Gesundheitsamt bleibt in Alarmbereitschaft

Delta-Variante bestätigt: Abi-Jahrgang in Quarantäne

Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, und Verwaltungsleiter Guido Krämer sind im Dauereinsatz. Foto: Christian Beier
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Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, und Verwaltungsleiter Guido Krämer sind im Dauereinsatz.

Bei den beiden infizierten Abiturientinnen hat sich die Delta-Variante bestätigt. Im Interview spricht Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges darüber, was sie für den Herbst erwartet und was das für Schulen und Kitas bedeutet.

Das Interview führte Simone Theyßen-Speich

Einstellige Inzidenzzahlen auf der einen Seite aber auch zwei positiv auf die Delta-Virusvariante getesteten Abiturientinnen – wie ist die aktuelle Corona-Lage in der Stadt?

Dr. Annette Heibges: Am Montag hätten wir noch gesagt ,Die Lage ist gut‘. Durch die zwei aktuell bestätigten Fälle der Delta-Variante sind wir natürlich jetzt wieder besonders wachsam. Es war klar, dass die Delta-Variante auch Solingen erreichen wird. Deshalb schaut man Bilder von vollen Stadien bei der Fußball-EM auch mit großer Sorge an. Andererseits kann man verstehen, dass Menschen nach der langen Phase der Pandemie auch wieder in den Urlaub fahren möchten. Aber man muss halt weiter sehr vorsichtig bleiben. Guido Krämer: Aktuell haben wir in den vergangenen Tagen zwei oder drei Neuinfektionen gehabt, am Freitag, Samstag und Sonntag sogar keine gemeldeten neuen Fälle. Aber die beiden positiv getesteten Reise-Rückkehrerinnen zeigen, dass das Virus noch nicht aus der Welt ist.

Wie ist der genaue Stand bei den positiv getesteten Schülerinnen der ADS, die von einer Mallorca-Reise zurückgekehrt waren, und welche Maßnahmen werden aktuell getroffen?

Dr. Heibges: Seit heute (Mittwoch) wissen wir sicher, dass es sich bei den beiden Fällen um die Delta-Variante handelt. Die beiden Betroffenen haben an der Abiturfeier der Schule teilgenommen und waren zu diesem Zeitpunkt auch schon ansteckend. Zwar hat die Feier draußen stattgefunden und bei der Sitzordnung gab es ausreichend Abstände, es gab aber auch mehrere Situationen, bei denen Schüler ohne Maske und Abstand zusammengestanden haben und bei denen unklar ist, wer wann zu wem Kontakt hatte. Das Problem dieser Variante ist zudem leider auch, dass sie bei Schnelltests oft nicht erkannt wird und dass anscheinend auch flüchtige Kontakte draußen ausreichen, um sich anzustecken. Es werden deshalb alle 85 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs, die an der Feier teilgenommen haben, in Quarantäne genommen und getestet. Alle Eltern, Lehrerinnen und Lehrer werden einzeln nach den Kontakten befragt und gegebenenfalls in Quarantäne genommen. Uns ist bewusst, dass diese Maßnahmen eine große Einschränkung für die betroffenen Familien bedeuten und wir hätten allen einen unbeschwerten Abschluss der Schulzeit gewünscht. Nach Vorgabe des Robert-Koch-Instituts müssen bei der Delta-Variante auch Personen in Quarantäne, die bereits zweimal geimpft sind, weil noch zu wenig über die Ansteckung oder die Übertragung dieser Variante bekannt ist. Guido Krämer: Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell das Virus sich wieder ausbreiten kann, auch wenn wir derzeit mit zwei oder drei neuen Fällen pro Tag stadtweit eine übersichtliche Situation haben.

Haben viele Menschen derzeit also ein Gefühl einer trügerischen Sicherheit?

Dr. Heibges: Es ist ganz wichtig zu vermitteln ,Wiegt euch nicht in Sicherheit – es ist noch nicht vorbei.‘ Wir müssen weiter achtsam bleiben, Abstände einhalten, die Masken tragen und testen. Auf der anderen Seite rechtfertigt die derzeit einstellige Inzidenz natürlich keine strengeren Maßnahmen oder gar Schließungen. Und dass Menschen, die so lange auf vieles verzichten mussten, jetzt in Urlaub fahren möchten, ist nachvollziehbar. Aber auch dabei muss man vorsichtig bleiben.

Wie ist die personelle Situation im Gesundheitsamt nach Monaten des Dauer-Einsatzes?

Guido Krämer: Nachdem die Fallzahlen abrupt gesunken sind, haben wir auch das Personal zurückgefahren. Zu den Hochzeiten mit einer Inzidenz von über 290 hatten wir Kolleginnen und Kollegen aus anderen Stadtdiensten, Amtshilfe von der Polizei, der Landesverwaltung und der Bundeswehr sowie Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts, von Personaldienstleistern und befristet Beschäftigte zur Unterstützung im Gesundheitsamt. Damals waren 160 Personen – insgesamt 130 Vollzeitstellen – nur für die Corona-Nachverfolgung im Einsatz. Das Gesundheitsamt selbst hat 52 Mitarbeiter. Dr. Heibges: Jetzt ist es natürlich auch wichtig, dass wir unsere anderen Aufgaben wie den Kinder- und Schulärztlichen Dienst mit den Schuleingangsuntersuchungen nicht mehr nur im Notbetrieb halten, sondern im Gegenteil verstärken. Auch der sozialpsychiatrische Dienst muss gerade angesichts der Corona-Auswirkungen dringend weiterlaufen.

Viele Experten befürchten eine vierte Welle im Herbst. Kann im Notfall das Gesundheitsamt personell schnell wieder aufgestockt werden?

Guido Krämer: Viele Kollegen müssen die niedrigen Infektionszahlen jetzt nutzen und dringend auch mal Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. Aber natürlich haben wir Szenarien entwickelt, anhand derer wir je nach Fallzahlen unser Personal kurzfristig wieder aufstocken können. Wir haben viele gute Mitarbeiter in den vergangenen Monaten im Einsatz gehabt, das war auch für die Stadt eine Chance, gute Leute längerfristig an die Verwaltung zu binden. Durch die Personaldienstleister gibt es zudem eine große Flexibilität, schnell wieder aufzustocken.

Wie ist der langfristige Blick Richtung verlässliche Schul- und Kita-Öffnung?

Dr. Heibges: Jetzt retten sich alle erstmal in die Sommerferien. Danach wird die Stadt alles tun, um Schulen und Kitas offen zu halten. Weiter zu testen und die Lolli-Tests einzusetzen ist zwingend notwendig, um Betreuung und Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten. Auch in allen anderen Bereichen sind regelmäßige Tests weiter die einzige Chance, mögliche Fälle schnell zu finden und die Inzidenz niedrig zu halten.

Persönlich

Dr. Annette Heibges: Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit

Guido Krämer: Verwaltungsleiter im Stadtdienst Gesundheit

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