Interview der Woche

Udo Vogtländer: Gräfrath als Kleinod bewahren

Udo Vogtländer ist für die SPD seit 1979 in der Bezirksvertretung Gräfrath. Seit 21 Jahren ist er Bezirksvorsteher bzw Bezirksbürgermeister. Foto: Christian Beier
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Udo Vogtländer ist für die SPD seit 1979 in der Bezirksvertretung Gräfrath. Seit 21 Jahren ist er Bezirksvorsteher bzw Bezirksbürgermeister.

Udo Vogtländer führt den kleinsten Stadtbezirk seit 21 Jahren. Das Wichtigste ist ihm der Zusammenhalt.

Das Gespräch führte Simone Theyßen-Speich

Gräfrath ist der nördlichste und – nicht nur aus Sicht der Gräfrather – auch einer der schönsten Solinger Stadtteile. Wie steht der Stadtteil derzeit da? 

Udo Vogtländer: Es gibt hier in Gräfrath viel Positives. Vor allen Dingen sind es der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Stadtteil – mit den vielen Vereinen, den Geschäftsleuten und vor allen Dingen viel ehrenamtlichem Engagement. Dabei ist Gräfrath mehr als nur der Bereich rund um den historischen Marktplatz. Der Stadtteil umfasst ja das Gebiet über Central bis zum Frankfurter Damm und zum Schlagbaum und schließt beispielsweise den Botanischen Garten und das Klinikum mit ein. Ich selbst bin seit 1970 in Solingen und habe die meiste Zeit in Gräfrath gelebt.

Großes Thema in Gräfrath ist seit langem die Versorgung. Was fehlt aus Ihrer Sicht? 

Vogtländer: Wir sind verkehrstechnisch ja gut angebunden, haben die Autobahnauffahrt zur A 46 in der Nähe und den O-Bus 683 zum Bahnhof Vohwinkel. Aber natürlich ist die Nahversorgung wichtig. Laut kommunalem Einzelhandelskonzept dürfen nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter gebaut werden. Deshalb braucht das Konzept, am alten Bahnhof einen Vollversorger auf 2200 Quadratmetern anzusiedeln, ja auch die Sondergenehmigung der Bezirksregierung. Aber wir sind optimistisch, dass es klappt.

Wie weit ist das Konzept vorangeschritten? 

Vogtländer: Die Grundstückssituation ist geklärt und kleine Dinge, etwa die notwendige verkehrliche Erschließung, dürften auch kein Hinderungsgrund mehr sein. Wichtig ist: Wir möchten keinen Discounter, sondern einen Lebensmittel-Vollsortimenter. Da ist sich die Bezirksvertretung auch einig. Der Markt hätte über die Achse „In der Freiheit“ auch eine Anbindung an den Ortskern. Zudem wird es dort viel „Laufkundschaft“ geben, denn es fahren täglich 22 000 Autos über die Wuppertaler Straße. Ich hoffe, dass der Markt 2016 eröffnet. Wäre damit der Grundbedarf in Gräfrath gedeckt? Vogtländer: Ich denke, ja. Wir haben viele kleine schmucke Geschäfte, haben den Bäcker oder die Sparkasse sowie den Wochenmarkt. Mit dem Supermarkt wären wir sehr zufrieden. Sie haben betont, dass Gräfrath mehr ist als der historische Marktplatz. Wie sieht es außerhalb des Ortskerns aus? Vogtländer: Besonderes Augenmerk legt die Bezirksvertretung derzeit auf die städtebauliche Situation am Central. Da muss man am Ball bleiben, deshalb gab es dort jetzt einen „Runden Tisch“ mit den Anliegern. Hier muss städtebaulich einiges passieren, insbesondere bei den Themen Leerstände und Parksituation.

Wohnen, Kultur, Gastronomie und Tourismus – diesen städtebaulichen Rahmenplan hat sich Gräfrath gesetzt. Welche Bedeutung hat dabei, den Tourismus weiter anzukurbeln? 

