Gemeindebesucher vermissen Gemeinschaft

Fast überall öffnen die evangelischen Kirchen wieder – aber Einschränkungen bleiben

-KS- Fast ein halbes Jahr nach der plötzlichen Schließung ihrer Häuser wegen Corona haben viele Gemeinden ihre Kirchen wieder für Gottesdienste geöffnet. Von einer Normalität, wie sie vor der Pandemie galt, ist man trotzdem noch weit entfernt. „Das Virus hat uns gezwungen, in kürzester Zeit neue Formate zu entwickeln und neue Techniken auszuprobieren“, erklärte Thomas Förster, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Mittlerweile gehörten Online-Gottesdienste auch in Solingen in vielen Gemeinden zur Normalität. Förster: „Wir haben einen gewaltigen digitalen Entwicklungsschub gemacht. Das wird uns auch in Zukunft helfen.“

Einen dauernden Ersatz für die gewohnten Gottesdienste sollen die neuen Online-Formate trotzdem nicht bilden. Im Mai haben die ersten evangelischen Gemeinden unter strengen Hygienevorgaben ihre Gottesdienste wieder für Besucher in der Kirche geöffnet. Vor wenigen Tagen wurde vielerorts nachgezogen. In der Kapelle des Klinikums gilt das an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat. In Dorp und Rupelrath können die Gottesdienste gleichzeitig auch via Internet live zu Hause mitgefeiert werden.

„Wir haben einen gewaltigen digitalen Entwicklungsschub gemacht.“

Thomas Förster, Pressesprecher des evangelischen Kirchenkreises

In Wald wird parallel auch das Angebot „Gottesdienst zum Mitnehmen“ fortgesetzt, bei dem in einer Tüte die Lieder, Gebete und die Predigt des kommenden Sonntags für alle angeboten werden, die den Gottesdienst zuhause feiern möchten. In der Lutherkirchengemeinde wechseln sich Online-Gottesdienste und Gottesdienste mit anwesenden Menschen ab. In Widdert gab es bereits Open Air-Gottesdienste auf der Kirchenwiese, dort setzt man aber vor allem auf digitale Formate.

„Im Moment läuft vieles gleichzeitig: Wir kehren vorsichtig zu Präsenzgottesdiensten zurück und gleichzeitig feiern wir Gottesdienste online“, erklärt Christian Menge, Pfarrer an der Lutherkirche. Die einen sehnten sich nach Gemeinschaft vor Ort, während die anderen nicht mehr auf den Video-Gottesdienst verzichten wollten. Für diejenigen, die keinen Internetzugang haben, probiert die Luther-Kirchengemeinde jetzt eine weitere Form aus: Im Gemeindehaus Höhscheid kann man den vorproduzierten Online-Gottesdienst aus der Lutherkirche mit anderen auf der Großleinwand sehen. Anschließend gibt es noch die Möglichkeit, unter freiem Himmel und mit dem nötigen Abstand zusammen zu sein.

An einer Umfrage zur Situation in Rupelrath beteiligten sich unlängst 140 Personen. Die Auswertung mache deutlich, so der Rupelrather Pfarrer Matthias Clever, dass Online-Gottesdienste durchaus als wichtig bewertet würden. Doch viele vermissten die Begegnung mit anderen sowie das gemeinsame Singen. Außerdem wünschten viele die Möglichkeit, sich auch noch am Sonntag spontan zur Kirche aufmachen zu können.

Das kennen auch andere Gemeinden. Eine Anmeldepflicht wird bei vielen Menschen als große Hürde empfunden. Sie gibt es daher nur noch vereinzelt. Beibehalten wurden dagegen die strengen Hygieneregeln: große Abstände zwischen den Sitzplätzen, Maskenpflicht bis man am Platz ist, Verzicht auf gemeinsames Singen und Dokumentation der Sitzplätze. Gottesdienste ohne diese Vorsichtsmaßnahmen würden wohl erst in Monaten wieder möglich sein, so Förster, „wenn ein Impfstoff oder wirksame Medikamente gegen die Covid-19-Erkrankung verfügbar sind“.

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