Ohligser Heide

Die Frage nach dem Sein des Menschen

Michael Völkel interpretierte mit seinem Saiteninstrument mittelalterliche Balladen. Foto: Michael Schütz
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Michael Völkel interpretierte mit seinem Saiteninstrument mittelalterliche Balladen.

Unter dem Motto „Wir alle sind keine Engel“ trugen neun Autoren Texte in der Ohligser Heide vor.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Die Sonne blitzt durch die graue Wolkendecke, während Annette Oppenlander einen Abschnitt aus ihrem zweiten deutschsprachigen Roman „Vorm Hügel“ vorliest. Ihre Stimme und die Erzählung um zwei Protagonisten, die während des Zweiten Weltkriegs an den Kinderlandverschickungen nach Pommern teilnahmen, fesselte die Zuhörer. Ansonsten ist es still so mitten im Naturschutzgebiet Ohligser Heide. Hier und da zwitschern Vögel, rauschen die Bäume oder Spaziergänger kreuzen die Gruppe.

Zum sechsten Mal veranstaltete Kay Ganahl vom Freien Deutschen Autorenverband NRW in Kooperation mit der Solinger Autorenrunde die Literarischen Wandertage. „Sein liebstes Kind“ führte den Schriftsteller und Vorsitzenden wieder in die Klingenstadt. „In diesem Jahr lautet das Motto ,Wir alle sind keine Engel’ erzählt Kay Ganahl. Im Fokus steht der Mensch, sein Dasein und seine Taten, die Ganahl gemeinsam mit Solinger Autorinnen und Autoren diskutieren möchte.

„Jahr für Jahr wandern wir durch verschiedene Stadtteile.“
Kay Ganahl, Freier Deutscher Autorenverband

Insgesamt neun Autoren stellten Auszüge aus ihren Romanen, Gedichte oder Kurzbeiträge an zuvor festgelegten Literaturpunkten vor. Autorin Martina Hörle hatte Auszüge ihres neuen Werkes im Rucksack dabei. „Auch dieser Roman, der im Frühjahr 2021 herauskommen soll, ist wieder unheimlich und mystisch geschrieben“, erzählte Hörle. In ihrem Buch geht es um die emanzipierte Belinda, die voll und ganz in ihrem Beruf aufgeht, zu Hause aber einen nörgelnden Ehemann vorfindet. Hörles letzter Satz aus ihrer Kostprobe „Als ich noch lebte“ rief auch in der sonnendurchfluteten Ohligser Heide leichte Schauer hervor.

Hörle und Ganahl zählen zu den Gründungsmitgliedern der Autorenwanderung. „Jahr für Jahr wandern wir durch verschiedene Stadtteile oder suchen besondere Orte für unsere Reihe aus“, so Ganahl weiter. Bis in die Nachbarstadt Wuppertal hat sich das beliebte Format, das sich als Publikumsmagnet erwiesen hat, unter Literaturfans herumgesprochen.

Neben Hörle und Oppenlander trugen auch Andreas Erdmann, K. J. Butterfield, Petra Lötschert, Elke Seifert und Beate Kunisch Kapitel aus ihren Werken vor. Gastautorin Elke Seifert näherte sich dem Thema Engel auf besondere Weise. In ihrer Erzählung über die kleine Else, die das Leben aus der Sicht eines Kindes verstehen möchte, ging es um Liebe und Annäherung an das Leben. „In jedem von uns steckt ein Engel“ ist Seiferts Botschaft.

Das Format des Wandertages ist eine lockere Form, bei der es um literarische Beiträge ging. Für den musikalischen Part haben sich die Organisatoren Michael Völkel dazu geholt. Als Spielmann Michel interpretierte der Musiker mittelalterliche Balladen aus Irland und Schottland und wusste mit manchem deftigen Bonmot und witzigen Texten gekonnt zu unterhalten. Mit dabei: Eine Auswahl an unterschiedlichen Instrumenten. Von der „Rabenballade“ über das Lied „Der Wächter“ bis hin zur Geschichte „Das Krankenhaus“, Michael Völkels Beiträge sorgten für die gewisse Prise Abwechslung.

Unter dem Motto Menschen und Engel waren auch tagesaktuelle und politische Themen angesagt. In „Frieda – Hommage an Belarus“ beleuchtete Karla J. Butterfield die Covid-19-Pandemie. Diese fand ebenso Beachtung, wie auch Gedichte auf Solinger Platt, die Andreas Erdmann mit viel Wortwitz und Humor vortrug.

Wandertage

Seit 2014 organisieren der Freie Deutsche Autorenverband NRW und die Solinger Autorenrunde die Literarischen Wandertage an ausgesuchten Orten in Solingen und der Nachbarstadt Wuppertal. Auch 2021 soll das Erfolgsformat fortgesetzt werden. Weitere Informationen gibt es online.

fda-nrw.de

solinger-autorenrunde.de/

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