Öffentliche Gesundheitsversorgung

Gesundheitshaus soll an die Mummstraße

Im alten Möbelhaus an der Mummstraße sollen das Impfzentrum und ein „Gesundheitskiosk“ untergebracht werden.
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Im alten Möbelhaus an der Mummstraße sollen das Impfzentrum und ein „Gesundheitskiosk“ untergebracht werden.

Stadt plant Impfzentrum und medizinische Beratungsstelle im alten Möbelhaus Schmidt.

Von Andreas Tews

Solingen. Mit einem neuen Gesundheitshaus an der Mummstraße will die Stadtverwaltung gleich mehrere Probleme auf einmal lösen. Zum einen wäre ein neuer Standort für das Impfzentrum gefunden. Zum anderen würde die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Ärztenetzwerk Solimed und Krankenkassen ein Beratungsangebot schaffen, durch das Bürger aus finanziell eher schwachen Kreisen den Weg ins Gesundheitssystem finden können.

Letzteres war unter anderem eine Anregung der Krankenkassen. Beim Impfzentrum muss die Stadt handeln, weil es demnächst aus dem früheren Peek & Cloppenburg-Gebäude ausziehen muss. Das frühere Bekleidungsgeschäft soll einem neuen Wohnhauskomplex weichen.

Ein Standort für das Gesundheitshaus ist gefunden: Die Stadt will dafür das seit Jahren leerstehende ehemalige Möbelhaus Schmidt mieten. Das müsste aber zunächst für 420 000 Euro umgebaut werden. Zustimmen muss jetzt noch die Politik. Die Entscheidung fällt in der Ratssitzung am Donnerstag, 9. Juni (17 Uhr im Theater und Konzerthaus).

Impfzentrum soll auch öffentliche Gesundheitsversorgung sicher stellen

„Das ist eine runde Sache“, urteilt Sozial- und Gesundheitsdezernent Jan Welzel (CDU) das Konzept, das zwei Projekte in einem beinhalte. Er geht davon aus, dass ein städtisches Impfzentrum weiterhin benötigt werde. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe angekündigt, dass diese Einrichtungen weiterhin gefördert würden.

Das Impfzentrum soll am künftigen Standort in dem früheren Möbelhaus etwa 370 der insgesamt 595 Quadratmeter beziehen. Registrierung, Wartebereiche sowie Impf- und Untersuchungskabinen sollen nach der bisher angewendeten Struktur aufgebaut werden. Außer Impfaktionen seien dort auch Untersuchungen im größeren Stil und eine öffentliche Gesundheitsversorgung möglich, wenn diese schnell und massenhaft nötig würde, erklärt das Rathaus schriftlich. Bei der Erstaufnahmeuntersuchung und der Untersuchung der Flüchtlinge aus der Ukraine habe sich das Impfzentrum bewährt.

Welzel kann sich angesichts des drohenden Ärztemangels perspektivisch auch vorstellen, dass die im Impfzentrum tätigen Ärzte vor allem für finanziell schwache Bevölkerungsteile auch die Hausarztversorgung übernehmen können. Dies sei aber noch Zukunftsmusik.

Neues Gesundheitshaus: Ehemaliges Möbelgeschäft soll bis Herbst umgebaut sein

Für die restliche Fläche sehen die Planungen einen „Gesundheitskiosk“ vor. Gemeint ist damit ein Beratungs- und Hilfsangebot, das durch das Ärztenetzwerk „Solimed“ mit speziell qualifiziertem Personal betrieben und laut Welzel durch verschiedene Krankenversicherungen finanziert werden soll. Dies soll allen Solingern kostenlos zur Verfügung stehen. Im Blick haben die Initiatoren vor allem solche Bürger, die als „gesundheitssystemferne Gruppen“ eingestuft werden.

Bei Aufnahmegesprächen soll dort auf die Gesundheitskarte aufmerksam gemacht und die Gesundheitssituation der Besucher erörtert werden. Anschließend weisen die Mitarbeiter auf geeignete Arzt- oder Hilfsangebote hin. Das Ziel ist nach Angaben des Rathauses, ein Netzwerk aus regionalen gesundheitsbezogenen Institutionen aufzubauen.

Mit dem Umbau will die Stadt möglichst schnell beginnen. Der dürfte sich laut Rathaussprecher Thomas Kraft bis in den Herbst ziehen. Der Mietvertrag soll über fünf Jahre abgeschlossen werden. Dann endet das Projekt zunächst. Welzel kann sich aber vorstellen, dass das Angebot weiter bestehen bleibe.

Finanzierung

Umbau: Der Umbau des alten Möbelhauses kostet nach Einschätzung des Rathauses rund 420 000 Euro. Für den Anteil, der auf die Impfstelle entfällt, rechnet die Stadt mit Landeszuschüssen.

Miete: Den Mietvertrag will die Stadt abschließen. An den Kosten – zunächst nach Abzug der Förderung durch den Landesfonds „WIN“ 7 Euro pro Quadratmeter, ab 2024 9,50 Euro – sollen sich Solimed und die Krankenkassen mit einem Fünftel beteiligen.

Personal: Die AOK hat nach Rathaus-Angaben zugesichert, sich an den laufenden Kosten des „Gesundheitskiosks“ zu beteiligen. Dieser Beitrag könne für Personal- und Sachkosten herangezogen werden.

Standpunkt von Andreas Tews: Finanzieller Vorbehalt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Nach Meinung vieler Experten wird es keine Zeit nach Corona geben. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Dazu wird mutmaßlich gehören, dass wir uns immer wieder impfen lassen müssen. Darauf muss sich auch die Stadt einstellen. Dass sie sich zumindest für die nächsten fünf Jahre einen Standort für ein Impfzentrum sichert, ist nachvollziehbar. Der Standort an der Mummstraße liegt zentral und ist nicht zuletzt deswegen geeignet. Auch der Versuch, mit einem niederschwelligen Beratungsangebot Menschen aus ärmeren Schichten an das Gesundheitssystem heranzuführen, ist konsequent. Ob das Gesundheitshaus irgendwann auch dazu beiträgt, den Hausärztemangel zu lindern, wird sich zeigen. Über allem schwebt das Damoklesschwert der Finanzen. Nicht alles Wünschenswerte ist bezahlbar. Das muss auch bei einem Gesundheitshaus immer wieder überprüft werden – zumal die Mietförderung durch das Land nicht dauerhaft sein wird.

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