Andacht im ST

Für wen halten Sie mich?

Im ersten Pandemie-Jahr konnten keine Prozessionen stattfinden, stattdessen hing die Gemeinde St. Sebastian Fußabdrücke aus Pappe an die Zäune vor Kirchen.
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Im ersten Pandemie-Jahr konnten keine Prozessionen stattfinden, stattdessen hing die Gemeinde St. Sebastian Fußabdrücke aus Pappe an die Zäune vor Kirchen.

Theologen laden zur Andacht ein – heute der katholische Stadtdechant Michael Mohr.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Für wen halten Sie mich? Das kann Ausdruck von Empörung sein: Wie kommen Sie dazu, so etwas von mir zu denken? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Für wen halten Sie mich? Aber das kann auch eine ganz sachlich und wortwörtlich gemeinte Frage sein: Wie werde ich wahrgenommen? Was denken die Leute von mir? Für wen halten sie mich?

Wie würden Sie reagieren? Sicher, das hängt von dem ab, der fragt und vom Tonfall der Frage. Beides kann ein Zeitungstext nicht beantworten. Also, wie war Ihre erste innerliche Reaktion auf die Überschrift? Ich ertappe mich dabei, nicht immer das sachliche „Für wen halten sie mich?“ zu hören.

Jesus meint die Frage an die Jünger, die er im Evangelium am kommenden Sonntag stellt, aber genau so sachlich: Was denken die Leute von mir? Allerlei Ideen kommen da: Elija, Johannes der Täufer, ein Prophet. Das ist alles ziemlich schmeichelnd; heutzutage würde man wohl einige Berühmtheiten als Antwort bekommen. Aber es trifft nicht den Kern. Petrus ist es dann, der die „Lösung“ bietet: Jesus ist der Christus. Sind Sie damit schlauer? Die Menschen damals bestimmt: Denn auf den Gesalbten (hebräisch: Messias, griechisch: Christus) haben sie gewartet und seine Ankunft ersehnt. Petrus sagt damit also sehr deutlich, dass er Jesus als den erkennt, auf den alle Gläubigen damals warteten. Endlich ist er da, jetzt wird alles gut: Der Erlöser, der Befreier, der Gesalbte ist angekommen!

Pfarrer Michael Mohr

Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude und ein Grund, es allen weiter zu erzählen. Aber dann kommt eine unerwartete Wendung: Niemandem sollen sie etwas sagen, und mehr noch: Jesus wird vieles erleiden müssen und sogar getötet werden. Und das soll der Erlöser sein?

Fronleichnam zeigt, was Christen jeden Tag machen sollten

Zu Jesus Christus zu gehören ist kein Karriereziel oder ein immer erfolgreicher Weg. Ganz im Gegenteil. Jesus Christus gibt sich den Menschen in die Hand. Und die Menschen, damals wie heute, sind nicht immer gut, zugewandt und nett. Sie sind oft auch neidisch, berechnend und brutal. Aber Nachfolge Christi heißt eben: für andere da sein, egal ob etwas dabei herausspringt oder nicht.

An Fronleichnam werden wieder an vielen Orten und auch in unserer Stadt katholische Christen mit dem Leib Christi durch die Straßen ziehen. Was vielleicht auf dem Dorf noch etwas selbstverständlicher ist, das trifft in Städten häufig auf Verwunderung, Neugier oder auch Ablehnung und Unverständnis: Da macht irgendein Folkloreverein einen Umzug und behindert den Straßenverkehr? Dabei zeigt Fronleichnam das, was wir Christen eigentlich jeden Tag in der Nachfolge Christi machen sollten (und was viele Menschen momentan anders empfinden): allen Menschen zeigen, wie unser Gott ist: nicht immer bequem, aber immer mitten unter den Menschen, großherzig und liebend.

Für wen halte ich Jesus Christus? Bin ich nur dann begeistert, wenn es für mich Vorteile bringt, oder versuche ich auch in den schwierigeren Phasen meines Lebens Christ zu sein, dann, wenn andere sich nicht wundern oder neugierig sind, sondern kein Verständnis haben? Für mich ist es gar nicht so einfach, eine Antwort darauf zu geben. Und für Sie?

Ihr Pfarrer Michael Mohr

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