Schnelles Internet

Glasfaser: Telekom investiert in Solingen Millionen


Vertreter von Telekom und Stadt stellten die langfristigen Pläne im Rathaus vor.
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Vertreter von Telekom und Stadt stellten die langfristigen Pläne im Rathaus vor.

Bis zu 80.000 Haushalte und Unternehmen sollen Zugang zum schnellen Netz erhalten.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Die Telekom investiert knapp 100 Millionen Euro in Solingen. Mehr als 32.000 Adressen mit rund 80.000 Haushalten und Unternehmensstandorten sollen ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Der Ausbau soll in diesem Jahr in Mitte starten. Das gaben Telekom und Stadt am Montag bekannt.

Damit würde Solingen bei der Verfügbarkeit schnellen Internets einen Sprung machen. Bislang weist der nordrhein-westfälische Glasfaseratlas eine Versorgung von 0,3 Prozent aus – das zweitschlechteste Ergebnis. Zwar betont der frühere Breitbandkoordinator Alexander Osterhold, dass die Auswertung Schwächen habe. So finde etwa die mehr als 330 Kilometer lange Glasfasertrasse der Technischen Betriebe (TBS) darin keine Berücksichtigung. Dennoch gibt es Luft nach oben.

Seit dem Frühjahr 2022 schließt die Firma Epcan rund 3800 Haushalte und etwa 150 Unternehmen mit einer geringeren Datenübertragungsrate als 30 Megabit pro Sekunde ans Glasfasernetz an. Bund und Land unterstützen das Tilgen dieser „weißen Flecken“ mit 21,8 Millionen Euro.

Das Vorhaben der Telekom geschieht eigenwirtschaftlich. „Wir bauen mit unserem Geld“, betont Dr. Frank Schmidt, Konzernbevollmächtigter Region West. Es handele sich um ein „Fiber-to-the-home“-Netz. Bedeutet: Die Infrastruktur wird auf Wunsch bis in die Wohneinheiten verlegt.

„Das ist eine Zukunftsentscheidung für die Stadt.“

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD)

„Der Anschluss im Keller ist kostenlos, ohne Verpflichtungen und erhöht den Wert der Immobilie“, erklärt Jens Bammann. Er leitet den Bereich Technik der Telekom-Niederlassung West. Einzelne Wohnungen innerhalb eines Gebäude anzuschließen, verursache für den Eigentümer ebenfalls keine Kosten, wenn er einen Telekom-Vertrag abschließt. Möglich sei, die Leitungen auch mit anderen Anbietern zu nutzen, sofern entsprechende Vereinbarungen zwischen diesen und der Telekom bestehen. Das gelte etwa für Vodafone, 1 & 1 sowie O2.

Der Ausbau erfolgt in mehreren Clustern. Los gehen soll es mit etwa 2200 Adressen und rund 7260 Haushalten im östlichen Teil der Innenstadt. Das Gebiet umfasst unter anderem die Fläche zwischen Schützen- und Wupperstraße. Im kommenden Jahr soll der nördliche Teil Mittes – unter anderem Cronenberger, Kuller und Kronprinzenstraße – im Fokus stehen, 2025 der Westen mit Weyersberg, Mangenberger und Beethovenstraße.

Der Plan für dieses erste Drittel sei bereits konkret. Für die folgenden Stufen müsse er noch erarbeitet werden. Wann beispielsweise Wald, Gräfrath oder Ohligs dran sind, stehe nicht fest. Jens Bammann zufolge ist das Projekt auf einen Zeitraum von neun Jahren angelegt. Je nach Nachfrage und Zusammenarbeit vor Ort könne es schneller gehen – oder länger dauern. Die Information der Eigentümer im jeweiligen Ausbaugebiet erfolge „mit ausreichend Vorlauf“.

Stadt und Telekom haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die laut Frank Schmidt in dieser Form einmalig ist. Unter anderem wird ein Bord gebildet, in dem Experten von Telekom und TBS die Maßnahmen koordinieren. „Glasfaserausbau ist Teamarbeit“, betont Schmidt. Viel sei zu regeln, etwa was Genehmigungen angehe.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) wertet das Projekt als „sehr gute Nachricht“ für Solingen. Nun sei es an den Menschen und Unternehmen, das Angebot wahrzunehmen und den Anschluss zu gestatten. Nicht nur für die Wirtschaft sei schnelles Internet essenziell: „Das ist eine Zukunftsentscheidung für die Stadt.“

Ziel des Telekom-Projektes ist es, bis zu 85 Prozent der Solinger Adressen mit Glasfaser zu versorgen. Das „Weiße-Flecken“-Programm erreicht weitere fünf Prozent. Alexander Osterhold hofft, den fehlenden Haushalten und Unternehmen in den kommenden Jahren ebenfalls Angebote machen zu können, möglicherweise mit Hilfe weiterer Förderprogramme.

Information

In einem Blog informiert die Telekom zu ihrem Glasfaserprojekt in Solingen. Dort sind unter anderem die aktuellen Ausbaugebiete zu finden. Zudem ist es möglich, einen Anschluss vorzubestellen.

www.telekom.de/glasfaser-solingen

Standpunkt von Manuel Böhnke: Chance zum Anschluss

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Was haben Staaten wie Litauen, Island und Chile gemeinsam? Sie alle haben, relativ gesehen, deutlich mehr Glasfaseranschlüsse als Deutschland. Daran wird deutlich, wie es um den Ausbau der Digitalinfrastruktur der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt steht. Solingen ist dabei leider keine rühmliche Ausnahme. Mag der nordrhein-westfälische Glasfaseratlas die tatsächliche Verbreitung unterbewerten, besteht trotzdem auch in der Klingenstadt reichlich Luft nach oben. Einer klammen Kommune wie Solingen kann man das nicht ankreiden: Woher sollen die Mittel für den Ausbau kommen?

Wie viele Förderprogramme sollen Land und Bund auflegen? Umso erfreulicher ist, dass die Telekom nun reichlich Geld in die Hand nimmt, um das Vorhaben eigenwirtschaftlich voranzutreiben. Für viele Eigentümer wird sich in den kommenden Jahren die Frage stellen, ob sie den Anschluss gestatten. Dabei sollte das eigentlich gar keine Frage sein: Wer die Chance nicht nutzt, wird den Anschluss verpassen.

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