Ende der WM-Party 2018

Gemeinsames Anfeuern bleibt ohne Erfolg

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Szenen einer Niederlage: Die gute Stimmung während der ersten Spielhälfte und des Halbzeit-Snacks wich spätestens in der 92. Minuten blankem Entsetzen. Mit dem Anpfiff stand das erste Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft fest.

Public Viewing statt Arbeit: Bei Ebbtron in Ohligs verfoglten die Mitarbeiter dreier Firmen das Ausscheiden der deutschen Elf.

Von Manuel Böhnke 

Szenen einer Niederlage: Die gute Stimmung während der ersten Spielhälfte und des Halbzeit-Snacks wich spätestens in der 92. Minuten blankem Entsetzen. Mit dem Anpfiff stand das erste Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft fest.

Am Ende saß Marco Ebbinghaus zerknirscht an der Bar im Atrium seiner Firma Ebbtron. „Ich hätte gerne noch vier Spiele hier übertragen“, sagte er. Einen Stuhl weiter war man bereits beim Galgenhumor angelangt: „So spart der DFB die Reisekosten.“ So recht wusste niemand, wie man am besten mit dieser historischen Niederlage umgehen sollte. Das erste Mal ist die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden.

WELTMEISTERSCHAFT

HALBFINALE Auch ohne deutsche Beteiligung geht die Weltmeisterschaft weiter. Die Halbfinals werden am 10. und 11. Juli jeweils um 20 Uhr angepfiffen.

FINALE Am 15. Juli findet das Finale statt. Anpfiff in Moskau ist um 17 Uhr.

Der Reihe nach: Wer gestern Glück hatte und seinen Arbeitsplatz rechtzeitig verlassen konnte, brauchte starke Nerven. Um kurz vor 16 Uhr war es auf Solingens Straßen mächtig voll. Dieses Problem hatten die Mitarbeiter der Firmen Instana, Kurz Kurz Design und Ebbtron nicht. Sie mussten mit ihren Chefs auch nicht verhandeln, ob sie das Spiel während der Arbeitszeit schauen dürfen. Ebbtron-Geschäftsführer Marco Ebbinghaus hatte zum Public Viewing in das moderne Auditorium des Coworking-Space eingeladen. „Meine Mieter hatten angefragt, ob man das Spiel nicht gemeinsam gucken könnte“, erklärte Ebbinghaus. Gesagt, getan: Auf den schicken Holzbänken in Hörsaal-Optik saßen die Mitarbeiter, viele mit ihren Familien, und wurden Zeugen der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft.

„Das ist mal etwas anderes. Wenn man das nicht heute genutzt hätte, wann dann?“, zeigte sich Instana-Geschäftsführer Mirko Novakovic begeistert von der Idee. Auch Dorian Kurz von Kurz Kurz Design fand Gefallen an der gemeinsamen Aktion: „Wir haben eine Tippgemeinschaft und wollten das Spiel zusammen schauen.“

Vor Anpfiff war die Stimmung prächtig. Aus den verschiedenen Büros kamen die Fans, ausgerüstet mit Trikots und Fahnen, zusammen. Anziehende Wirkung entfalteten 16 Einzelbildschirmen, die zusammen eine ungefähr 220 Zoll große Leinwand ergeben. Normalerweise werden sie bei Vorträgen oder Seminaren genutzt. Bei kühlen Getränken und Eis gingen die Zuschauer das Spiel gut gelaunt an. Doch spätestens nach einer halben Stunde wich die anfängliche Euphorie Ernüchterung: Viel fiel dem deutschen Team gegen Südkorea nicht ein. Da kam der Halbzeit-Snack als Aufmunterung richtig. Von der Food Factory gab es Mini-Burger, Schnitzel oder Wraps.

Die Stimmung kippte im Laufe der zweiten Halbzeit zusehends

Mit zunehmender Spieldauer wurde auch die Anspannung bei den knapp 50 Fans immer größer. Mitten in der dramatischen Schluss-Viertelstunde fiel dann auch noch das Bild aus. Doch das war an diesem denkwürdigen Mittwochabend das geringste Problem: Im Atrium wurde das Duell ebenfalls übertragen. Kurzfristig zog die Gruppe um. Doch auch der Ortswechsel half nichts – das Spiel blieb dasselbe. Zunehmend wurde es in der fast 800 Quadratmeter großen Halle still. Selbst das Raunen nach ungenutzten Chancen verstummte. Statt gemeinsam zu feiern, suchten alle relativ schnell den Heimweg. Einige blieben, um über Taktik, Aufstellung und die individuelle Leistung der deutschen Spieler zu diskutieren.

Auch Marco Ebbinghaus haderte nach dem Schlusspfiff: „Schöne Veranstaltung, falsches Ergebnis.“ Freilich werde er die Weltmeisterschaft weiter verfolgen – vielleicht ja sogar etwas entspannter als zuvor. Nach dem Ausscheiden Deutschlands tippt er auf einen Sieg Brasiliens. Mirko Novakovic rechnet mit starken Franzosen. Das sieht Dorian Kurz ähnlich. Er kann sich zusätzlich vorstellen, dass Belgien eine starke Rolle spielen wird.

Auf dem Weg nach Hause war vom hektischen Verkehr des Nachmittags nichts mehr zu spüren. Kein Hupen, kein Jubeln. Und irgendwo entlang der Viehbachtalstraße liegt eine einsame Deutschland-Autofahne.

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