Interview

„Gespräche mit der AfD sind ausgeschlossen“

Der 80-jährige Hansjörg Schweikhart ist der neue Bezirksbürgermeister in Mitte. Er sieht im Konzept „City 2030“ große Chancen für neuen Wohnraum, der den Handel befruchten kann. Einer Zusammenarbeit mit der AfD erteilt der CDU-Politiker eine klare Absage. Archivfoto: Michael Schütz
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Der 80-jährige Hansjörg Schweikhart ist der neue Bezirksbürgermeister in Mitte. Er sieht im Konzept „City 2030“ große Chancen für neuen Wohnraum, der den Handel befruchten kann. Einer Zusammenarbeit mit der AfD erteilt der CDU-Politiker eine klare Absage.

Der neue Bezirksbürgermeister von Mitte, Hansjörg Schweikhart (CDU), spricht über seine Wahl und politische Aufgaben

Von Philipp Müller 

Solingen. Herr Schweikhart, Sie sind, für viele überraschend und vor allem wohl durch eine zerstrittene SPD, ins Amt gekommen. Wie bewerten Sie, dass die Kandidatin Helga Bisier (Grüne) mit zwei Stimmen weniger unterstützt wurde, als zu erwarten war?

Hansjörg Schweikhart: Ich vermute, da zeigt sich, dass es bei der SPD Mitglieder – vor allem in den unteren Chargen – gibt, die eine grüne Bezirksbürgermeisterin ablehnen. Mir war vor der Wahl schon zu Ohren gekommen, dass es knistert. Der große Fehler war sicher auch, dass die SPD meinen Vorgänger Richard Schmidt ausgebootet hat. Da hat sich die SPD-Führung verspekuliert. Wir in der CDU hatten besprochen, gemeinsam mit der SPD eine Liste aufzustellen, bei der die SPD den Bezirksbürgermeister stellt. Wir wären in die zweite Reihe getreten. Das hatte die SPD ausdrücklich abgelehnt. So kam es zur eigenen Liste.

Wird es schwieriger werden, zu gemeinsamen Beschlüssen zu kommen?

Schweikhart: Das glaube ich nicht. Es geht in der Regel um Sachthemen, die meistens einstimmig verabschiedet werden. Vieles hängt jetzt auch vom Verhalten der SPD ab. Lassen Sie mich aber noch ein Wort zur Wahl verlieren: Die CDU und ich wurden kritisiert, weil wir von der AfD unterstützt worden seien. Es war eine geheime Abstimmung und keiner weiß, wer wie abgestimmt hat. Ich selbst habe überhaupt keine Affinität zur AfD. Ich versichere auch: Es gab und gibt keine Gespräche und Verabredungen mit dieser Partei. Mein Vater war im christlichen Widerstand gegen die Nazis, und so bin ich auch erzogen worden. Ich hasse nichts mehr als das, was man heute von solchen Leuten wieder hört. Es wäre mir am liebsten, wenn die AfD wieder von der Bildfläche verschwinden würde. Früher traten diese Leute mit Springerstiefeln auf und waren leicht zu erkennen. Heute wirken sie wie Wölfe im Schafspelz. Aber: Wir leben in einer Demokratie, die AfD kann ihr Stimmrecht ausüben.

Ein Blick in die zukünftige Arbeit in der Bezirksvertretung: Wo liegen die Herausforderungen in Bezug auf das Konzept „City 2030“?

Schweikhart: Es gibt große Pläne in der Innenstadt, die wir mittragen und mitverantworten werden. Die Innenstadt muss in den kommenden fünf Jahren neu organisiert werden. Ein großes Problem wird dabei die Neuregulierung des Verkehrs in der City werden. Das hängt mit den Neubauplänen der Sparkasse zusammen. Ich halte nichts von verkehrspolitischen Schnellschüssen. Wir brauchen dringend eine neue Orientierung in der Innenstadt für den Verkehr.

Welche Impulse für den Handel erhoffen Sie sich?

Schweikhart: Wenn die Sparkasse abgerissen wird, entsteht dort viel Wohnraum mit starkem Zuzug und neuen Chancen für Einzelhändler.

Wird sich das Bild der Innenstadt ändern?

Schweikhart: Die City wird natürlich zwischen Neumarkt und Clemens-Galerien bleiben. Für den unteren Bereich der Hauptstraße ab der Linksgasse sehe ich aber keinen Handel mehr. Dort sollte in Wohnungen investiert werden und ein Ausbau Richtung Goerdelerstraße erfolgen.

Wie soll das konkret umgesetzt werden?

Schweikhart: Dazu sollten sich Eigentümergesellschaften bilden. Es geht darum, die Häuser von innen an moderne Wohnanforderungen anzupassen. Die Chancen sind da, weil es nur mehr Zuzug in die Innenstadt geben wird, wenn das Wohnangebot passt.

Die ST-Serie der Interviews mit den Bezirksbürgermeistern wird fortgesetzt.

Hansjörg Schweikhart

Schweikhart wurde 1940 in Obrigheim in Baden-Württemberg geboren. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim war er zwischen 1967 und 1996 Geschäftsführer des Modehauses Wilde in Solingen, im Anschluss Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe Wald. Heute engagiert er sich in der Luther-Gemeinde. Seit 43 Jahren ist er Mitglied der CDU, ist Vorsitzender der Seniorenunion und des Evangelischen Arbeitskreises in der CDU. Seit 2009 ist der 2. Vorsitzende der CDU-Mitte Mitglied der Bezirksvertretung.

Nicht nur die Wahl des Bezirksbürgermeisters in Mitte sorgte für Diskussionen. Auch in Burg/Höhscheid führte der Sieg von CDU-Kandidat Paul Westeppe zu einem Disput. Die ST-Analyse zeigt: Diese beiden Wahlen hatten eigentlich keine wirklichen Gewinner. 

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