Gedenkstätte und Museum sehen in der Kunst Berührungspunkte

Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste und Daniela Tobias vom Verein Max-Leven-Zentrum streben eine Zusammenarbeit an. Foto: Christian Beier
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Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste und Daniela Tobias vom Verein Max-Leven-Zentrum streben eine Zusammenarbeit an.

Max-Leven-Zentrum und Zentrum für verfolgte Künste

Von Philipp Müller

Am Neumarkt räumen die Abrissbagger weiter Gebäude um Gebäude für die neue Sparkasse ab. In der wird es eine kleine, knapp 100 Quadratmeter große Gedenkstätte geben. Sie soll den Namen Max Leven tragen, der 1938 in der Pogromnacht von Nazis ermordet worden war, nur weil er Jude, nur weil er Kommunist, nur weil er Journalist war.

Der Verein der künftigen Gedenkstätte stellt nicht nur dieses Schicksal gerade im Zentrum für verfolgte Künste vor. Unter dem Titel „. . . und laut zu sagen: Nein.“ gibt es vom Max-Leven-Zentrum einen Überblick von 1933 bis 1945 zur lokalen Geschichte im Nazi-Regime mit dem Blick auf die Opfer, Täter, Orte und historischen Zusammenhänge von der Machtergreifung bis zur Befreiung. In dieser Fülle werde die Gedenkstätte das aber nicht präsentieren können und wollen, erklärt Daniela Tobias vom Trägerverein. Die Gedenkstätte verstehe sich in erster Linie als Bildungseinrichtung. Losgehen kann es vermutlich irgendwann im Jahr 2023. Dann soll der Neubau der Sparkasse fertiggestellt sein. Bis dahin sammelt der Verein Fakten, begibt sich mit Historikern auf Spurensuche und nutzt vor allem das Internet für Publikationen.

Programm zu Max Leven muss dokumentiert werden

Die Teilnahme an der Ausstellungs-Trilogie im Zentrum – es wird Kunst aus dem KZ Sachsenhausen gezeigt und anhand des Werdegangs von Boris Lurie der künstlerische und persönliche Bruch eines Menschen durch Gewalt beleuchtet – ist für die Gedenkstätte wichtig. Berührungspunkte sind vorhanden. Allerdings nähern sich beide Akteure den historischen Zeiten aus völlig anderen Blickwinkeln. „Wir sind in erster Linie ein Museum und kommen über die Kunst“, sagt Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter.

Die Themen Flucht, Vertreibung, Vernichtung künstlerischer Biografien und Existenzen gehen immer vom Kunstwerk selbst aus. Die Arbeit ist nicht auf die Nazizeit beschränkt. Und nicht nur auf Bildende Kunst. In der Literatursammlung wird das anhand vieler Schicksale deutlich, die sich im Kalten Krieg und davor widerspiegeln. Namen wie Else-Lasker-Schüler, Vaclav Havel, Jürgen Fuchs, oder Joachim Ringelnatz lassen die Bandbreite nur erahnen. Hinzu kommt die zunehmend internationale Ausrichtung und Bedeutung des Zentrums.

Internationale Ausrichtung und gleichzeitig Nähe zu Solingen

Und doch sucht das Zentrum die Nähe zu Solingen. Dabei hat das Museumsteam auch seinen Bildungsauftrag im Blick. Da ist die Spurensuche etwa mit Schulklassen in Solingen möglich. In der aktuellen Ausstellung sind Bilder von Ernst Walsken – er lebte von 1909 bis 1993 – zu sehen. Sie kommen aus Esterwegen, einem der Lager der „Moorsoldaten“ im Emsland, in dem der Solinger Künstler und Sozialdemokrat Walsken interniert war. So kann sich der lokale Horizont leicht erweitern lassen, in dem die oft erschreckenden Parallelen zur Kunst im Zentrum aufgezeigt werden.

Aber Tobias und Kaumkötter betonen auch, dass eine Zusammenarbeit geduldig wachsen müsse. Jetzt braucht es erst einmal die Gedenkstätte selbst, die später von der Stadt Solingen verantwortet werden soll. Und das Programm über die Geschichte Max Levens und seiner Familie muss definiert werden.

Und es muss geworben werden. So waren Verein und Zentrum zuletzt gemeinsam bei der SPD in Höhscheid Gäste, um die Ausstellung und ihre Arbeit vorzustellen.

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