Video-Variante

Gestreamter Märchenzauber im Wohnzimmer

Aschenputtel flimmerte eine Stunde lang über die Bildschirme in Solinger Wohnzimmern. Foto: Christian Beier
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Aschenputtel flimmerte eine Stunde lang über die Bildschirme in Solinger Wohnzimmern.

Das Stadtensemble präsentierte „Aschenputtel und der Prinz“ als Video-Variante.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Am Ende rockten Aschenputtel und ihr Prinz fröhlich und verliebt im Wald ihrem gemeinsamen Leben entgegen. Der bis dato ewig frierende König Maximilian warf bei diesem Anblick seine Daunendecke von sich, die ihn während der ganzen Geschichte verhüllt hatte. Vergessen waren die Auswanderungsgedanken mit seiner Königin Katharina ins warme Land Italien und damit die Notwendigkeit, seinem Sohn Viktor schon vorzeitig Regierungsverantwortung zu übertragen: Das junge Paar konnte nach den Irrungen und Wirrungen der märchenhaften Geschichte zuvor aufs Happy End mit den Flitterwochen noch eins draufsetzen.

Eine gute Stunde lang tauchten die großen und kleine Fans der Stadtensemble-Weihnachtsstücke in diesem Jahr am heimischen Bildschirm in die Märchenwelt von Aschenputtel ein. Sie erlebten per Video mit, wie die von der bösen Stiefmutter und ihren biestigen Stiefschwestern geärgerte junge Frau auf wundersame Weise schließlich ihren Prinzen bekam.

Eine kurzweilige Unterhaltung, die an den Feiertagen mit dem zuvor für fünf Euro erworbenen Zugangscode möglich war. Vielleicht nutzte manch einer die Chance, mehrfach zu schauen oder sich zumindest seine Lieblingsstellen ein paarmal zu gönnen. Welche das jeweils sein mochten, bleibt natürlich ungeklärt, aber es gab durchaus so einige Szenen, die dafür in Frage kamen.

Die Protagonisten unter der Regie von Michael Tesch hatten nämlich spürbar genauso viel Spaß an der flotten Variante des Grimm-Klassikers wie die für sie unsichtbaren Zuschauer und überzeugten mit viel Ausdruckskraft und Energie. Zusammen mit der mit viel Liebe zum Detail gestalteten Kulisse in mehreren Bühnenbildern und sorgfältig ausgesuchten Kostümen entfaltete sich mit hinreißender Leichtigkeit ein wunderbarer Mix aus Bekanntem und Neuem.

Eingebaute Pointen lockerten das Märchen auf

Lena Hogekamp als Aschenputtel litt zwar sichtlich unter der Ungerechtigkeit ihrer garstigen Stiefverwandtschaft, war zugleich aber selbstbewusst genug, dem Prinzen bei einer Begegnung im Wald den Schuss auf einen Hirschen zu vermasseln und obendrein noch kesse Sprüche zu bringen.

Alexander Riedels Prinz war seinerseits zwar durchaus Märchen-Traum-Königssohn, hatte zugleich aber gar keine Lust auf Verantwortung und den Abschied von den Freiheiten seines Single-Lebens. Mit abfälligen Sprüchen – „Wahrscheinlich ein Prinzesschen auf der Erbse, dem man täglich sagen muss, dass es die schönste im ganzen Land ist“ – gab er zudem den Klang des Stückes aus der Feder von Toni Jakobs wieder, die ihr „Aschenputtel und der Prinz“ liebevoll mit leiser Ironie über das Sujet Märchen gespickt hat.

In traditionelle Passagen eingebaute Pointen lockerten das Original-Märchen auf und gaben viel Gelegenheit zum Schmunzeln oder Lachen: Etwa über Uwe Dahlhaus als dauerfröstelnder König Maximilian mit seiner selbst gestrickten Woll-Krone und um den Leib gewickelten Daunen-Steppdecke. Die Bühnentechniker des Theater und Konzerthauses setzten das Ganze ins buchstäblich richtige Licht.

Programm

Im nächsten Winter soll das Stück „Aschenputtel und der Prinz“ erneut als Kinder-Weihnachtsstück auf dem Spielplan des Kulturmanagements stehen. Dann soll die ungekürzte Original-Version live Freude bringen. Die von den Schulen gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit.

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