Versorgungslage schwierig

Grippe-Impfstoff ist in Solingen knapp

Dosen mit Grippeschutz-Impfstoff sind in diesem Jahr besonders begehrt – und dadurch auch knapp. Foto: Roland Keusch
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Dosen mit Grippeschutz-Impfstoff sind in diesem Jahr besonders begehrt – und dadurch auch knapp.

Ungewöhnlich viele Menschen wollen sich vor Influenza-Viren schützen.

Von Andreas Tews und Axel Richter

Solingen. Die Anfragen nach Grippeschutz-Impfstoff häufen sich in den Solinger Apotheken. Doch dort können Christian Veithen und seine Kollegen oft nicht weiterhelfen. „Es ist schwer, an Impfstoff heranzukommen“, berichtet der Sprecher der Solinger Apotheker. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage in diesem Jahr besonders groß sei. Viele Menschen wollen sich vor dem Influenza-Virus schützen, weil die Bundesregierung im Zuge der Corona-Pandemie dazu geraten hatte.

„Die Ärzte werden überrannt.“
Christian Veithen, Apotheker

Tatsächlich sind die bundesweit 18,1 Millionen Dosen des Vierfachimpfstoffes, die das Paul-Ehrlich-Institut bis Ende September auf Bestellung der Ärzte und Apotheken zur Auslieferung freigegeben hatte, bereits so gut wie verimpft. Für den Oktober war zwar noch eine zweite Lieferung angekündigt worden, doch nach Einschätzung von Ärzten und Apothekern reicht diese nicht aus. Wer jetzt seinen Namen auf einer Liste stehen hat oder bei seinem Hausarzt vorstellig wird, kann darum nur auf die nächsten Tage hoffen.

Dabei hatten auch die Kassenärzte im Corona-Jahr 2020 vor allem älteren, chronisch kranken und immungeschwächten Menschen sowie allen in Gesundheitsberufen die Grippeschutzimpfung dringend angeraten. So soll verhindert werden, dass insbesondere in den Risikogruppen die saisonale Grippe zusätzlich zur Pandemie auftritt.

Nach Veithens Einschätzung ist es unwahrscheinlich, dass die vielen Anfragen befriedigt werden können. Er begründet dies mit der langen Vorlaufzeit, die für die Produktion von Grippe-Impfstoff nötig sei. Veithen: „Die Firmen fragen den Bedarf im Winter und Frühjahr des Vorjahres ab.“ Daraufhin bestellen Ärzte und Apotheken den Impfstoff. Die Covid-19-Pandemie und die entsprechend große Nachfrage auch nach Grippeschutz-Impfstoff seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen gewesen.

Solingen: Ärzte werden überrannt

Veithen: „Die Ärzte werden überrannt.“ In seiner Apotheke fragen nach seinen Angaben auch Praxen an, die üblicherweise nicht bei ihm bestellen. Patienten kann er nur raten, bei Apotheken herumzufragen. Nach Lage der Dinge scheinen die Chancen auf Erfolg aber recht gering zu sein.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung rechnet man damit, dass die Zahl derer, die sich gegen Grippe impfen lassen wollen, in diesem Jahr um etwa 20 bis 30 Prozent höher liegen wird als in vorangegangenen Jahren. Zumindest sei dies der Wert, auf dessen Basis die Praxen Anfang des Jahres bestellt hätten. Von einer generellen Impfstoff-Knappheit sei im Rheinland aber nichts bekannt, erklärt Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Vereinzelt lägen aber Hinweise vor, dass in manchen Regionen Einzeldosen für Privatpatienten fehlen. Dies gelte auch für die Satzungsimpfungen, die von den Gesetzlichen Kassen freiwillig angeboten werden. Dies deckt sich allerdings nicht mit den Aussagen Veithens. Auch bei Probeanrufen in diversen Solinger Arztpraxen war zu erfahren, dass die Versorgungslage mit Impfstoff schwierig sei.

Eine gute Nachricht gibt es unterdessen von der Südhalbkugel. Dort sind in der Grippesaison deutlich weniger an Influenza erkrankt als in früheren Jahren. Abstand halten, Händewaschen und das Tragen einer Atemmaske schützen eben auch vor dem Grippeerreger. Trifft uns die Influenza im Corona-Jahr 2020 deshalb weniger schlimm als zuvor? Eine Antwort darauf gibt es nach Weihnachten. Dann steigt die Sterblichkeit infolge der Grippe normalerweise an.

Hintergrund

Zielgruppe: Das Robert-Koch-Institut – die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention – empfiehlt Grippeschutz für alle ab 60 Jahren und Menschen mit chronischen Krankheiten.

Tipp: Derzeit ist kein Impfstoff in Solingen verfügbar. Ärzte und Fachleute raten dennoch, sich jetzt mit ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Zeit: Die ideale Zeit für eine Grippeschutzimpfung sind die Monate Oktober und November.

Schutz: Der Impfschutz hält danach sechs Monate an.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Standpunkt: Nicht zu Ende gedacht

andreas.tews@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

In diesem Jahr ist an vielen Stellen Vorsicht geboten. Dies gilt für das Einhalten der Abstands-, Hygiene- und Mund-Nase-Bedeckungs-Regeln genauso wie die Überlegung, ob es in diesen Herbstferien wirklich ein Urlaub mit Flug oder eine Reise in eine als Risikogebiet eingestufte Gegend sein muss. Vor diesem Hintergrund dachten die Verantwortlichen der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts sicherlich auch an Vorsicht, als sie mehr denn je empfahlen, an der Grippeschutzimpfung teilzunehmen. 

Doch leider war dies nicht zu Ende gedacht. Solche Empfehlungen haben immer zur Folge, dass sich viele Menschen – richtigerweise – danach richten und dass dadurch die Nachfrage nach Impfstoff immens steigt. Dadurch kann die große Nachfrage in diesem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht befriedigt werden. Solche Situationen führen nicht nur zu Ärger in der Bevölkerung, sondern auch zu einer noch größeren Verunsicherung. Die ausgesprochenen Empfehlungen waren nicht zu Ende gedacht. Wer sie von offizieller Seite ausspricht, muss auch die Folgen bedenken.

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