Stadtentwicklung

Grossmann-Bau soll Denkmal werden

Die Verwaltungsgebäuder der ehemaligen Gießerei Grossmann.
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Die Verwaltungsgebäuder der ehemaligen Gießerei Grossmann.

Die Stadt will Verwaltungsgebäude erhalten. Investor Sam Jordan kritisiert das Vorgehen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Gießerei Grossmann an der Wittkuller Straße 108 und Teile der Werkseinfriedung sollen in die Denkmalliste der Stadt Solingen aufgenommen werden. Damit soll ein bedeutendes Zeugnis für die Wirtschafts- und Industriegeschichte erhalten werden, heißt es in der Begründung der Unteren Denkmalschutzbehörde. Investor Sam Jordan, der das Areal 2019 mit seiner Immobiliengesellschaft gekauft hatte, kritisierte das Vorhaben gegenüber dem ST. Denkmalschutz erschwere die Entwicklung des Geländes. Die Bezirksvertretung Wald entscheidet am Montag, 17. Oktober, über die Eintragung.

Zum Grossmann-Areal gehören Industriegebäude und Hallen zwischen Wittkuller Straße, Heukämpchenstraße, Böcklinstraße und Wiesenstraße – auf rund 45 000 Quadratmetern Fläche. Das Gelände ist Teil des Integrierten Stadtteilkonzepts (ISEK) „Wald 2030“ und soll entwickelt werden. Wie, ist völlig offen.

Für denkmalwert halten die Denkmalschützer das von 1899 bis 1900 errichtete Verwaltungsgebäude an der Wittkuller Straße 108, das den Straßenraum präge. Sie weisen in ihrer achtseitigen Begründung unter anderem auf die Fassade mit Zunftsymbolen, Firmenwappen und Stuck sowie die bauzeitliche Eingangstür nebst Pförtnerloge hin. Im Inneren sind es die Büroräume mit raumhohen Wandvertäfelungen und Einbaumöbeln im Stil der 1920er und 30er Jahre, die als schützenswert eingestuft werden.

Auf die Denkmalliste sollen neben dem Gebäude auch Reste der historischen Grundstückseinfriedung an der Böcklinstraße und die Einfriedung des Werkseingangs an der Ecke Heukämpchenstraße. „Ihre Erhaltung und Nutzung liegt aus wissenschaftlichen sowie aus städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse“, so die Denkmalschützer.

Denkmalschutzbehörde sieht keinen Spielraum

Im Sommer zeigte Investor Sam Jordan dem ST die Innenräume des ehemaligen Grossmann-Verwaltungsgebäudes. Unter anderem die Büros des Direktoriums mit den holzvertäfelten Wänden halten die Denkmalschützer für besonders denkmalwert.

Er habe nichts gegen gute Denkmäler, sagt Eigentümer Sam Jordan im Gespräch mit dem Tageblatt. Er sei jedoch „irritiert“ über die Vorgehensweise der Stadt Solingen. Dass die Aufnahme in die Denkmalliste geplant sei, sei ihm vor der notariellen Beurkundung des Kaufs Ende 2019 verschwiegen worden, behauptet Jordan. „Einen Tag später haben wir erfahren, dass das Thema Denkmal doch eines ist. Das ist nicht die feine englische Art im Umgang mit Investoren.“ Ihm würden Hürden in den Weg gelegt. Aus dem Rathaus hieß es auf ST-Anfrage, dass Fragen zum Grossmann-Areal kurzfristig nicht beantwortet werden könnten, weil zuständige Mitarbeiter in Urlaub seien.
So sieht das Grossmann-Gelände von Innen aus

Laut Vorlage der Unteren Denkmalschutzbehörde habe man bereits 2017 dem Insolvenzverwalter die Ersteinschätzung mitgeteilt, „dass für das Verwaltungsgebäude Wittkuller Straße 108 begründeter Denkmalverdacht besteht“. Eine weitere Begehung fand demnach im Oktober 2019 statt. Einen Monat später ging der Verkauf an Jordans Immobilienfirma über die Bühne. Nachdem die Denkmalbehörde davon erfuhr, sei im Dezember 2019 eine vorläufige Unterschutzstellung der Objekte ausgesprochen worden, „da hier nicht bekannt war, inwieweit die Neueigentümerin über die geplante Denkmaleintragung informiert wurde“.

