Hintergrund

Gewerbe an der Itter ist möglich

Im geplanten Gewerbegebiet Fürkeltrath II kann sich die Verwaltung die Ansiedlung von Firmen aus dem Bereich der Umwelttechnologie mit nachhaltigen Produktionsweisen und Produkten vorstellen. Fotos: Uli Preuss
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Im geplanten Gewerbegebiet Fürkeltrath II kann sich die Verwaltung die Ansiedlung von Firmen aus dem Bereich der Umwelttechnologie mit nachhaltigen Produktionsweisen und Produkten vorstellen.

Die Auswirkungen auf die Umwelt untersuchte ein Gutachten. Die Politik berät das Ergebnis.

Von Philipp Müller

Um wirtschaftlich wachsen zu können, braucht die Stadt neue Flächen, auf denen Gewerbe angesiedelt werden kann. Im Einzugsbereich der Itter sind dazu Gewerbegebiete geplant. Wie sich das auf die Situation vor Ort und die Umwelt auswirkt, untersuchten Experten bereits 2013 und nochmals 2015 in Gutachten.

Was ist das Ziel des Gutachtens?

Das Gewerbegebiet Piepersberg-West soll aus Gutachtersicht so geplant werden, dass ein Freiraumkorridor verbleibt. Jetzt gilt es zu prüfen, ob der Platz dann noch für eine „Bergisch Land Arena“ ausreicht.

Das Gesamtgutachten soll im politischen Prozess als Entscheidungsgrundlage dienen, um bei der Ausweisung der Gewerbegebiete die weiteren ökologischen und ökonomischen Belangen abzuwägen. Dazu wird es eine „intensive“ Bürgerbeteiligung geben, heißt es in einer Vorlage, die dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität am Donnerstag im kleinen Konzertsaal ab 17 Uhr zur Beschlussfassung vorliegt.

Um welche Flächen geht es konkret?

Mit vier potenziellen Gewerbegebietsstandorte (Piepersberg-West, Fürkeltrath II, Buschfeld, Keusenhof) beschäftigten sich die Gutachter. Auf einer Fläche von insgesamt etwa 51 Hektar (brutto) wollte die Stadt Gewerbe ermöglichen. Rund 31 Hektar sollen davon als Baugundstücksfläche genutzt werden können.

Wie ist das Ergebnis beim Aspekt Natur ausgefallen?

Bei der ökologischen Bedeutung ziehen die Gutachter aus Stadtplanern, Umweltplanern und Landschaftsarchitekten der Aachener Firma BKR dieses Fazit: „Das Ittertal hat als schmales Freiraumband und regionaler Grünzug sowohl auf regionaler- als auch auf Landesebene eine Funktion für die siedlungsräumliche Gliederung, die Erholung, die Biotopvernetzung und den klimaökologischen Ausgleich. Der langgestreckte Grünzug verbindet großräumig die Ohligser Heide mit dem Tal der Wupper.“

Sehen die Gutachter Spielräume für Gewerbegebiete im Ittertal?

„Insgesamt stellt die Untersuchung fest, dass keine der vier untersuchten Flächen eine konfliktarme Entwicklung von Gewerbe zulässt“, schreiben die Gutachter. Aus sozialer und ökonomischer Sicht seien die Bereitstellung von Arbeitsplätzen für die Bewohner Solingens sowie Steuereinnahmen von Gewerbebetrieben für die Zukunft der Klingenstadt aber auch wichtig. Jedoch wollen sich die Gutachter nicht festlegen, denn, so schreiben es die Experten: „Methodisch ist eine transparente und nachvollziehbare Bewertung der ökologischen Aspekte auf der einen Seite mit den sozialen und ökonomischen Aspekten auf der anderen Seite nicht möglich.“ Damit legen sie die Entscheidung in die Hände der Politik.

Gibt es trotzdem eine Empfehlung der Gutachter?

Das über 100-seitige Gutachten meint, die Fläche Keusenhof sei aus wirtschaftlichen, das Buschfeld aus ökologischen Gründen nicht sinnvoll zu planen. Fürkeltrath II und Piepersberg-West seien ökologisch eher von mittlerer Wertigkeit. Daher könnte dort der jeweilige Flächenbesitz der Wirtschaftsförderung als Gewerbegebiet entwickelt werden. Am Pieperberg müsse ein Freiraumkorridor erhalten bleiben, in Fürkeltrath Abstand zum Bachtal gehalten werden.

Was schlägt die Verwaltung konkret vor?

Sie möchte Fürkeltrath II so planen, dass bei der Vermarktung des Gebietes gezielt Unternehmen mit nachhaltigen Produktionsweisen und Produkten angesprochen werden können. Auf der Fläche Piepersberg-West ist die „Bergisch Land Arena“ geplant. Dort muss aber jetzt geschaut werden, ob die Fläche trotz Freiraum noch ausreichend ist.

BERATUNGSWEG

AUSSCHUSS Am Donnerstag berät der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität das „Gesamtgutachten Ittertal“. Der Beirat Untere Landschaftsbehörde wird dazu am 8. März gehört. BEZIRKSVERTRETUNGEN Am 11. April befasst sich die Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid mit den Ergebnissen, die Bezirksvertretung Wald am 18. April. Am 19. April liegt das Gutachten dann zur Beratung in der Bezirksvertretung Gräfrath vor. BÜRGERBETEILIGUNG In einer erste Runde werden die Bürger am 10. März im Walder Stadtsaal informiert. Weitere Runden folgen dann, wenn konkrete Bauvorhaben anstehen.

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