Vogtländer: Wir setzen natürlich große Hoffnung auf die Tourismusförderung, die Gräfrath als Solinger Aushängeschild mit im Blick hat. Aber auch der Heimatverein und der Zusammenschluss der Händler, die beispielsweise den Lichterzauber (4. September 2015) und vieles mehr organisieren, und allen voran die Arbeitsgemeinschaft Gräfrather Vereine (Arge), die das Marktfest veranstaltet, tun viel, um Gräfrath nach außen zu präsentieren.

Der Stadtteil hat ja auch einiges zu bieten. 

Vogtländer: Das reicht vom Klingenmuseum, Kunstmuseum und Heimatmuseum über Fauna und Botanischen Garten bis zu den Galerien, der Zentralschule für den Süßwarenfachhandel, dem Lichtturm, dem Kammerspielchen oder Schloss Grünewald. Die Geschäfte, Gastronomen und die Tourismusförderung haben jetzt Flyer herausgegeben, die all das mal zusammenstellen.

In vielen Stadtteilen gibt es Händler-Zusammenschlüsse. Was ist das Besondere der Arge in Gräfrath? 

Vogtländer: In der Arge sind 14 Vereine und Institutionen zusammengeschlossen. Das reicht von der Freiwilligen Feuerwehr über den Gräfrather Turn- und Sportverein oder den Ballspielverein bis zur Grundschule Gerberstraße, den Chören und Kirchengemeinden. Da läuft halt fast alles über das Ehrenamt. Und der Überschuss, etwa aus den Festen, kommt den Vereinen wieder zugute.

Der Stadtteil ist sehr vielfältig. Neben dem Ortskern als Kleinod gibt es auch viele Gewerbeflächen. Wie ist der aktuelle Stand des Plans, diese noch auszuweiten? 

Vogtländer: Wir haben fünf Gewerbegebiete: Dycker Feld, Piepersberg Ost und West, Fürkeltrath I und die Alte Ziegelei. Damit leisten wir schon sehr viel für diese Stadt. Deshalb ist die Mehrheit um SPD und Grüne in der Bezirksvertretung auch dagegen, Fürkelrath II zu bebauen. Das sind 8,4 Hektar Fläche, von denen nur 5,6 Hektar überbaubar sind. Auch die Hanglage ist topographisch sehr schwierig.

Wenn Sie mit auswärtigen Gästen in Gräfrath unterwegs sind, wohin gehen Sie? 

PERSÖNLICH

PRIVAT Udo Vogtländer (66) ist in Wülfrath geboren und in Wuppertal und Bottrop aufgewachsen. Seit 1970 lebt er in Solingen. Vogtländer ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und vier Enkelkinder. BERUFLICH Der gelernte Kfz-Schlosser war Verdi-Gewerkschaftssekretär in Düsseldorf. Seit einem Jahr ist er im Ruhestand. HOBBY Vogtländer verbringt gerne Zeit in seinem Schrebergarten, beim Laufen oder Radfahren.

Vogtländer: Natürlich Richtung Marktplatz. Zum Glück sind viele Lokale am Wochenende so gut gefüllt, dass es manchmal schwierig ist, einen Platz zu bekommen. Aber die Auswahl ist ja groß genug. Wenn in Gräfrath die Glücksfee auftauchen würde – welche Wünsche hätten Sie? Vogtländer: Ich wünsche mir, dass der Zusammenhalt in Gräfrath so gut bleibt. Ein zweiter Wunsch wäre, dass die Investitionsmittel für den Umbau des Eugen-Maurer-Hauses kommen. Und auch die Jugendherberge würde ich in meine Wunschliste einschließen. Wenn sie schon nicht in Gräfrath bleiben kann, dann denke ich gesamtstädtisch und hoffe, dass Burg eine Jugendherberge behält.

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