Erinnerung

Gedenken zum Brandanschlag in Solingen findet nur im Stillen statt

Am Mahnmal zum Brandanschlag wird in diesem Jahr während einer Gedenkminute ein Kranz niedergelegt. Archivfoto: Christian Beier
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Am Mahnmal zum Brandanschlag wird in diesem Jahr während einer Gedenkminute ein Kranz niedergelegt.

Keine Ansprachen zur Erinnerung an die Morde vom 29. Mai 1993 in Solingen.

Von Andreas Tews

Solingen. Das Gedenken zum rassistisch motivierten Brandanschlag vom 29. Mai 1993 wird in diesem Jahr nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Der Beirat des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage hat am Dienstagabend beschlossen, dass es am 27. Jahrestag am Mahnmal am Mildred-Scheel-Berufskolleg nur ein stilles Gedenken ohne Gebete und Ansprachen geben wird. Daran werden voraussichtlich Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und die türkische Generalkonsulin in Düsseldorf, Aysegül Gökçen Karaarslan, teilnehmen. Die traditionell mit dem Gedenken verbundene Verleihung des Zivilcourage-Preises „Silberner Schuh“ wird verschoben.

Ein Gedenken zum Brandanschlag findet jedes Jahr am Mahnmal an der Beethovenstraße statt. Regelmäßig nehmen daran außer der Familie Genç, die bei dem Anschlag fünf Todesopfer beklagen musste, und Vertretern der offiziellen Stellen auch Dutzende Solinger teil. Zum Ablauf gehören normalerweise Gedenkansprachen sowie christliche und muslimische Gebete.

Für dieses Jahr werde wegen der coronabedingten Beschränkungen nur ein stilles Gedenken geplant, teilte Lutz Peters, Sprecher der Stadtverwaltung, mit. Um 19 Uhr werden nach seinen Angaben Oberbürgermeister Kurzbach, Vertreter der Familie Genç sowie Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, der Ditib-Gemeinde und des Bündnisses Kränze niederlegen und im Rahmen einer Schweigeminute der Toten gedenken. Eine besondere Einladung zum Gedenken am Mahnmal an die Solinger werde es in diesem Jahr nicht geben, teilte Peters weiter mit. Die Veranstalter bitten Bürger, die sich trotzdem zur Gedenkminute am Mahnmal einfinden wollen, die vorgeschriebenen Abstandsregeln zu beachten und eine Mund-Nase-Maske zu tragen.

„Silberner Schuh“ soll im Herbst verliehen werden

Nicht stattfinden wird Ende Mai die Verleihung des „Silbernen Schuhs“. Mit diesem Preis zeichnet das nach dem Brandanschlag von 1993 gegründete Bündnis für Toleranz und Zivilcourage jedes Jahr einen Solinger aus, der mutig gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung eintritt. Diese Auszeichnung soll in diesem Jahr aber nicht komplett wegfallen. Der Beirat des Bündnisses strebt an, die Verleihung im Herbst nachzuholen. Als Rahmen können sich die Organisatoren die jährlich stattfindende Demokratiekonferenz vorstellen, zu der das Diakonische Werk und die Stadt Solingen einladen.

Bei dem Brandanschlag vom 29. Mai 1993 kamen fünf Frauen und Mädchen der Familie Genç ums Leben. Drei junge Deutsche hatten in jener verhängnisvollen Samstagnacht ein Feuer gelegt, bei dem das Haus der Gençs zerstört wurde. Die Flammen breiteten sich rasend schnell in dem Gebäude aus. Fünf Personen starben. Gürsün Ince (27), Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12), Hülyia (9) und Saime Genç (4). 14 weitere Familienmitglieder wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Spontan demonstrierten viele Menschen und zogen durch die Stadt. Immer mehr kamen an den folgenden Tagen nach Solingen. Unter die Trauernden mischten sich türkische Nationalisten, die die Solinger Innenstadt in ein Schlachtfeld verwandelten.

Der 29. Mai 1993 und seine Folgen veränderten Solingen nachhaltig.

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