Industriemuseum

Geschichte hautnah: Drittklässler erschaffen ihre eigenen Scheren

Jürgen Schrage mit den Schülern Tran und Sapatjan in der Scherenwerkstatt: Die Drittklässler erschufen ihre eigene Schere.Foto:Christian Beier
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Jürgen Schrage mit den Schülern Tran und Sapatjan in der Scherenwerkstatt: Die Drittklässler erschufen ihre eigene Schere.

Kulturgeschichte erleben: Industriemuseum und Grundschule Kreuzweg lassen Kooperation wieder aufleben.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Diese Woche waren zwei Vormittage im Industriemuseum fest in Schülerhand: Die Klasse 3b der Grundschule Kreuzweg hatte sich nach Merscheid aufgemacht, um Solinger Industriegeschichte einmal anders kennenzulernen als im Unterricht: lebendig.

In Kleingruppen machten sich die Schüler im Museum auf den Weg zu verschiedenen Stationen, um drei großen Themenbereiche praktisch und handfest zu erkunden: Scherenherstellung, Antrieb in der ehemaligen Gesenkschmiede und Anwendung von Scheren. Begleitet wurden die Schüler dabei unter anderem von ihrer Konrektorin Katja Rapp.

Der Mehrwert für die Schüler sei enorm, sagt Niko Pankop, wissenschaftlicher Referent im LVR-Museum: „Die Kinder haben so viel Zeit, um Fragen zu entwickeln und zu stellen, selbst auszuprobieren, genauer hinzuschauen und somit Stück für Stück in die versunkene Arbeitswelt von damals einzutauchen.“ Museumsmitarbeiter Jürgen Schrage ließ für die Kinder den schweren Fallhammer auf das Rohmaterial heruntersausen, um Rohlinge zu erzeugen, die dann später an den Schraubstöcken mit Handfeilen weiterbearbeitet wurden. Pankop: „Nach dem Ende der zwei Schultage im Museum geht jedes Kind mit seiner eigenen Schere nach Hause“.

Sie sei glücklich, dass das durch Corona brachliegende Kooperationsprojekt mit dem Museum nun wieder anliefe, sagte Rapp. „Vor Ort in dem historischen Gebäude lässt sich Vergangenheit viel besser vermitteln und Interesse wecken.“

Interesse wecken ist exakt das Stichwort für Anne Cogan-Krumnow. Die Historikerin und Archäologin ist seit Herbst Teil des museumspädagogischen Teams und liebt es, ihr Wissen so weiterzugeben, dass insbesondere Kinder „anbeißen“. Die Drittklässler der Grundschule Kreuzweg – zwei weitere Klassen haben ihre Museumstage nach den Osterferien – band sie unmittelbar in historische Forschung ein. „Warum ist diese Schere hier wohl so besonders lang?“, fragte Anne Cogan-Krumnow. Gemeinsam gaben die Schüler schließlich die Antwort: „Weil es praktisch ist, besonders große Papierbögen mit einem Schnips durchzuschneiden und nicht ein paarmal ansetzen zu müssen.“

Auch dass Blattgoldschichten viermal dünner sind als Kopfhaare, nahmen die Schüler angeregt zu Kenntnis. Dass sie am Ende der Exkursion dann noch Stoffpuppe Elmo die blonden Haare schneiden durften, stieß vollends auf Begeisterung.

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