Andacht im ST

„Halten Sie Ausschau nach dem Stern!“

Eigentlich bewegen sich alle, die sich am Ende an der Krippe versammeln, erst mal aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrer Komfortzone heraus, meint Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Archivfotos: Roland Keusch/Jörg Schmidt
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Eigentlich bewegen sich alle, die sich am Ende an der Krippe versammeln, erst mal aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrer Komfortzone heraus, meint Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen.

Das ST lädt zur Andacht ein – heute Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

Liebe Solingerinnen und Solinger!

Heute beginnt, wenn es dunkel wird, das Weihnachtsfest. Zum zweiten Mal in Corona-Zeiten, zum zweiten Mal unfreiwillig anders als sonst, als früher; anders als wir es uns gewünscht hätten. In diesem ‚anders’, zum zweiten Mal anders, liegen eine Last und eine Chance. Die Last ist offensichtlich: Es strengt an, Routinen zu verändern, Erwartungen aufzugeben, flexibel zu sein und die liebe Verwandtschaft oder die, mit denen Sie sonst so feiern, passend zu den jeweiligen Eigenheiten und der Corona-Lage zu sortieren. Das strengt an und belastet und erschöpft.

Die Chance, die im „zum zweiten Mal anders“ liegt, ist vielleicht weniger offensichtlich: Wenn Planungen und Traditionen unterbrochen und durcheinandergewirbelt werden, ergeben sich neue Freiheiten und eröffnen sich neue Möglichkeiten. Ja, auch das ist anstrengend und manchmal mühsam. Aber in den Veränderungen steckt auch neue Lebendigkeit. Und neue Begegnungen ergeben sich. Für beides, für die Last und für die Chance, tut es gut, einen Orientierungspunkt zu haben. Darum ist mein Weihnachtswunsch und Weihnachtsrat für Sie: Halten Sie Ausschau nach dem Stern!

Ilka Werner

Dass alles anders ist als geplant oder erwartet, das ist typisch für Weihnachten. Eigentlich bewegen sich alle, die sich am Ende an der Krippe versammeln, erst mal aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrer Komfortzone heraus: Die Engel verlassen den Himmel, die Hirten ihre Herden, die Weisen ihre Studierstuben und Sternwarten. Maria und Josef verlassen wegen der Volkszählung Nazareth und gehen nach Bethlehem, Gott lässt sein Gottsein und wird das Kind in der Krippe, der Esel überlässt seine Box dem Baby und zieht zum Ochsen rüber. Sicher ist das schon damals Last und Chance zugleich.

Alle bewegen sich, verlassen ihre ‚Blase’ und verändern sich, freiwillig oder notgedrungen. Und finden sich zusammen unter dem Stern. Für einen Moment verharren sie in dieser neuen Gemeinschaft unter dem Stern, für diesen Moment, den unsere Weihnachtskrippen darstellen: Alle unter dem Stern um das Jesuskind herum. Um Gott herum, der so anders Gott sein will und mit seiner Veränderung all die anderen Veränderungen losgetreten hat und damit die Lasten und die Chancen. Und alle, die sich verändern mussten, hielten Ausschau nach dem Stern.

Die typische Weihnachtsbewegung geht aus dem Gewohnten heraus, nicht nach Hause, sondern ins Fremde. Gott aus dem Himmel, die Gelehrten aus den Unis, die Familie aus der Heimatstadt, die Hirten von den Feldern weg. Gott auf die Erde, die Professoren in den Stall, die Familie in die Notunterkunft, die Hirten zum Christkind. Wie sähe das heute aus? Die Pfarrerinnen aus den Kirchen, der Nachbar zum Glühwein an den Gartenzaun, die entfernten Verwandten nicht in den Zug, Gott auf die Covid-Station, die verschiedenen Meinungen zur politischen Lage an einen Tisch. Die Familien nicht zusammen, die Aufmerksamen ans Telefon, die Chöre auf die Balkone, die Kirchentüren offen. Weihnachtsreisen, aus dem Gewohnten heraus, ins Fremde, ins Andere. Halten Sie Ausschau nach dem Stern! Und gehen Sie dahin, wo Sie ihn sehen!

In der biblischen Weihnachtsgeschichte hat Gott, der sein Gottsein aus dem Himmel auf die Erde verlagerte, all die anderen Veränderungen losgetreten. Last und Chancen hat er dabei erfahren und anderen zugemutet. Und er hat sie dadurch alle zusammengebracht. Bis heute. Wir kommen dieser biblischen Weihnachtsgeschichte nah, in diesen Jahren, in denen alles zum wiederholten Mal anders kommt. Wir kommen auch dem nah, was sich durch Weihnachten unter allen Lasten und Chancen für immer verändert hat: Gott ist nie wieder ganz in den Himmel zurückgekehrt. Er wohnt noch heute auf der Erde, unter uns. Er hat uns zusammengebracht und wohnt zwischen uns. Und es gibt einen Orientierungspunkt, um ihn hier auf Erden zu finden. Damals hielt der Stern über dem Stall an, dort, wo es keiner vermutet hätte. Wo ist er heute? Halten Sie Ausschau nach dem Stern!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachtstage – und dass Sie den Stern finden! Bleiben Sie behütet!

Ihre Ilka Werner

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