Kursus

So funktioniert Zivilcourage

Ernst Nieland simulierte im Forum der Volkshochschule eine Busfahrt. Foto: Christian Beier

Experten erklärten den 15 Teilnehmern in der VHS, wie sie sich im Notfall verhalten sollten.

Von Miriam Wagner

Annika sitzt in der hintersten Ecke des Busses, als sich plötzlich ein alkoholisierter Mann neben sie setzt. Aufdringlich spricht er sie an, fragt, ob sie ihn nicht etwas näher kennenlernen wolle. Eingeschüchtert kauert die 16-Jährige auf ihrem Platz und bittet den unangenehmen Fahrgast, sie in Ruhe zu lassen. Doch dieser hört nicht auf, fasst das Mädchen an und belästigt es sexuell. Helfen können jetzt nur noch andere Fahrgäste.

Diese Szene war nur gespielt. Die muTiger-Stiftung gab am Wochenende bei der Volkshochschule ein Seminar für mehr Zivilcourage. 15 Solinger machten mit.

Während in ähnlichen Situationen potenzielle Helfer oft aus dem Fenster schauen und sich dem Konflikt entziehen, mischen sich hier schließlich einige Fahrgäste ein. Zwei Personen schließen sich zusammen und eilen zu Hilfe, um Annika aus der Gefahrenzone herauszuholen. „Komm, wir setzten uns gemeinsam rüber zu den anderen“, spricht sie ein Mann an. Ein weiterer Fahrgast informiert währenddessen den Busfahrer, der das Fahrzeug anhält, die Türen öffnet und die Polizei alarmiert.

Auch wenn sich dieses Szenario in Form eines Rollenspieles ereignet – genau so sollte es sich im Idealfall abspielen, wenn ein Fahrgast bedroht oder belästigt wird. In der Realität sieht das jedoch oft anders aus. Nach den Fällen Dominik Brunner und Tugce, die beide Zivilcourage zeigten und am Ende von den Tätern zu Tode geprügelt wurden, trauen sich viele Leute nicht mehr zu helfen. Um ein Gespür dafür zu bekommen, wie man sich in solchen Situationen angemessen verhält und sich selbst schützt, bietet die Stiftung muTiger ein Projekt zur Förderung der Zivilcourage an.

Trainer erklärt: Immer Verbündete hinzuholen

Entwickelt wurde das Konzept von Sicherheitsexperten der Kötter Unternehmensgruppe und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. „Wir wollen keine Helden ausbilden, sondern zeigen, wie unter Beachtung der eigenen Möglichkeiten geholfen werden kann“, erklärt Ausbilder Ernst Nieland (69). „Wir müssen mehr aufklären und Handlungssicherheit vermitteln.“

Besonders nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln, aber auch wegen aktueller Vorkommnisse in Solingen verspüren viele Angst. „Ich nehme in erster Linie wegen meiner Tochter teil. Sie ist viel mit Bus und Bahn unterwegs“, erklärt Claudia König (51). Tochter Annika (16) wurde vor einigen Wochen selbst Zeugin sexueller Nötigung.

HINTERGRUND

STIFTUNG Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und die Kötter Unternehmensgruppe gründeten im Juli 2011 die sogenannte muTiger-Stiftung. Seit Juni 2012 werden die Kurse in ganz NRW angeboten. Mehr als 2500 Menschen wurden bereits ausgebildet.

Auch Griffe werden erklärt. Das Interesse sollte immer auf das Opfer gelenkt und ein nötiger Sicherheitsabstand eingehalten werden. Außerdem bestünde ständig ein Restrisiko. „Ihr solltet Verbündete suchen“ , empfiehlt Trainer Volker Karkowski (51).

Nächster Kurs: 7. Mai, 10 Uhr, VHS. Gebühr: 30 Euro. Anmeldung: Telefon (02 02) 5 63 26 07.

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