Nachbarschaftshilfe

Die Haftungsfrage ist oft das größte Problem

+

Die Corona-Krise fördert die Hilfsbereitschaft unter Nachbarn – bei der Unterstützung gibt es einiges zu beachten.

Von Moritz Jonas

Wenn der Gang zum Bäcker, die Pflege des eigenen Gartens oder der Weg zum Einkaufen beschwerlich oder gar nicht mehr zu bewältigen ist, fällt es vielen oft schwer, um Hilfe zu bitten. Da kommt es vielen gelegen, wenn die Nachbarn – die oftmals nur einen Stufenabsatz entfernt wohnen – ihre Hilfe anbieten. Das geht zum Beispiel mit dem nebenstehenden Zettel: Einfach ausschneiden und aufhängen. Allerdings gilt es auch einige Dinge zu beachten, bevor man selbst seine Hilfe anbieten oder die der Nachbarn annehmen möchte.

Was muss ich beachten wenn, ich Hilfe in meiner Nachbarschaft anbieten oder annehmen möchte?

Dagmar Blum, Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Solingen sagt dazu: „Es ist wichtig, zu schauen, wer mir helfen möchte oder bei wem ich das tue.“ Denn immer häufiger habe man Zettel im Briefkasten, auf denen Nachbarn netterweise ihre Unterstützung anbieten. Allerdings seien die hinterlassenen Informationen oft sehr spärlich, oftmals stünde nämlich nur ein Vorname und manchmal nicht mal eine genaue Adresse dabei.

Der zweite Punkt, den es zu beachten gilt, ist der Datenschutz. „Man sollte stets ein Auge darauf haben, was mit den Daten passiert, wer bekommt meine Daten, welche Datenschutzregeln gelten,“ sagt die Verbraucherschützerin. Dies sei gerade dann besonders wichtig, wenn die Hilfe über ein Onlineportal angeboten und dort sensible Daten hinterlegt würden.

Was sind mögliche Gefahren?

Die größte Gefahr laut Blum ist die der Haftung. „Das häufigste Problem ist die Frage ,Greift meine Versicherung für den Fall, dass bei etwaigen Arbeiten etwas passiert?‘“ Zwar greife oft ein sogenannter stillschweigender Haftungsausschluss, dennoch sollte der Einzelfall vorher mit der Versicherung geklärt werden.

Bei einem stillschweigenden Haftungsausschluss klären zwei Parteien die Haftung für eine bestimmte Tätigkeit, also beispielsweise die Hilfe bei einem Umzug. Dies geschieht aber nicht etwa durch zwei explizit ausgesprochene übereinstimmende Willenserklärungen, sondern ohne eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung, also stillschweigend. Ein stillschweigender Haftungsausschluss kann nur dann vorliegen, wenn privat und ohne wirtschaftliches Interesse gehandelt wird. Wer Unannehmlichkeiten vermeiden möchte, sollte eine schriftliche Rahmenvereinbarung aufsetzen.

Was sind die positiven Aspekte bei der Nachbarschaftshilfe?

Trotz aller Vorsicht hat die Hilfe unter Nachbarn auch einige positive Aspekte: „Gerade in diesen Zeiten sind soziale Kontakte für viele Menschen sehr wichtig, und sei es nur, dass der Nachbar die Blumen gießt. Für viele, die ansonsten nicht unter Leute kommen, kann das schon ein Highlight sein. Außerdem stärkt Hilfe zumeist auch das Gemeinsamkeitsgefühl“, sagt Dagmar Blum.

Warum gibt es immer mehr Angebote zur Nachbarschaftshilfe?

Der Hauptgrund für die Vielzahl der Angebote in diesem Bereich ist für Blum die aktuelle Corona-Pandemie „Viele Menschen sind zurzeit einfach auf Hilfe angewiesen,“ sagt Blum. Zudem sei der Kostenfaktor nicht außer Acht zu lassen, viele nähmen lieber die kostengünstigere und zum Teil auch schnellere Hilfe der Nachbarn an, als jemanden offiziell damit zu beauftragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare