Andacht im ST

Gute Worte mit in den Tag nehmen

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Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute Pfarrerin Renate Tomalik.

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Wie geht Ihr mit den bedrückenden Bildern und Nachrichten in diesen Wochen um?“ Vor ein paar Tagen habe ich an einige Freundinnen diese Frage geschickt. Darf man sich freuen, lachen, leben, während nicht weit von hier gekämpft, gelitten und gestorben wird?

An mir selbst hatte ich beobachtet, dass ich mich nicht so recht über den Frühling freuen konnte: über die ersten Narzissen, das Zwitschern der Vögel, die Wärme der Sonne nach dem langen Winter. In diesem Jahr liegt über alldem eine Schwere: Bilder des Krieges, die bedrückende Bedrohung durch noch mehr Waffen, die drohende Hungersnot in ärmeren Ländern durch steigende Weizenpreise als Folge des Krieges in der Ukraine. Mein Gefühl war: Unbeschwert und fröhlich – das geht gerade gar nicht.

Die Freundinnen schrieben mir zurück. Sie schaue nur noch einmal am Tag Nachrichten, berichtete eine: „Ich spüre, dass ich mich vor zu vielen schrecklichen Bildern schützen muss, denn sie gehen nicht mehr aus dem Kopf oder dem Herzen.“ Sie treffe bewusst Freundinnen und Freunde, male Bilder, spende Geld, engagiere sich in einer Willkommensinitiative für geflüchtete Menschen. Eine andere schrieb, sie schaue keine Bilder vom Krieg mehr an. Nachrichten nehme sie nur noch in Textform wahr. Abends vermeide sie sie ganz, um zur Ruhe zu kommen. Sie mache lange Spaziergänge in der Natur. Ein Freund habe Geflüchtete in seinem Haus aufgenommen, da helfe sie mit.

Die Anregungen meiner Freundinnen haben mir geholfen. Ein Satz aus der Bibel hilft mir auch: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut – denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9) Erschrecken und Mutlosigkeit angesichts der Krisen in der Welt können lähmen. Das Vertrauen auf Gottes Nähe dagegen stärkt mich. Gottes aufmunterndes Versprechen an Josua gilt: auch mir – auch Ihnen. Wir alle dürfen darauf vertrauen, dass Gott für unsere unheile Welt gute Wege finden wird: zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung. Dabei kommt es aber auch auf unser Zutun an. Beides kann unsere Zeit gut gebrauchen: unser Beten und Vertrauen auf Gott einerseits, unser aktives Reden und Handeln in der Welt andererseits. Und beides hilft auch unserer Seele angesichts der bedrückenden Nachrichten dieses Frühjahrs!

Es kann sinnvoll sein, Verbündete zu suchen

Gegen das Gefühl der Ohnmacht und um meine eigene Kraft wieder zu spüren, hilft es mir, mich aktiv einzusetzen: wo und wie ich es kann und auf meine Weise. Dabei kann es sinnvoll sein, Verbündete zu suchen und gemeinsam mit anderen für die gute Sache einzutreten. Ich habe so zum Beispiel eine Frau kennengelernt und ihr Projekt, das dringend benötigte Medikamente für Menschen in der Ukraine sammelt. Geflüchtete zu begleiten, Sachspenden zu sammeln oder Geld zu geben, hilft ganz praktisch.

Renate Tomalik ist Pfarrerin in der Evangelischen Klinikseelsorge am Städtischen Klinikum Solingen.

Außerdem ist es für mich wichtig, im Kontakt zu bleiben mit Menschen, die mir wichtig sind. Und weiterhin Dinge zu machen, die mir guttun. Für mich sind das zum Beispiel Gartenarbeit, Lesen und das Laufen im Wald. Ihnen tun vielleicht ganz andere Dinge gut. Und nicht zuletzt hilft es mir, regelmäßig innezuhalten und die Situation und meine Gefühle vor Gott auszusprechen. Jeden Donnerstagmittag zum Beispiel. Im Klinikum feiern wir eine ökumenische Friedensandacht in der Kapelle: Zeit zum Trost und zur Stärkung fürs Weitergehen. Oder jeden Morgen suche ich mir ein paar gute Worte, die ich dann mit in den Tag nehme: einen Satz aus der Bibel, ein Lied, ein Gedicht. Und jeden Abend bevor ich einschlafe, bete ich für alles, was im Verlauf des Tages mein Herz berührt hat: für Menschen in der Ferne und in der Nähe.

Die Worte meiner Freundinnen und Worte aus der Bibel helfen mir, Wege zu finden, um mit den Krisen dieses Frühjahrs zurechtzukommen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie Ihren Weg finden!

Ihre Pfarrerin Renate Tomalik

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