Manufaktur-Projekt an der Hauptstraße

Innenstadt: Gläserne Werkstatt läutet City-Zukunft ein

Noch warten die Räume der Gläsernen Werkstatt auf ihre Einrichtung. Dazu läuft die Ausschreibung für die Handwerker. Foto: Christian Beier
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Noch warten die Räume der Gläsernen Werkstatt auf ihre Einrichtung. Dazu läuft die Ausschreibung für die Handwerker.

Der Eröffnungstermin für die Werkstatt an der Hauptstraße steht noch nicht fest. Doch die Studenten des Solinger Professors Lutz Becker sehen ein großes Potenzial für die Manufaktur.

Von Philipp Müller

Solingen. Noch ruht die Gläserne Werkstatt an der Hauptstraße. Ein Eröffnungstermin ist nach Angaben des Rathauses auch nicht in Sicht. Aktuell laufen Ausschreibungen für die Handwerker, die die Räume an der Hauptstraße nach Plänen der „Raumwerk Architekten“ aus Köln gestalten sollen – oder die Ausschreibungen werden vorbereitet. Das berichtet Carsten Zimmermann. Er ist nicht nur der Abteilungsleiter strategische Planung im Büro des Oberbürgermeisters. Er ist auch Geschäftsführer der neuen Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt. Bei ihr ist die Werkstatt angesiedelt.

Auch wenn der Starttermin für die Werkstatt noch nicht feststeht, so ist sie doch schon Gegenstand der Wissenschaft. Der Studiendekan für „Sustainable Marketing & Leadership“, der Solinger Professor Lutz Becker, hat die Bedeutung der Werkstatt für eine Zukunft von modernen Stadtzentren mit einem großen Studenten-Team untersucht.

Im Rahmen einer Semesterarbeit erstellten sie eine Studie und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Gläserne Werkstatt wird erfolgreich. Mit drei der Studenten des Teams hat das ST gesprochen.

„Die Menschen werden nicht nur online shoppen.“

Maximilian Auweiler, Student

„Die Menschen werden nicht nur online shoppen“, sagt Student Maximilian Auweiler. Die Werkstatt werde den Menschen, die es in die Innenstadt zieht, zeigen, wie produziert wird. Dazu müsse man Erlebnisse bieten, erklärt Studienkollege Stefan Höreth. Das Haus biete deshalb kurze Wege zu unterschiedlichen Anbietern unter einem Dach. Ines Postels aus dem Team von Lutz Becker ergänzt, dass das die City beleben werde. Dort werde man zusammenkommen können, die Werkstatt entwickle sich zum Anlaufpunkt. Zugleich biete sie Chancen für Start-ups und Erfinder.

Solingen: Gläserne Werkstatt soll Manufaktur und Ideenschmiede bündeln

Kurz umrissen soll in der Gläsernen Werkstatt eine Manufaktur und Ideenschmiede mit Handwerkern, Dienstleistern und Firmengründern entstehen. Wert wird auf Qualität, Originalität und Bezug zu heimischen Produkten gelegt. Das habe mehr Potenzial, als man auf den ersten Blick sieht, sagt Prof. Becker. Mache man das bei der Auswahl der Interessenten richtig, könne ein Solingen „in the box“ entstehen – ein Aushängeschild für die Leistungsfähigkeit der Solinger Wirtschaft. Maximilian Auweiler will daher das Gütesiegel „Aus der Region“ für die Gläserne Werkstatt und deren Produkte umgesetzt wissen.

Wenn in die Gläserne Werkstatt Leben einzieht, dann passiert das unter dem Dach der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW). Die BSW bringt im Städtedreieck gleich sieben Projekte zum Thema „Urbane Produktion“ Zug um Zug an den Start und finanziert sie dabei mit Fördergeldern in Millionenhöhe.

Bei der BSW kennt man die Untersuchung nebst Handlungsvorschlägen der Studenten. Geschäftsführerin Uta Schneider zeigt sich von der Tiefe der Arbeit beeindruckt, die alle sieben Standorte „Urbane Produktion“ betrachtete.

Denn die Studenten haben über den Tellerrand der Solinger City hinausgedacht. Die sieben Standorte könnten sich gegenseitig befruchten. Die Studenten führen an, dass Start-ups aus der Remscheider Gründerschmiede auch einmal in die Gläserne Werkstatt ziehen. Die Rotation könne auch unter interessierten Nutzern stattfinden, so dass sich die Werkstatt öfter neu und ideenreich präsentiert.

Interessenten

Stadtsprecherin Sabine Rische erklärt, dass man sich aktuell noch nicht konkret um einen Platz in der Gläsernen Werkstatt bewerben könne. Jedoch sei es bereits möglich, auf der Internetseite der Stadtentwicklungsgesellschaft sein Interesse an der Mitarbeit zu erklären. Die abschließende Bewerberrunde folge zu einem späteren Zeitpunkt. www.seg-solingen.de/projekte/glaeserne-werkstatt

Wie steht es um die Zukunft der Solinger Innenstadt? Die Fehler der Vergangenheit müssen korrigiert werden, so viel steht fest. Ideen für das Projekt „City 2030“ gibt es viele, das Interesse ist groß.

Standpunkt: Zukunft braucht Tempo

Von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Wer sich mit den Studenten unterhält, die sich mit der Gläsernen Werkstatt befasst haben, der erlebt zwei Dinge. Da ist keinerlei Skepsis, dass das gut funktionieren kann. Zugleich haben sie die Ärmel hochgekrempelt und wollen am liebsten selbst ihre Ideen umsetzen. Das ist toll, denn junge, engagierte Macher sind die Zukunft auch für die Solinger Innenstadt. Da ist es schon mehr als ärgerlich, dass der Eröffnungstermin nicht steht. Von der temporeichen Aufbruchstimmung aus dem Frühjahr 2019, im Herbst des gleichen Jahres werde es schon losgehen, ist nichts geblieben. 

Der übliche Zyklus der Bürokratie begann. Da darf man gar nicht daran denken, dass in Brandenburg in der Hälfte der Zeit eine komplette Tesla-Fabrik entsteht. Das Projekt braucht einfach Tempo. Denn es soll als Vorzeige-Maßnahme die Wiederbelebung der Innenstadt anstoßen. Das kann sie nicht, wenn die komplett durch Corona verstorben ist. Gut, ein bisschen Geduld müssen wir und vor allem die, die darin arbeiten wollen, noch haben. Aber es darf wirklich nicht mehr als ein bisschen werden.

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