Nach Lockerungen

Gastronomen öffnen sehr zögerlich die Läden

Isa (links) und Ali Ates demonstrieren: Zwischen den Tischen im Fasil müssen 1,5 Meter Anstand herrschen.
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Isa (links) und Ali Ates demonstrieren: Zwischen den Tischen im Fasil müssen 1,5 Meter Anstand herrschen.

Viele Tische bleiben wegen Corona-Auflagen unbesetzt.

  • Viele Solinger Wirte öffnen erst im Laufe der Woche.
  • Gäste wollen sich nicht registrieren lassen.
  • Offene Gaststätten werden Thema im Rathaus-TV.

Von Philipp Müller

Solingen. Leer wirkte das Café Cramers am Fronhof. Nicht die Gäste fehlten am ersten Tag der Erlaubnis, Gaststätten wieder zu öffnen. Aber Petra Effert und Karsten Hoitz hatten zwei Drittel der Tische und Stühle entfernt, um den neuen Abstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen nach der Hygieneanlage zur Corona-Schutzverordnung zu gewährleisten. Rot-weißes Flatterband mahnte, dem Tresen ebenfalls nicht näher zu kommen. Vor der Kasse stand ein Spuckschutz aus Acrylglas. Ein Bild, das sich so oder so ähnlich in allen offenen Cafés, Restaurants und Speisegaststätten gestern den Kunden bot. Reine Bierkneipen ohne Küche – rechtlich als „Bar“ bezeichnet – bleiben weiter geschlossen.

Karsten Hoitz und Petra Effert bedienen im Café Cramers nur ein Drittel der Tische, die Theke wird geschützt.

Doch viele Wirte machen erst im Verlauf der Woche auf, das zeigte die Nachrichtenlage am Montag. So will das New Orleans in Ohligs am Freitag starten. Der Lieferservice laufe aber weiter. Besonders die kleinen Läden trifft, dass mit 1,5 Metern Abstand zwischen den Tischen kaum Plätze verbleiben. Daraus zogen etwa Gabi Quittmann vom Café Q am Entenpfuhl und Fisch Schälte für den Restaurantbereich klare Konsequenzen: Das rechne sich nicht, darum könne der Laden nicht öffnen.

Wirtin Berita Schwarz betreibt das Mumms. Das wolle sie nicht öffnen, da man keine für die Kultkneipe typische Atmosphäre schaffen könne. Ihr Haus am Birkenweiher wird dagegen ab Donnerstag öffnen. Allerdings jeweils nur mit dem Freitag und Samstag für drei Tage. Dagegen nahm das Al B’Andy in Wald bereits für Montag wieder Reservierungen an und setzt auf die beheizbaren und durch ein Dach geschützten Außenplätze, um zusätzlichen Umsatz zu generieren.

Viele müssen noch umstrukturieren. Daher nannte beispielsweise Klaus-Dieter Land von der Kartoffel-Kiste in Oberburg noch keinen Öffnungstermin für das Restaurant. Anders das Restaurant Pfaffenberg: Dort werden ab Mittwoch alle Räume mit großzügigen Abständen genutzt, so dass sogar mehr Plätze entstehen als im kleinen Bistro, das zuletzt alleine geöffnet hatte.

„Die Gäste wollen sich nicht registrieren lassen.“

Peter von der Heiden, Gastronom

Nur noch die Hälfte der Tische kann das Kaffeehaus am Gräfrather Marktplatz betreiben. Inhaber Peter von der Heiden bekannte, eigentlich ein Optimist zu sein. „Aber auf Dauer wird das nicht gut gehen.“ Der Start sei auch am Montag in der Mittagszeit noch sehr verhalten gewesen. Das Kaffeehaus hofft auf das Terrassengeschäft als Ausgleich für fehlende Umsätze. Außerdem hatte er dies erlebt: „Die Gäste wollen sich nicht registrieren lassen.“ Dies ist aber die Voraussetzung, damit er und seine Kollegen überhaupt Gäste bedienen können. Das schreiben die erst seit Samstag vorliegenden Bestimmungen vor: Das Festhalten der Namen diene dazu, mögliche Corona-Infektionsketten nachzuvollziehen. Nach vier Wochen sollen die Listen vernichtet werden.

Margherita Voltolini vom Eiscafé Dolomiten zeigt, was zu tun ist, wenn der Gast gegangen ist: Der Tisch und die Sitzplätze sind zu desinfizieren. Außerdem hinterlassen die Kunden ihre Adresse.

Im Restaurant Fasil geht es Dienstag los. Isa Ates und sein Vater Ali vermaßen gestern die Abstände. Sie hatten die Hälfte der Tische eingelagert. Außerdem soll eine Plastikglaswand einen Korridor zur Toilettenanlage abtrennen. Den Lieferservice, seit Corona im Angebot, wollen sie beibehalten, der habe sich gut entwickelt.

Besuch vom Ordnungsamt hatte bereits Margherita Voltolini vom Eiscafé Dolomiten. Jeder zweite Tisch bleibt frei. Sie sei auf die Desinfektionspflicht der Tische nach jedem Besuch aufmerksam gemacht worden. Das Amt will zu Beginn vor allem beraten, hatte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) angekündigt.

Das Thema offene Gaststätten bestimmt das Rathaus-TV am Dienstag um 17.30 Uhr. Beigeordneter Jan Welzel sowie die Vorsitzende der Dehoga Solingen, Petra Meis, stellen sich den Fragen der Solinger. Die Moderation hat Evelyn Wurm von der Bürgerbeteiligung der Stadt.

YouTube-Kanal: https://t1p.de/m8b8

Seit Montag gelten zahlreiche Lockerungen für die Corona-Beschränkungen in Solingen. Die genauen Regeln dazu hat das Land allerdings erst am Samstag um 8 Uhr verschickt.

Die Corona-Pandemie zeigt im April deutliche Wirkung auf dem Solinger Arbeitsmarkt. 40 Prozent der Beschäftigten in Solingen sind in Kurzarbeit - Rekord.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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