits knapp.

Trotz aller Appelle des Handels und der Politik wuchten die Solinger volle Einkaufswagen aus den Supermärkten.

Eine Glosse von Philipp Müller

Solingen. Alle Solinger haben noch die Bilder aus dem März zu Beginn der Pandemie im Kopf: Leere Regale bei Mehl und Nudeln, dazu verzweifelte Gesichter von Solinger Verbrauchern. Fehlendes Toilettenpapier wurde zum Symbol für das Corona-Hamstern. Und jetzt?

Viele Anzeichen deuten auf eine unkontrollierte zweite Welle dieser Hintergrund-Pandemie hin. Die Inzidenz des Abverkaufs in sieben Tagen steigt sprunghaft an und ist statistisch nicht mehr zu erfassen. Wissenschaftlich ist das nicht untersucht – also handelt es sich um ein Phänomen, das wir hier näher beleuchten wollen.

Ein Tipp aus den sozialen Netzwerken: Vakuumiert hält es länger. So kann es auch eingefroren werden.

Kurzer Rückblick: Im März ist noch nicht klar, ob der Solinger Verbraucher im Falle einer Corona-Erkrankung nicht vermehrt Toilettenpapier benötigt. So wird es zur Sicherheit gebunkert. Durch den Mitnahme-Effekt werden auch Nudeln, Konserven, Mehl und Hefe eingelagert. Man weiß ja nie. Der Toilettenpapierabsatz steigt um 700 Prozent.

Situation im Sommer: Ab Mitte Mai füllen sich die Regale wieder. Thomas Pauli von Edeka Pauli im Hofgarten bestätigt, dass Toilettenpapier teilweise wie Blei im Regal liegenblieb. Zum „Tag des Toilettenpapiers“ erklärt das Portal Absatzwirtschaft am 27. August: Der Absatz an Hygienepapieren insgesamt sei im ersten Halbjahr 2020 um 4,8 Prozent gewachsen.

Mitte Oktober: Das ST-Recherche-Team meldet erste Engpässe in Hamster-Ausbruchsgebieten. Am Dienstag, 13. Oktober, wird Expertin Carina Peretzke vom Einzelhandelsverband Nordrhein zurate gezogen. Es gebe keine Toilettenpapier-Hamster-Pandemie.

Samstag, 17. Oktober: Der Hamster im Solinger ist zurück. Im Paralleluniversum der sozialen Medien tauchen Bilder leerer Regale auf. Aus der Realität erreicht das ST aus dem Hamster-Hotspot Schützenstraße die Nachricht eines Discountermitarbeiters. Ein Kunde habe entrüstet erklärt, er habe ein Grundrecht auf 25 Kilo Mehl – es wird ihm an der Ladenkasse auf 20 Prozent beschränkt. Toilettenpapier ist auf der Discounter-Meile da bereits ausverkauft. Das hat Auswirkungen auf den Toilettenpapiermarkt mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Laut der Hamburger Statista-Plattform geben Bundesbürger 21 Euro pro Kopf jährlich für Toilettenpapier aus – Tendenz steigend.

Aktuell: Thomas Pauli meldet: „Es ist wie im März. Der Nachschub wird etwas dauern.“ Man könne die Lkw nicht nur mit Toilettenpapier beladen, sonst blieben Regale mit anderen, wichtigen Lebensmitteln leer. Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, gibt – wie einst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 – ein Versprechen ab: Die Spareinlage, Pardon, die Toilettenpapierversorgung der Bürger sei gesichert. Wenn keiner hamstert. Ist Klöckner Aussage kompetent? Schließlich will niemand Toilettenpapier essen oder auf dem Feld anbauen. Das wird kaum dazu beitragen, weite Teile der Bevölkerung nicht zu verunsichern. Verunsichert sind auch die Solinger und insbesondere die ST-Kollegin, die um ihre Weihnachtsbäckerei fürchtet. Wird es Mehl geben? Eine Bitte: Lassen Sie ihr Kokosflocken übrig! Die Experten des Portals Lebensmittelpraxis beruhigen: Nach einer auf die Klingenstadt heruntergebrochen Studie von YouGov wollen nur 9 Prozent der Solinger hamstern. Zwei Drittel gar nicht. Und der Rest?

ST-Tipp: Ein Einlagern von Toilettenpapier in feuchten Garagen ist wenig sinnvoll. Wegen der gewollten Hygroskopie – der Fähigkeit zum Ansaugen von Wasser – von Zellstoffpapier ist mit Lagerungsschäden zu rechnen. In sozialen Medien wird daher das Einfrieren empfohlen.

Eiskalte Lagerung

Vorteilhaft beim Einfrieren ist das Vakuumieren. Je nach Platz in der Truhe soll das ganze Toilettenpapier – oder alternativ auch das komplett abgerollte, so ein Vorschlag aus einem sozialen Netzwerk zum Platzsparen – so vor Gefrierbrand geschützt werden. Für Toilettenpapier ist leider keine Mindesthaltbarkeit bekannt.

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