Interview

Gundhild Hübel: „Inhaltlich sind wir nicht so weit auseinander“

Gundhild Hübel (SPD) wurde mit 14 von 15 Stimmen zur Bezirksbürgermeisterin für Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid gewählt. Sie war Kandidatin von CDU, SPD, Grünen, FDP, BfS und Linkspartei. Erster Stellvertreter ist Marc Westkämper (CDU), zweite Stellvertreterin ist Sabine Vogel (Grüne). Foto: Christian Beier
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Gundhild Hübel (SPD) wurde mit 14 von 15 Stimmen zur Bezirksbürgermeisterin für Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid gewählt. Sie war Kandidatin von CDU, SPD, Grünen, FDP, BfS und Linkspartei. Erster Stellvertreter ist Marc Westkämper (CDU), zweite Stellvertreterin ist Sabine Vogel (Grüne).

Bezirksbürgermeisterin Gundhild Hübel (SPD) spricht über ihre Pläne für Ohligs, Aufderhöhe und Merscheid und die Kooperation mit anderen Parteien.

Von Björn Boch 

Frau Hübel, nach den Querelen in Burg/Höhscheid und Mitte: Sind Sie froh, dass es bei Ihrer Wahl zur Bezirksbürgermeisterin von Ohligs, Aufderhöhe und Merscheid eine große, gemeinsame Liste gab?

Gundhild Hübel: Die SPD, die Grünen und die Linkspartei haben vorab eine Vereinbarung unterzeichnet, in denen sehr grundsätzliche Dinge zu wichtigen inhaltlichen Fragen festgehalten sind. Die Wahl durch eine gemeinsame Liste aller demokratischen Parteien hat mich sehr gefreut – und besonders, dass der Vorschlag von CDU, FDP und BfS kam. Mein Eindruck ist, dass wir in unserer Bezirksvertretung sehr partnerschaftlich auf Augenhöhe arbeiten. Inhaltlich sind wir nämlich nicht so weit auseinander.

Was sind denn Ihre Schwerpunkte für die kommenden fünf Jahre?

Hübel: Wir haben parteiübergreifend eine Übereinstimmung für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Auch bei der Erweiterung der Radwege muss eigentlich jede Partei jetzt mitziehen. Es kann ja nicht sein, dass Radwege plötzlich aufhören und die Fahrradfahrer nicht wissen, wo es weitergeht. Rot-rot-grün ist darüber hinaus auch wichtig, dass wir ausreichend sozialen Wohnungsbau haben werden. Es gibt schon seit längerem eine starke Verdrängung aufgrund steigender Preise bei den Immobilien. Ein weiteres Thema ist Bildungsgerechtigkeit. Wir wünschen uns eine gebundene Ganztagsgrundschule. Eine feste Betreuung von 8 bis 16 Uhr würde Inklusion und individuelle Förderung erleichtern. Und wir haben ohnehin viel zu wenige Plätze im offenen Ganztag.

Da wird sich – wie in vielen Bereichen – die Frage der Finanzierung stellen. Die Corona-Pandemie macht alles noch schwerer.

Hübel: Ja, das kostet Geld. Aber wir müssen trotz Corona Visionen formulieren und zeigen, was wir uns für die Bildungslandschaft wünschen. In vielen anderen Bereichen wird es vor allem darauf ankommen, dass wir schauen, wofür es Fördermittel gibt – und wie wir diese gemeinsam mit der Stadt in unseren Bezirk holen. Ich habe mich früher viel mit Ausschreibungen beschäftigt, und wir haben sehr kreative Mitgestalter wie die Immobilien- und Standortgemeinschaft, die Ohligser Werbegemeinschaft und die Ohligser Jongens. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir sagen können: „Das muss die Stadt machen.“

„Es gibt eine besondere Dynamik in unserem Stadtbezirk.“

Welche Herausforderungen bringen große Bauvorhaben wie das O-Quartier und die Wohnungen am Hermann-Löns-Weg für Ohligs?

Hübel: Da müssen wir uns den Parkraum und die Bewirtschaftung noch einmal anschauen. Es kann gut sein, dass da nachgebessert werden muss. Durch den Zuzug ergeben sich aber auch Herausforderungen für die Bildungslandschaft, für Kita- und OGS-Plätze und für die Freizeitgestaltung der Jugendlichen. Es ist mir wichtig, auch zu ihnen wieder einen Kontakt aufzubauen und herauszufinden, was sie wollen. Wir planen eine regelmäßige Bürgersprechstunde für alle vor Sitzungen unserer Bezirksvertretung – speziell für Jugendliche vielleicht auch in Zusammenarbeit mit dem Jugendstadtrat.

Wird es einen Kreisverkehr an der Bonner Straße / Langhansstraße geben?

Hübel: Da sind sich die Parteien in der Tat nicht einig. Da sind wir gerade in Gesprächen – genauso zu den Themen Erreichbarkeit des Stadtteils, Mobilitätskonzept und Verkehrsfluss, etwa für Pendler. Es gibt eine besondere Dynamik in unserem Stadtbezirk.

Erleben Sie in Ihrer Amtszeit die Eröffnung des Freizeitparks Aufderhöhe?

Hübel: Wir brauchen in Aufderhöhe dringend ein neues Freizeitangebot. Ich würde es mir so sehr wünschen, auch wegen des jahrzehntelangen, ehrenamtlichen Engagements. Leider gibt es aber eine erneute Klage eines einzelnen Anwohners. Jetzt muss das Gericht entscheiden – eine Bezirksvertretung kann da nichts mehr tun.

Die Merscheider äußern immer mal Unmut, dass sie zwischen Ohligs und Aufderhöhe ein wenig unterzugehen drohen. Können Sie Ihnen diese Befürchtung nehmen?

Hübel: Ich kann die Vorbehalte verstehen. Es ist leider ein typisches Problem vieler Solinger, sich zu sehr über den eigenen Stadtteil zu definieren. Wir spielen als Bezirksvertretung eine wichtige Rolle in der Stadt, auch weil wir der einwohnerstärkste Bezirk sind – aber eben nur gemeinsam. Auch in Merscheid gibt es, wie in Ohligs und Aufderhöhe, zum Beispiel eine fantastische Infrastruktur der Sportvereine, die tolle Stadtteilarbeit leisten. Auf solche Menschen werden wir hören und auf ihre Erfahrungen bauen.

Gundhild Hübel macht heute den Anfang: Das Solinger Tageblatt wird in den kommenden Wochen Gespräche mit allen neuen Bezirksbürgermeistern über ihre Pläne für den Bezirk führen.

Persönlich

Gundhild Hübel: Die 67-Jährige wurde in Ohligs geboren und ging dort auf das städtische Mädchenlyzeum (heute: Geschwister-Scholl-Schule). Sie machte ihr Abitur in Wuppertal und studierte in Aachen. Bei der Stadt Solingen begann sie ihr Berufsleben als stellvertretende Leiterin der Familienbildungsstätte. Hübel war mehr als 20 Jahre bei einem großen Bildungsträger beschäftigt. Vor ihrer Rente kehrte sie zur Stadt zurück und arbeitete in der Stabsstelle für Flüchtlinge. Hübel ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Bezirksbürgermeisterin ist ihr erstes politisches Amt.

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