Fragen und Antworten

So geht es mit Park und Brücke weiter

Ein Fußweg in der Müngstener Brücke verspräche nicht nur eine hervorragende Aussicht auf den Brückenpark, sondern böte auch die Chance, „aus unmittelbarer Nähe die Konstruktion und die handwerkliche Kunst des Brückenbaues zu erleben“, heißt es im Antrag der SPD. Archivfoto: Christian Beier
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Ein Fußweg in der Müngstener Brücke verspräche nicht nur eine hervorragende Aussicht auf den Brückenpark, sondern böte auch die Chance, „aus unmittelbarer Nähe die Konstruktion und die handwerkliche Kunst des Brückenbaues zu erleben“, heißt es im Antrag der SPD.

Welterbe-Verfahren für Müngstener Brücke muss im Herbst eine Hürde nehmen, ebenso der geplante Skywalk.

Von Björn Boch

Solingen. Im Oktober soll der Bergische Rat auf Antrag der SPD über eine Querung für Fußgänger und Radfahrer in der Müngstener Brücke beraten. Die Idee für einen Weg unterhalb der Gleise – Arbeitstitel: Skywalk Müngsten – ist Teil eines Konzepts zur Weiterentwicklung des Brückenparks Müngsten. Wir haben Fragen und Antworten zusammengetragen.

Was soll im Brückenpark verbessert werden?

Der Park war eines der Kernprojekte der Regionale 2006. Im Antrag der SPD heißt es: „Inzwischen sind viele Jahre vergangen, ohne dass der Brückenpark nennenswert weiterentwickelt worden wäre.“ Zur Steigerung der Attraktivität soll der Park besser mit dem ÖPNV erreichbar sein, außerdem soll das gastronomische Angebot ausgebaut werden. Auch eine „Verbesserung der Anbindung und der Zugänge des Parks an die eigentliche Brücke“ soll geprüft werden.

Wie könnte der Skywalk aussehen?

Skywalk kann zunächst einmal schlicht mit Aussichtswarte umschrieben werden. Der Begriff kann aber in die Irre führen, weil viele bekannte Skywalks aus angebauten Plattformen bestehen, teils mit gläsernem Boden. Eine solche Konstruktion ist an der Brücke aus Gründen des Denkmalschutzes und der geplanten Welterbe-Bewerbung nicht möglich. Der Skywalk soll auf einem – dann ausgebauten und abgesicherten – Wartungsweg verlaufen, den die Deutsche Bahn für die Sanierung der Brücke ertüchtigt hat. Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten noch.

Was kostet die gesamte Maßnahme?

Ideengeber Gerd Münnekehoff geht davon aus, dass für die Querung in der Brücke schon das meiste an Infrastruktur vorhanden ist. Mögliche Kosten für die gesamte Maßnahme – also samt Verbesserungen im Brückenpark – zu ermitteln, ist Teil des SPD-Antrags an den Bergischen Rat. Prüfen wird das dann, sofern der Rat zustimmt, die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW).

Was ist der Stand bei der Welterbe-Bewerbung?

Das erste Ziel ist, auf eine der sogenannten Tentativlisten zu kommen, also auf die Listen, mit denen Nationen bei der Unesco eine Anerkennung als Weltkulturerbe beantragen. Das soll gemeinsam mit fünf weiteren Brücken (zwei in Portugal, zwei in Frankreich, eine in Italien) geschehen. Bislang erschien es am realistischsten, auf die portugiesische Liste zu gelangen. „Jetzt hat sich aber auch für die deutsche Liste ein Fenster geöffnet“, berichtet Carsten Zimmermann, der das Welterbe-Projekt bei der Stadt Solingen mit betreut.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Das Land NRW hat ein Verfahren ausgeschrieben, Interessenten für die Liste des Landes müssen sich darauf bis Oktober bewerben. Das sei sehr aufwendig, quasi ein „verkürzter Welterbeantrag“, erklärt Zimmermann. Dafür hat die Stadt „Welterbe-Experten mit hervorragender Expertise“ gewinnen können (| Kasten), berichtet Zimmermann. Diese neue Entwicklung bestärkt Oberbürgermeister Tim Kurzbach in der Hoffnung, dass der Welterbe-Antrag gelingen könnte. Es sei ein Projekt, das langen Atem brauche, dennoch gehe es gut und schnell voran.

Wie geht es dann weiter?

Sollte es die Müngstener Brücke gemeinsam mit den anderen Brücken auf die NRW-Liste schaffen, wird eine internationale Fachjury die Vorschläge aller 16 Bundesländer prüfen. Die besten kommen auf eine Liste des Bundes, die von der Kultusministerkonferenz wohl 2023 beschlossen wird. 2024 geht die Liste an die Unesco, bis dahin sind noch alte Vorschläge abzuarbeiten. Ab 2025 können zwei potenzielle Welterbestätten pro Jahr aus Deutschland berücksichtigt werden. Falls die Müngstener Brücke dann noch im Rennen ist, wird es also entscheidend sein, welchen Platz sie auf der Liste erreichen konnte. Platz 1 oder 2 eröffnet direkt eine Chance, hintere Plätze verzögern den Welterbe-Status entsprechend.

Wie wird das finanziert?

Der Rat hat den Weg freigemacht für die Gründung eines Fördervereins. Aufgrund steuerrechtlicher Vorgaben müssen in allen vier Staaten Fördervereine gegründet werden. „Diese Vereine müssen für die Finanzierung sorgen, die Idee in die Länder tragen und eine gemeinsame Dachgesellschaft finanzieren“, berichtet Carsten Zimmermann. Die Dachgesellschaft wird eine Stiftung mit Sitz in Deutschland sein. Die Finanzierung des Gutachtens für das NRW-Verfahren wird von den drei bergischen Städten erst einmal übernommen und später zurückgezahlt.

Hintergrund

Icomos („International Council on Monuments and Sites“) ist der Internationale Rat für Denkmalpflege, der das Unesco-Welterbe-Komitee, Städte und Staaten berät. Die Experten, die das Gutachten für die NRW-Liste erarbeiten, sind Icomos-Mitglieder.

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