Bei späteren Gesprächen habe der Eigentümer die Denkmaleintragung abgelehnt: aus Sicht der Behörde mit „nicht stichhaltigen Argumenten“. Auch Gespräche, zuletzt im Juni, hätten keine Einigung gebracht, heißt es: „Nachdem das Anhörungsverfahren abgeschlossen ist, lässt das geltende Denkmalschutzrecht keinen weiteren Spielraum, als die Unterschutzstellung zeitnah zu vollziehen.“

Die Stahlkonstruktion der Windfelner Brücke aus dem 19. Jahrhundert ist laut Stadt Solingen denkmalwürdig.

Auch Eisenbahnbrücke in Windfeln ist ein Kandidat für die Denkmalliste

-pm- Am 20. Oktober liegt es in den Händen der Bezirksvertretung Mitte, die Eisenbahnbrücke in Windfeln in die städtische Liste der Denkmale aufzunehmen. Die Brücke wurde zwischen 1892 und 1894 als Teil der damals im Bau befindlichen Bahnstrecke zwischen Solingen und Remscheid zunächst eingleisig errichtetet. Im Jahr 1907 wurde sie auf zweigleisigen Betrieb erweitertet. Die Bahnstrecke führt von Solingen dazu nach Schaberg und schließlich über die 1897 eingeweihte Müngstener Brücke. Deren 125. Geburtstag wurde im August gefeiert.

Wie die Verwaltung in der Beschlussvorlage mitteilt, die der Bezirksvertretung jetzt zur Annahme vorliegt, gehört die Brücke der Deutschen Bahn, genauer der DB Netze. Mit der Bahn sei die Stadt bereits im Gespräch über die Folgen der Aufnahme in die Denkmalliste. Denn daraus ergeben sich Rechte und Pflichten.

Stadt und Bahn besprechen Sanierungsbedarf der Brücke

Zunächst geht es um den Erhalt der Brücke selbst. Der Sanierungs- und Erneuerungsbedarf für die Brücke werde zwischen Bahn und Stadt aktuell besprochen. Das Ergebnis habe aber keinen Einfluss auf die Aufnahme in die Liste selbst.

Warum die markante Brücke zwischen Halfeshof und Schaberg über die Hofschaft Windfeln wichtig ist, begründet die Stadtverwaltung so: „Mit der Windfelner Brücke soll eine der wenigen, authentisch erhaltenen Beispiele für Stahlfachwerk-Talbrücken aus dem späten 19. Jahrhundert im ländlichen Raum erhalten werden.“ Sie sei Zeugnis der umfänglichen und komplexen bauvorbereitenden Maßnahmen und Hilfsbauten für den Bau der Müngstener Brücke.

Entwicklung

Das Grossmann-Areal ist Teil des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts Wald 2030. Zuletzt hatte die Stadtverwaltung im Sommer mitgeteilt, dass es Gespräche mit dem Eigentümer gebe, um ein Werkstattverfahren ab 2023 vorzubereiten. Denn auch Bürger sollen daran beteiligt werden, wie das Gelände entwickelt werden soll.

Standpunkt von Anja Kriskofski: Substanz bewahren

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Was macht das Gesicht einer Stadt aus? Es sind nicht moderne Neubauten, die in Solingen genauso aussehen wie in Stralsund oder Stuttgart. Alte Gebäude zeigen Geschichte. In Deutschland ist durch den Zweiten Weltkrieg und Abrisssünden der Nachkriegszeit viel historische Bausubstanz verloren gegangen. Was wir noch haben, sollte also bewahrt werden. Dazu zählt auch das Verwaltungsgebäude von Grossmann, einst älteste Stahlgießerei Deutschlands, gegründet Mitte des 19. Jahrhunderts.

Dass sich historische Gebäude zeitgemäß umbauen und nutzen lassen, zeigen in Solingen mehrere Beispiele. Das Rathaus an der Cronenberger Straße ist in der alten WKC-Fabrik untergebracht, an der Prinzenstraße hat Mirko Novakovic gerade das ehemalige Gebäude der Konsumgenossenschaft Solidarität umbauen lassen. Der Grossmann-Bau ist vielleicht nicht ganz so markant, erhaltens- und denkmalwert ist er trotzdem. Jetzt sind Ideen gefragt, wie das Gelände entwickelt und das Gebäude weiter genutzt werden kann.

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