Besonderer Dank an die Freiwilligen

Frauen und Männer der Feuerwehr riskieren ihr Leben

Jens Melcher von der Löscheinheit 7 (Wald) ist der stellvertretende Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr.
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Jens Melcher von der Löscheinheit 7 (Wald) ist der stellvertretende Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr.

Viele Helfer rund um die Katastrophe haben Herausragendes geleistet – in ihrem Job.

Von Björn Boch

Und dann gibt es noch jene, die eigentlich einen ganz anderen Job haben, ihre Freizeit aber in den Dienst der Menschen stellen. Und dabei manchmal ihr Leben riskieren.

Alexander Meifert von der Löscheinheit 3 (Mangenberg) ist der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Solingen.

Das gilt für alle in der Freiwilligen Feuerwehr, besonders aber für jene, die auf einem Fahrzeug im Bereich Obenrüdener Kotten im Einsatz waren. Sie retteten vom Wasser Eingeschlossene, in einem ersten Durchgang zwei Anwohner und zwei Hunde. Bei einem zweiten Versuch nahmen sie eine Person und den Kameraden auf, der bei ihr zurückgeblieben war. Weil die Straße aber inzwischen unterspült worden war, sackte das Fahrzeug ab. Sie mussten darauf ausharren, bevor sie gerettet werden konnten.

Dabei war die Feuerwehr selbst in Not: Kollegen aus dem Forstamt kamen mit schwerem Gerät zu Hilfe. Selbst das stärkste Boot wäre gegen die Strömung nicht angekommen, berichtet Solingens Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller. Das Feuerwehrfahrzeug wurde zu dem Zeitpunkt nur noch von einem Baum gehalten. „Wäre der Baum weggebrochen, wäre das Fahrzeug Richtung Rhein getrieben. Es war dramatisch“, berichtet Müller, der froh ist, keinen Solinger Kameraden im Hochwasser verloren zu haben.

Die Berufsfeuerwehr mit ihren mehr als 200 Mitarbeitern braucht einen inneren Motor, erklärt Müller – für Management und Zuarbeit, für Information und Kommunikation, dafür, dass Kraftstoff und Essen an die Einsatzstellen gelangt. „Dieser Motor ist die Freiwillige Feuerwehr.“ Darüber hinaus ist sie auch vor Ort im Einsatz. Darüber berichteten Alexander Meifert, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Solingen, und sein Vize Jens Melcher – stellvertretend für rund 250 Frauen und Männer.

„Dieses Ehrenamt ist kein Hobby, sondern Lebenseinstellung.“

Jens Melcher, Freiwillige Feuerwehr

Meifert, stellvertretender Einheitsführer der Löscheinheit 3 (Mangenberg), übernahm am Donnerstag in den Morgenstunden ein Löschgruppenfahrzeug. Er habe nach und nach die Einsätze aus der Meldezentrale abgearbeitet – an diversen Einsatzstellen im Stadtgebiet: „Am Ende des Tages fuhren wir runter nach Rüden. Dort habe ich das erste Mal erlebt, dass an einer Einsatzstelle eine Masse von Menschen auf uns zukam.“ Sie fragten um Hilfe, und wann sie an der Reihe seien. Ein Gebäude nach dem anderen wurde abgearbeitet. Noch nie habe er erlebt, dass straßenzugweise die Keller geleert werden mussten. „Da sind Existenzen kaputtgegangen, die Menschen waren aufgelöst.“

An der Wupper hatten nicht viele Glück, auch in anderen Ortsteilen hat es viele getroffen. Das wird noch einmal klar, als Jens Melcher, Führer der Löscheinheit 7 (Wald), berichtet: Zum ersten Mal wurden er und seine Kollegen am Mittwochmorgen um 1 Uhr alarmiert, da war der Starkregen noch „in den normalen Parametern“. Um 7.15 Uhr dann standen am Theodor-Storm-Weg in Ohligs schon alle Keller unter Wasser. Kritisch war es auch an der Gerberstraße in Gräfrath. „Wir hatten Sorge, dass der Ortskern absäuft.“ Das blieb zum Glück aus.

Auch an der Wupper war er im Einsatz – vor der Katastrophe. „Wir haben in dem Umfang vorbereitet, wie wir es aus den letzten Jahren kannten: 500 Sandsäcke in der Wipperaue, 150 in der Haasenmühle“, erzählt Melcher. Alle hielten das für ausreichend. Letztlich war die Flut so stark, dass jede Anzahl von Sandsäcken chancenlos gewesen wäre.

Meifert, Melcher und ihre Kollegen erhalten für ihren Einsatz eine kleine Aufwandsentschädigung, die nicht der Rede wert ist. Den Arbeitgebern, ohne die das Engagement nicht möglich wäre, wird der Lohn ersetzt. Viele unterstützten ihre Mitarbeiter in dem Engagement, „dass wir tagelang nicht da sind, ist ja zum Glück selten“, erzählt Meifert.

Mindestens ebenso wichtig, das betonen alle, ist die Familie, die das Engagement mittragen muss. Meifert, der bereits mit zehn Jahren in der Jugendfeuerwehr angefangen hat, formuliert es so: „Dieses Ehrenamt ist kein Hobby, sondern Lebenseinstellung.“

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