Coronavirus

Händler in Solingen bereiten sich auf 2G-Regel vor

Ralf Lindl ist Center-Manager im Hofgarten. Kommen Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel, werden dort wohl je nach Branche unterschiedliche Regeln gelten. Fotos: Christian Beier
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Ralf Lindl ist Center-Manager im Hofgarten. Kommen Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel, werden dort wohl je nach Branche unterschiedliche Regeln gelten.

Der Einlass nur noch für Geimpfte und Genesene wird als machbar bewertet. Derweil warnt die Gastronomie vor 2G plus.

Von Björn Boch und Philipp Müller

Solingen. Alles ist besser als ein weiterer Lockdown: So lässt sich die Stimmung im Solinger Handel aktuell zusammenfassen. „Wir sind alle froh, wenn wir nicht wieder im Weihnachtsgeschäft schließen müssen. Das wäre sicherlich für einige Händler der Todesstoß“, sagt etwa Ralf Kohns, Vorstandsmitglied des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W.I.R.) und Inhaber von Expert Schultes an der Konrad-Adenauer-Straße.

2020 hatte es einen Lockdown in vielen Bereichen ab 16. Dezember gegeben. Aktuell ist der Einzelhandel von Corona-Einschränkungen weitgehend ausgenommen. Doch es ist relativ sicher, dass sich das zeitnah ändern wird. Am Donnerstag tagen die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem designierten Nachfolger Olaf Scholz in Berlin in der sogenannten Ministerpräsidentenkonferenz. Eine 2G-Regel – Zutritt nur für Geimpfte und Genesene – für den nicht lebensnotwendigen Einzelhandel scheint beschlossen.

Wie die Regeln im Detail vor Ort aussehen werden, ist noch unklar. „Wenn das feststeht, müssen wir uns Gedanken machen, wie das organisiert werden kann“, erklärt Rainer Francke vom Walder Werbering. Gerade in Wald gebe es viele Händler, die oft alleine im Geschäft seien. Wie das dann zusammengehe mit dem erhöhten Kontrollaufwand, werde sich zeigen: „Wie alle diese Regeln wird auch die jetzige leider wieder nicht aus der Praxis kommen“, bedauert Francke, Inhaber der Buchhandlung Bücherwald. Außerdem komme die Regelung viel zu spät, was wieder einmal für unnötige Hektik sorge.

„Das gibt eine gewisse Sicherheit für die Menschen, die sich normal im öffentlichen Raum bewegen wollen.“

Brigitte Kiekenap, OWG-Vorsitzende

Brigitte Kiekenap, Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG), sieht die geplante Regel für Mitarbeiter und Kundschaft eher positiv. „Das gibt eine gewisse Sicherheit für die Menschen, die sich normal im öffentlichen Raum bewegen wollen.“ Ob Buchhändler betroffen sein werden, sei noch gar nicht klar, erklärt die Inhaberin der Buchhandlung Kiekenap. In früheren Lockdowns waren Buchläden ebenso wie beispielsweise Lebensmittelgeschäfte von Schließungen nicht betroffen.

Wenn sich geimpfte Gäste für einen Besuch in der Gastronomie noch testen lassen müssen, wäre das fatal, betont Petra Meis (Dehoga).

Das wiederum kann zu Ungerechtigkeiten führen, betont Ralf Kohns – etwa, „wenn Lebensmittelgeschäfte wieder alles verkaufen dürfen, auch Produkte, die nicht zum alltäglichen Bedarf gehören“. Je enger die Beschränkungen für den lokalen Handel seien, desto stärker profitiere der Internethandel. Sofern lediglich der Impfpass geprüft werden müsse und es keine weiteren Dokumentationspflichten gebe, sei das aber ein gangbarer Weg, erklärt Kohns. „Wir spüren ja auch, dass die Angst der Leute wächst. Wir haben zwar nicht weniger Kunden, aber die Leute bleiben nur kurz vor Ort.“

Vor einer besonderen Herausforderung steht Ralf Lindl im Hofgarten, da mit verschiedenen Zugangsbeschränkungen zu rechnen sei: „Die Kontrolle muss dann bei den Geschäften selbst passieren, weil ein Supermarkt oder ein Drogeriemarkt andere Zugangsvoraussetzungen haben werden als Bekleidungsgeschäfte oder Parfümerien,“ berichtet der Center-Manager.

Bang blicken am Donnerstag die Gastronomen nach Berlin. Bereits vorige Woche gab es einen Austausch der Mitglieder des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Bergischen. „Wir alle hoffen, dass uns 2G plus erspart bleibt, denn das wäre so fatal wie ein Lockdown“, berichtet Petra Meis, Inhaberin der Gaststätte Rüdenstein und Solinger Dehoga-Vorsitzende – da ist sie sich mit den meisten in der Branche einig. Die großen Weihnachtsfeiern seien alle abgesagt worden, immerhin liefe das À-la-carte-Geschäft in der Gaststätte Rüdenstein noch gut. „Unsere Gäste sind alle geimpft.“

Was viele Gastronomen dringend benötigten, das sei Planungssicherheit. Das betont Thorsten Steinhaus vom Restaurant Steinhaus im Alten Bahnhof. „Alle reden von einem möglichen Lockdown, aber in der Politik redet niemand Tacheles.“ Es könne ja sein, dass den Gastronomen von heute auf morgen wieder der Laden zugemacht werde. Gerade das Überleben kleinerer Gaststätten sei gefährdet. Steinhaus: „Viele fragen sich gerade, ob sie noch Ware kaufen oder es lieber lassen sollen.“ Und er macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Derzeit können keine Hilfen beantragt werden, weil die epidemische Lage nationaler Tragweite ausgelaufen ist.“

Todesfall

Eine weitere Person aus Solingen ist mit oder an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Das teilte ein Sprecher der Stadt mit. Die Person sei älter als 85 Jahre gewesen. Über den Impfstatus wurde nichts bekannt. Die Zahl der Todesfälle steigt damit auf 220.

Standpunkt: Für Hilfe sorgen

Kommentar von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Die Inzidenz am Mittwoch von 325,4 ist ein trauriger Rekord – zumindest bis Donnerstag oder Freitag, möchte man resigniert ergänzen. Die Infektionszahlen erreichen derzeit immer neue Höhen. Dabei sind die Klingenstadt und NRW noch verhältnismäßig gut bedient, blickt man auf andere Teile Deutschlands. Doch das Virus verbreitet sich rasch. Daher braucht es Einschränkungen, weil noch nicht genügend Menschen geimpft oder geboostert sind. Da sind sich die Experten einig. Dass die Beschränkungen erneut in die Vorweihnachtszeit fallen – jene Zeit, die gerade für Handel und Gastronomie so umsatzstark ist –, ist für die Gewerbetreibenden besonders bitter. Doch auch da, wo es noch kaum oder keine Beschränkungen gibt, bleibt die Kundschaft zunehmend aus, weil die Zeiten unsicher sind. Händler und Gastronomen – wie auch Kultur- und Veranstalterszene – dürfen nicht im Stich gelassen werden. Sie brauchen Perspektiven und Hilfe. Unredlich wäre, jetzt noch strengere Vorschriften zu erlassen und Kontaktbeschränkungen zu predigen, aber finanzielle Hilfen zu verweigern mit dem Hinweis, es gebe ja keinen Lockdown.

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