Das Gefühl sagt, wann ein Bild fertig ist

Beim Atelierbesuch des Tageblatts gewährte der Maler Peter Wischnewski einen Einblick, wie er aus Landschaftsmotiven abstrakte, großformatige Bilder entstehen lässt. Foto: Christian Beier

Peter Wischnewski lud das Tageblatt zu einem Besuch in sein neues Atelier in Ohligs ein.

Von Philipp Müller

Ist es nicht doch zu grell, dieses neon-artig leuchtende Giftgrün? Peter Wischnewski schaut in seinem Ohligser Atelier immer wieder auf sein noch im Schaffensprozess befindliches Bild „Kosmos“. Eigentlich gibt er seinen Bildern ganz bewusst keine Titel. „Aber das sieht für mich wie das Weltall, der Kosmos aus.“ Kosmos ist dabei auch doppeldeutig zu verstehen. Denn der Maler bewegt sich gerne in den unendlichen Möglichkeiten der Farben. Im kommenden Jahr wird der 61-Jährige im Rathaus ausstellen. Im Altbau vor dem Büro des Oberbürgermeisters will er neue Arbeiten zur Jahresmitte 2020 zeigen. Ob „Kosmos“ dazu gehört, ist noch nicht klar. Die Reise dieses Bildes könnte auch an den Tegernsee gehen. Wischnewski bereitet eine Ausstellung für eine Galerie in Rottach-Egern vor.

Parallel arbeitet Wischnewski an mehreren Bildern. Er zeigt dem Solinger Tageblatt dies in seinem neuen Atelier. Eine Gönnerin hatte im ST gelesen, dass er neue Räume suche und ihm ein ehemaliges kleines Hallenbad an einer Villa angeboten. Das habe ihn sehr gefreut, denn er dürfe dort auch in den Garten. Malen. Denn so abstrakt seine Kunst ist, so bezieht sie doch viele ihrer Motive aus der Natur. Das Chaos der Flora schlägt sich in den brausenden Farbverläufen in Wischnewskis Bildern nieder. Dabei ist der Künstler darauf bedacht, viele Materialien einzusetzen. Mit rissigen, relief-artigen Strukturen aus Marmormehl schafft er zunächst eine flache Dreidimensionalität. Er nennt das „Untermalung“, die er mit weiterer, vollflächig aufgetragener Farbe satt durchführt.

Das schafft für den kreativen Kopf des Malers dann die Basis, sich seinen Gefühlen, seinen Inspirationen und seinen teils witzigen Ideen zur Bildgestaltung hinzugeben. Ein solches Bild liegt auf einem Tisch im Atelier. Glutrot scheint die Sonne unterzugehen. Ein knorriger Baum-Torso bestimmt die Bildmitte. Oder ist es doch eine auf rissige Steine reduzierte Felslandschaft? Das überlässt Wischnewski dem Betrachter.

Mit einem Industrie-Föhn verteilt er noch schwarze Tusche in der Baumborke, den Felssprüngen. Noch weiß er nicht einmal, wo das Bild sein Links, sein Rechts hat, wo oben ist, wo unten. Er fotografiert seine Bilder und dreht sie dann am PC-Bildschirm so lange, bis er die Koordinaten für seine Augen gefunden hat. Das alles entsteht in einer logisch aufgebauten Kreativ-Atmosphäre. Regale mit Farben wechseln sich mit Schränken für weitere Materialien ab. Das können auch hölzerne Ornamente sein, die in den Bildern verarbeitet werden.

Ausstellung von Maler Casagrande prägte Peter Wischnewski

Mit sechs Jahren habe er angefangen zu malen (» Kasten). Das sei das berühmte „Malen nach Zahlen“ gewesen. Daran verlor er ganz schnell die Lust und begann schon ein Jahr später, frei Landschaften zu skizzieren. Er porträtierte Schauspieler und seine sechs Geschwister. Fragt man ihn nach seinen Vorbildern für seine heutige Kunst, dann nennt er den Maler Peter Casagrande. „Der war für mich damals der größte Künstler“, sagt er. 2006 hatte Casagrande eine Ausstellung im damaligen Museum Baden, dem heutigen Kunstmuseum, organisiert vom Solinger Kunstverein. Casagrande sieht seine Basis in einer architekturbezogenen Malerei und ist doch ganz abstrakt – und dabei wuchtig wie Wischnewski.

Aus einem Radio dröhnt Bluesrock. Es dürfe auch mal Hardrock sein. „Je nach Stimmung lege ich das auf“, erzählt er. Dann komponiert er weiter an den Bildern. Der Föhn weicht einem Tuch, mit dem er gekonnt und schnell einen harten Kontrast der Tusche zum Glutrot des Hintergrunds mit einem Wisch aufweicht. Wann ein Bild fertig ist, sei entscheidend von der Frage geprägt, ob in dem Bild noch etwas passieren müsse. Verneine er das, sei es fertig – und doch nicht. Eigentlich kann er auch dauerhaft an einem Stück weiterarbeiten. Aber auch das habe seine Grenzen, die ihm sein Gefühl damit aufzeige: „Wenn ich jetzt noch mehr mache, wirkt es überladen.“

Wer sich auf die Kunst des Malers einlässt, reist durch Raum und Zeit

Einige Tage nach dem Besuch ist „Kosmos“ fertig. Er habe sich das noch mal genau angeschaut und das neon-artige Grelle entschärft. Er schickt ein Foto. Nun liegt der Kosmos in tiefem Grün in großer Unendlichkeit vor den Betrachtern, die die Galaxien zählen können. Punkt für Punkt, Farbton für Farbton. Die neuen Werke von Wischnewski werden die Besucher seiner Ausstellung begeistern – sind sie dafür offen, in die Farb- und Formwelten einzutauchen, sich von Wischnewski an die Hand nehmen zu lassen und durch Raum und Zeit zu reisen.

PETER WISCHNEWSKI

AUSBILDUNG Er studierte, von den Eltern unterstützt, an der Düsseldorfer Kunstakademie. Doch aus wirtschaftlichen Gründen musste er das aufgeben. Es folgte eine Lehre als Maler und Lackierer. Doch die Leinwand ließ ihn in den vergangenen vier Jahrzehnten nie los. Er besuchte neben dem Beruf Meisterkurse und vertiefte seine Technik. Er fühlt sich in der Welt der Farben und Formen wohl. Obwohl er ein großes zeichnerisches Talent hat, findet er seine künstlerische Erfüllung in großen Formaten mit sich frei bewegenden Motivstrukturen.

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