Corona-Krise

Solinger Händler kämpfen um ihre Kunden

Der Blick vom Graf-Wilhelm-Platz in die Kirchstraße gestern: Die Kunden sind verunsichert, die Frequenz lässt nach, berichten Händler übereinstimmend. Foto: Christian Beier
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Der Blick vom Graf-Wilhelm-Platz in die Kirchstraße gestern: Die Kunden sind verunsichert, die Frequenz lässt nach, berichten Händler übereinstimmend.

Mehr Service und neue Formen des Einkaufens – Sonntagsöffnungen sind kein Thema.

  • Solinger Händler spüren derzeit einen Kundenrückgang.
  • Verkaufsoffene Sonntage sind möglich, aber unwahrscheinlich.
  • Händler setzen auf guten Service und Solidarität der Kunden.

Von Björn Boch

Solingen. Obwohl sie von den neuen Beschränkungen der Coronaschutzverordnung weitgehend ausgenommen sind, spüren die Solinger Händler einen Kundenrückgang. „Die Menschen sind vorsichtig und verunsichert“, sagt Detlef Ammann, Vorsitzender des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W. I. R.). „Wir haben uns gerade erholt vom Rückschlag und müssen jetzt wieder ganz schwer kämpfen.“

Einige Passanten seien sogar überrascht, dass kleinere Geschäfte geöffnet haben, so der Inhaber von Mode-Partner in der Innenstadt. Dazu komme, dass die Schließung von Cafés und Restaurants die Zahl der Kunden reduziere.

Ammann sieht es kritisch, die Menschen durch Einschränkungen wieder ins Private zurückzudrängen. Im öffentlichen Leben seien sie sehr vorsichtig, das gelte für den Handel wie für die Gastronomie, die dennoch schließen musste. Nun wollen die Händler trotz aller Widrigkeiten dafür sorgen, die Menschen in der Stadt zu halten – „und ihnen beschaffen, was sie brauchen“, so Ammann. Guter Service sei dabei das Wichtigste.

Verkaufsoffene Sonntage, die laut Schutzverordnung „ausnahmsweise zur Entzerrung des Einkaufsgeschehens“ am 29. November, 6., 13. und 20. Dezember sowie am 3. Januar gestattet sind, seien aber kein geeignetes Mittel, meint auch Michael Borgmann. „Die Kundenfrequenz ist zurückgegangen. Weniger Umsatz noch auf mehrere Tage zu entzerren, das ist schwer betriebswirtschaftlich darzustellen“, sagt der Inhaber von Intersport Borgmann. Viel wichtiger seien nun die Solidarität und die Bereitschaft, den Handel vor Ort zu unterstützen. „Das spüren wir in Solingen und freuen uns sehr darüber“, bedankt sich Borgmann.

Klar ist: Händler, die an diesen Sonntagen öffnen wollen, können das tun. Das sei auch an alle Werbegemeinschaften so kommuniziert worden: „Ein Antrag bei der Stadt ist nicht notwendig“, betont Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW-Rheinland.

Corona-Krise: Zu Sonntagsöffnungen kommt es in Solingen wohl nicht

Das bestätigt auch der Beigeordnete Jan Welzel (CDU). Allerdings sei möglich, dass Verdi einen Normenkontrollantrag vor dem Oberverwaltungsgericht stelle, um die verkaufsoffenen Sonntage anzufechten. „Dann müsste aber das Land die Möglichkeit rechtfertigen, nicht die Stadt.“

„Einkaufsstraßen in diesen Zeiten attraktiv zu gestalten, hinterlässt auch ein zwiespältiges Gefühl.“

Rainer Francke, Walder Werbering

In Solingen kommt es wohl nicht so weit. Auch Ralf Lindl, Center-Manager im Hofgarten, sieht bei den Händlern in Mitte keine Tendenz, öffnen zu wollen. Falls überhaupt, funktioniere das nicht an fünf Sonntagen: „Das ginge nur, wenn sich alle auf einen Tag einigen“ – was sich mit der Idee des Entzerrens wiederum nicht vertrage. Bei der derzeitigen Kundenfrequenz sehe er keine Probleme für Kunden: „Die Gefahr, sich beim Einkauf im Einzelhandel anzustecken, halte ich für sehr gering.“

Auch der Walder Werbering setzt auf andere Mittel als Sonntagsöffnungen: „Viele Händler leben vom Weihnachtsgeschäft. Es geht darum, neue Möglichkeiten zu schaffen, wie Kunden einkaufen können und an ihre Ware kommen – unabhängig von Öffnungszeiten“, sagt Rainer Francke vom Walder Werbering. Genauere Pläne will der Werbering noch im November vorstellen.

Der Inhaber des Bücherwalds setzt selbst auf längere Öffnungszeiten und – wie auch viele andere Buchhändler in der Stadt – auf einen Online-Shop. Ein erneuter Lieferservice sei in Planung. Und natürlich werde die Weihnachtsbeleuchtung den Stadtteil Wald wieder schmücken.

Ähnlich wie die Ohligser Werbegemeinschaft denke man darüber nach, ein kleines Kulturprogramm anzubieten – natürlich mit Abstand und so sicher wie möglich. Francke sieht aber auch ein Problem: „Die Zielsetzung der Einschränkungen ist ja, die Frequenz zu senken. Einkaufsstraßen in diesen Zeiten attraktiv zu gestalten, hinterlässt auch ein zwiespältiges Gefühl.“

Hintergrund

Handel: Laut aktueller Coronaschutzverordnung darf der Handel öffnen, die Zahl der Kunden ist aber auf eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche begrenzt.

Die Stadt hat für den November nicht nur die Maskenpflicht in und um die Fußgängerzonen ausgeweitet, sondern kontrolliert in diesen Bereichen auch häufiger.

Gastronomen wie Thorsten Steinhaus leiden unter dem bundesweiten Lockdown seit dem 2. November. Er meint: „Es fühlt sich an wie eine Bestrafung“.

Standpunkt: Es kann einfacher sein

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Es ist eingetreten, was leider zu erwarten war: Zwar darf der Handel geöffnet bleiben, die Kunden werden aber weniger. Das ist ein Zeichen der Vernunft, soll doch jeder Kontakte möglichst beschränken, hat aber auch mit Angst und Verunsicherung zu tun. Es ist verständlich, derzeit nicht als Erstes an den Einkaufsbummel zu denken, zumal viele Menschen auch finanzielle Nöte aufgrund von Jobverlust oder Kurzarbeit plagen. Unverständlich wird es dann, wenn das Geld trotzdem fröhlich ausgegeben wird, und zwar online bei Unternehmen, die nichts für den Standort Solingen tun und darüber hinaus dafür bekannt sind, es mit Arbeitnehmerrechten nicht allzu genau zu nehmen sowie kaum Steuern zu zahlen. Viele Solinger Händler haben aufgerüstet, sind digital weit besser aufgestellt als früher und bieten aktiv an, ihren Kunden die Dinge zu organisieren, die benötigt werden. Probieren Sie es einfach mal aus. Dem Solinger Handel zu helfen, kann einfacher sein, als Sie vielleicht denken. Und wir alle freuen uns, wenn nach der Pandemie die Schaufenster in den Fußgängerzonen nicht noch leerer sind als ohnehin schon.

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