Corona-Krise

Gesundheitsamt regelt Quarantäne für Schulen neu

Schüler, die Kontaktpersonen der Kategorie II sind, müssen sich auf das Coronavirus testen lassen.
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Schüler, die Kontaktpersonen der Kategorie II sind, müssen sich auf das Coronavirus testen lassen.

Nicht alle Kontaktpersonen müssen 14 Tage zu Hause bleiben.

Von Anja Kriskofski und Andreas Tews

Solingen. Das Gesundheitsamt Solingen hat die Quarantäneregeln für weiterführende Schulen neu gefasst. Demnach müssen bei einem positiv getesteten Schüler nicht automatisch alle Schüler einer Klasse und die unterrichtenden Lehrer in Quarantäne. Voraussetzung: Dem Stadtdienst Gesundheit muss ein „adäquates Lüftungskonzept der Schule“ vorliegen, das auch umgesetzt wurde, und alle Schüler und Lehrer müssen durchgehend einen Mund-Nase-Schutz getragen haben. Die Betroffenen werden als Kontaktpersonen der Kategorie II dann zwar nicht in Quarantäne geschickt, müssen sich jedoch auf das Coronavirus testen lassen. Zudem sollen sie auf Covid-19-Symptome achten und den Kontakt zu Risikogruppen meiden.

Die Zahl der positiv Getesteten und die Quarantänefälle an Solinger Schulen sind zuletzt stark gestiegen. In Quarantäne waren nach Angaben von Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Dienstag 2171 Solinger Schüler, 283 Lehrer und 32 weitere Mitarbeiter – vor allem Betreuerinnen des offenen Ganztags (OGS). Betroffen waren 111 Klassen und elf OGS-Gruppen. Positiv auf das Corona-Virus getestet waren zwölf Lehrer und 80 Schüler, berichtete Kurzbach in einem Pressegespräch der Grünen-Landtagsfraktion. Vor allem von SPD und Grünen erhält die Stadt Solingen mit ihrem Konzept für den Unterricht in geteilten Klassen (eine Hälfte in der Schule, eine im Distanzunterricht) Unterstützung.

„Die Regelung gilt nicht für Grundschulen und Förderschulen.“

Stadtsprecherin Birgit Wenning

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatten den Schulen den „Solinger Weg“ untersagt. Gebauer sieht bei flächendeckendem Distanzunterricht die Bildungsgerechtigkeit in Gefahr. Kurzbach hingegen sieht sie gefährdet, wenn die Schulen ungesteuert in digitale Formen des Unterrichts gezwungen werden.

„Die Neuregelung der Quarantäne gilt nicht für Grundschulen und Förderschulen“, erklärt Stadtsprecherin Birgit Wenning. Da es in diesen Schulformen keine Maskenpflicht gibt, müssen bei einem Coronafall alle Kontaktpersonen in Quarantäne. An den weiterführenden Schulen werde nun mehr differenziert, erläutert sie: Wie nah saßen die Schüler beieinander? Wurde ausreichend gelüftet? Die Entscheidung über Quarantänen treffe das Gesundheitsamt nach dem Gespräch mit den Schulen.

Peter Wirtz vom Sprecherrat der Schulen nennt ein Beispiel: In einem Kurs mit elf Schülern, die in einem großen Raum mit Abstand unterrichtet worden seien, erfahre die Schule Tage nach dem letzten Unterricht vom positiven Testergebnis eines Schülers. „Nach den alten Regeln würde der ganze Kurs in Quarantäne geschickt.“ Jetzt gilt: Es müssten zwar alle Kontaktpersonen getestet werden, aber nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Es werde genau geprüft, ob die Vorschriften eingehalten werden, betont Wirtz.

Die Kontaktverfolgung im Umfeld von Corona-Infizierten spielt bei der Bekämpfung der Pandemie eine entscheidende Rolle. Das Tageblatt hat aus einer Vielzahl von Leser-Hinweisen drei Beispiele aufbereitet.

Standpunkt: Der Realität angepasst

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Die Situation an den Schulen spitzt sich landesweit zu. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat den als Solinger Weg bezeichneten Hybridunterricht zwar abgelehnt – de facto ist er an einigen Solinger Schulen längst Realität. Lehrer in Quarantäne stellen von zu Hause aus Aufgaben, die Alexander-Coppel-Gesamtschule darf das Modell mit halbierten Klassen in den kommenden drei Tagen ganz offiziell weiter testen. Gleichzeitig fällt viel Unterricht aus, weil zahlreiche Lehrer nicht in der Schule sind. Das Gymnasium Vogelsang ist bis morgen ganz geschlossen. Es wird zunehmend schwieriger, Präsenzunterricht abzuhalten. Dieser Realität werden jetzt die Quarantäneregeln an den weiterführenden Schulen angepasst. Wohlgemerkt: Bei einem Coronafall in einer Klasse müssen jetzt zwar nicht mehr alle Mitschüler für 14 Tage in Quarantäne. Trotzdem wird weiterhin jede Kontaktperson getestet. Bislang haben die Verantwortlichen beim Stadtdienst Gesundheit in der Coronakrise mit großer Umsicht gehandelt. Wir dürfen davon ausgehen, dass sie auch weiterhin genau hinschauen.

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