Energiekrise

Gemeinden in Solingen drehen die Heizungen herunter

Wie Pfarrer Christof Bleckmann müssen sich künftig auch Besucher der Kirche warm anziehen.
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Wie Pfarrer Christof Bleckmann müssen sich künftig auch Besucher der Kirche warm anziehen.

Die Temperatur in vielen Solinger Kirchen wird wegen der Energiekrise deutlich gesenkt.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Riesige Räume, die sich nur mit viel Aufwand beheizen lassen: Die Energiekrise beschäftigt auch die Solinger Kirchengemeinden. Die evangelische Kirche Ketzberg wird in der Regel nur noch auf 15 Grad geheizt. So habe es das Presbyterium in der vergangenen Woche beschlossen, berichtet Pfarrer Christof Bleckmann. In anderen Gemeinden des Kirchenkreises wird ebenfalls die Temperatur abgesenkt oder Gottesdienste werden ins Gemeindehaus verlagert. Stadtdechant Pfarrer Michael Mohr hatte für die katholischen Gemeinden bereits im September angekündigt, dass man eine Grundtemperatur von 12 bis 14 Grad anstrebe.

„Wir gehen für unsere Gemeinde von einer Verdreifachung der Energiekosten aus“, sagt Pfarrer Bleckmann. Am Sparen führe deshalb kein Weg vorbei. Das Presbyterium haben sich dagegen entschieden, die Gottesdienste ins Gemeindehaus zu verlegen. Stattdessen sind die Gottesdienstbesucher nun aufgerufen, im Zwiebellook in die Kirche zu kommen. „In der Corona-Zeit habe wir zudem gute Erfahrungen mit kurzen Gottesdiensten gemacht.“ Bei Veranstaltungen wie den Unisono-Konzerten werde mehr geheizt, weil diese auch länger dauern, erklärt Christof Bleckmann.

Wie man Energie sparen kann – und wie nicht

Im Gemeindehaus sind nun 19 Grad Raumtemperatur vorgesehen, im Bereich für Kindergruppen 21 Grad. Die Kirche gar nicht zu heizen, sei keine Option. Auch wegen der Orgel müsse man die Luftfeuchtigkeit im Blick behalten.

Die Lutherkirche werde schon aufgrund ihrer Größe wenig beheizt., erklärt Pfarrer Christian Lerch auf Anfrage. „Darauf sind die Menschen eingestellt.“ Schon seit Jahren liegen Decken für Besucher bereit. In den beiden Gemeindehäusern achte man penibler darauf, dass Räume nur bei Nutzung geheizt würden. Die Lutherkirche werde zudem kürzer beleuchtet – „nicht bis in die späten Abendstunden“. In St. Reinoldi Rupelrath soll das „Gemeindegeschehen“ auf die Räume mit der besten Energieeffizienz verlagert und die anderen Räume eher kühl gelassen werden, heißt es aus einer Umfrage des Kirchenverwaltungsamts. Für den Gottesdienst in der Kirche werde die Temperatur erhöht.

In der Gemeinde Merscheid finden die Gottesdienste im Winter im Gemeindehaus statt – mit Ausnahme des Heiligen Abends, der in der Kirche gefeiert wird. Auch in Dorp und in Gräfrath bleiben die Kirchen kühler als sonst. Beide Gemeinden haben Decken für Besucher angeschafft.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Königsweg gibt es nicht

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Heizkosten sparen, aber die Räume nicht so weit auskühlen lassen, dass Menschen krank werden oder es zu Feuchtigkeitsschäden kommt. Die Abwägung, die jeder Einzelne und jede Familie in den kommenden Wochen und Monaten machen muss, trifft die größten Gebäude in der Stadt in besonderem Maße: die Kirchen.

Die hohen und alten Gemäuer auf Wohlfühltemperatur zu heizen, war in der Vergangenheit und ist jetzt erst recht kaum möglich. Also geht es darum, Kompromisse zu finden. Wärmere Kleidung beim Kirchenbesuch, Veranstaltungen in kleinere Räume verlegen – und beten, dass am Ende alles nicht ganz so schlimm kommt wie befürchtet.

Den Königsweg gibt es in der derzeitigen Energiekrise nicht. Überhaupt gibt es die einzig richtige Lösung als Ausweg aus Krisen nur selten. Aber die allgegenwärtige Diskussion darüber, wie man Ressourcen sparen kann, wie man in der Krise zusammenrücken kann, ist ja schon mal ein Erfolg. Wenigstens das. 

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