Eine Ära geht zu Ende

Violettas Puppenbühne muss schließen

Eva Wieden schließt die Puppenbühne, die sie mit ihrem Mann aufgebaut hat.
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Eva Wieden schließt die Puppenbühne, die sie mit ihrem Mann aufgebaut hat.

Am Wochenende verkaufen Eva und Wolfgang Wieden „Violetta“-Figuren in den Güterhallen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Prinzessinnen mit üppigen Kleidern, Bauernjungen mit Weste und Mütze, ein grauer Wolf mit offener Schnauze und noch viel mehr Figuren haben ihren Platz auf dem großen Verkaufstisch in Violettas Atelier in den Güterhallen bezogen: Am Wochenende werden sie an beiden Tagen ab 10 Uhr zum Verkauf angeboten. Und die Ära von „Violettas Puppenbühne“ geht damit zu Ende. Unzählige Kinder- und Erwachsenenaugen hat das Ehepaar Wieden mit seinen liebevollen Stücken zum Strahlen gebracht. Allzu gerne erinnert sich Eva Wieden an einzelne Kinder, die immer wieder kamen, um zuzuschauen und zuzuhören.

Seit 1992 hat die Puppenspielerin gemeinsam mit ihrem technisch und kaufmännisch versierten Mann Wolfgang die Bühne betrieben. Eine Erkrankung habe nun den Ruhestand nun erzwungen, sagt die 70-Jährige. „Ich habe nicht mehr die Power, um ständig neue Produktionen zu schaffen“. Das hat sie 30 Jahre lang getan, voller Kreativität zunächst klassische Märchen für ihre Puppenbühne umgeschrieben und aufgeführt, schließlich eigene Stücke geschrieben, Figuren dafür gebaut und immer wieder passende Kulissen gefertigt. Schon früh hatte die in Berlin an der Ernst-Busch-Schule ausgebildete Schauspielerin in Düsseldorf den Weg ins Kinder- und Jugendtheater gefunden. Ein Zufall brachte sie schließlich mit einer Puppenspielerin zusammen und sie fing Feuer. „Mit Handpuppen kann man unmittelbar und schnell agieren“, sagt sie. „Eine ganz wichtige Voraussetzung für Komik, einem für mich sehr wichtigen Aspekt im Spiel.“

„Violetta“ wurde im Laufe der Jahre zu einem Markenzeichen

Der Sprung in die Selbstständigkeit geschah nicht nur, um sich diesen Wunschtraum zu erfüllen, sondern auch, um Familie und Beruf besser in Einklang miteinander zu bringen. Als angestellte Schauspielerin sei sie viel unterwegs gewesen, erzählt die Mutter zweier eigener und einer „Bonus“-Tochter, die ihr Mann mit in die Beziehung gebracht hatte.

„Mit der mobilen Puppenbühne und den sich dann folgerichtig daraus ergebenen Proberäumen am Böckerhof, aus denen schließlich ein festes Theater wurde, klappte dieses Zusammenspiel ungleich besser. Ohne meinen Mann, der den technischen und wirtschaftlichen Part stemmte, wäre das nichts geworden“, betont Eva Wieden.

Ein erstes Engagement auf der damals existierenden Weihnachtsbühne im Remscheider Allee-Center machte den Anfang vieler weiterer Auftritte in der näheren und weiteren Umgebung: „Violetta“ wurde zum Markennamen. Neben Märchen- und Fantasieproduktionen kamen schließlich auch Präventivstücke für Feuerwehr und Polizei dazu. Kitas und Grundschulen besuchten zum Beispiel die „Feuerzaubershow“ , um ihre Schützlinge für die Gefahr beim Handhaben mit Feuer zu sensibilisieren.

2012 kam dann ein Einschnitt: „Durch die Umstellung auf den Ganztag in Schulen und Kindergärten blieb unser Theater nachmittagsleer“, sagt Wolfgang Wieden. Veränderung stand an: Ein Umzug weg aus Solingen und der Weg zurück ausschließlich zur mobilen Bühne. „Bis 2015, als Peter Amann fragte, ob wie Interesse an dem damals freigewordenen Atelier in den Güterhallen hätten“. Die Zusage für diesen besonderen Spiel- und Ausstellungsort kam aus vollem Herzen.

Und auch nach der Schließung von „Violetta“ möchte sie weiterhin mit Lesungen an der einen oder anderen Veranstaltung in den Güterhallen teilnehmen. Im Lockdown habe sie sich viel mit italienischer Literatur beschäftigt und zum Beispiel jüngst die mit Puppen gestaltete Lesung „Decamerone“ nach Boccacio angeboten. „So in diese Richtung könnte es gehen“.

Projekte

Geplant ist nach einer ersten Filmversion der „Feuerzaubershow“ eine weitere Filmproduktion. „Die Prinzessin geht zu Fuß“ heißt sie und bricht eine Lanze dafür, Kinder nicht täglich mit dem Auto zur Schule zu fahren, sondern sie den Schulweg selbstständig bewältigen zu lassen.
Weitere Infos online: violettas-puppenbuehne.de

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