Ausfall der Traditionsveranstaltung

Kein Zöppkesmarkt: Händler horten Trödel im Keller

Der Kellerraum des CVJM ist gut mit Trödel gefüllt, wie Sabrina Puslat zeigt. Sie hat den Stand in den Vorjahren mitbetreut. Foto: Christian Beier
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Der Kellerraum des CVJM ist gut mit Trödel gefüllt, wie Sabrina Puslat zeigt. Sie hat den Stand in den Vorjahren mitbetreut.

Durch den Ausfall der Traditionsveranstaltung bleiben die Standbetreiber auf ihren Waren sitzen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Normalerweise sammeln einige Händler das ganze Jahr über Trödel für den Zöppkesmarkt in der Aussicht, ihre Schätze traditionell am zweiten Septemberwochenende verkaufen zu können. Dieses Jahr wird daraus allerdings nichts, denn die Coronapandemie hat den Standbetreibern einen Strich durch die Rechnung gemacht. So geht es auch dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Solingen, berichtet Wohnheimleiter Marc Hoffmann: „Wir haben glücklicherweise einen riesigen Kellerraum, so dass wir noch kein Platzproblem haben. Die Leute liefern das ganze Jahr über ihre Sachen bei uns ab.“

„Das ist jedes Jahr aufs Neue ein Kampf.“ 

Marc Hoffmann, CVJM

Auf den Verkauf des Trödels beim Zöppkesmarkt sei der CVJM eigentlich dringend angewiesen. „Das sind etwa bis zu 2500 Euro, die uns in der Kasse fehlen. Die Fördermittel der Stadt reichen nicht aus, um unsere Personalkosten decken und adäquate Kinder- und Jugendarbeit machen zu können. Dem Verein geht es sehr schlecht“, macht Hoffmann deutlich. Das vom CVJM betriebene Männerwohnheim trage sich nur knapp und sei quasi ein „Nullläufer“. „Das ist jedes Jahr aufs Neue ein Kampf.“

Einen Teil des Trödels wollen die Mitglieder künftig auch auf kleineren Trödelmärkten anbieten. „Das ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein“, ergänzt Daniel Telgen, der beim CVJM für die Kulturarbeit verantwortlich ist. Kurz vor Corona hatte der Verein sein Ladenlokal umgebaut, um die Räumlichkeiten etwa für Geburtstagsfeiern vermieten zu können. In einer Halle fanden sonst Konzerte statt, die in den vergangenen Monaten ebenfalls auf Eis lagen. „Das sind alles Einnahmen, die wegen Corona wegfallen.“

Der Ausfall des Zöppkesmarktes schmerze auch den Verein Palliatives Hospiz Solingen (PHoS), sagt Nadine Beier, Mitarbeiterin in der Verwaltung. „Wir haben im Keller unserer Geschäftsstelle einen Sammelpunkt für Trödel. Wie bei allen anderen auch ruht das Ganze jetzt bei uns.“ Nicht nur ein geschätzter Gewinn von etwa 3000 Euro fielen nun für den Verein weg, sondern es gehe auch viel Gemeinschaftsgefühl verloren, von dem der Zöppkesmarkt sonst lebe. Der größte Anteil der Spenden sei sonst immer in das stationäre Hospiz geflossen. Auch könne der Verein nie kostendeckend arbeiten, sondern sei auf Spenden angewiesen. „Für uns ist es ein Glücksfall, dass wir in diesem Jahr beim Karneval dabei waren, wo wir ebenfalls Spenden gesammelt haben. Deshalb stehen wir jetzt einigermaßen solide da.“

Aufnahmestopp für Trödel gebe es notgedrungen erst mal bei der Deutschen Pfadfindergemeinschaft St. Georg (DPSG), berichtet Marc Reuter vom Stamm Sugambrer. „In unserem Gruppenraum befindet sich ein Überseecontainer, der jedes Jahr im Juni voll wird. Zwischenzeitlich sortieren wir noch mal aus, welche Sachen verkäuflich sind und welche nicht.“ Mittlerweile sei der Behälter zum Bersten gefüllt, so dass die Pfadfinder keinen weiteren Trödel mehr annehmen könnten. Die Einnahmen des Zöppkesmarktes flössen normalerweise in Kinder- und Jugendfahrten. „Das ist unsere wichtigste Einnahmequelle“, so Reuter. „Deshalb tut der Ausfall schon weh.“

Zöppkesmarkt

Der Verein zur Förderung des traditionellen Solinger Brauchtums, der den Zöppkesmarkt bislang ausgerichtet hatte, sagte diesen bereits im Mai ab. Rumgesprochen habe sich die Information aber immer noch nicht bei allen, berichtet der Vorsitzende Falk Dornseifer. „Ich erhalte immer noch jeden zweiten Tag Anfragen.“ Auf den coronabedingten Ausfall der Veranstaltung habe sich der Verein frühzeitig eingestellt.

Eigentlich hätte am Freitagabend die Zöppkesmahlzeit stattgefunden. Honorige Herren – und einige wenige Damen – hätten im Clemenssaal gefeiert und viel Geld für die Unterstützung der Solinger Kinderstuben zusammengetragen.

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