Forschung im Spionageflieger

Der Zeppelin NT aus Friedrichshafen war für die Wuppertaler Forscher Plattform bei Prozessstudien im süddeutschen Raum. Foto: Hersteller

UNI-VORTRAG Prof. Ralf Koppmann ist den Folgen des Klimawandels auf der Spur - mit Hilfe von Satelliten, Flugzeugen und Luftschiffen.

Von Knut Reiffert

„Mit dem Klimawandel hat das überhaupt nichts zu tun“, erklärt Professor Ralf Koppmann und zeigt auf die nach wochenlangen Minustemperaturen hart gefrorenen Schneeberge unter seinem

Büro in der Bergischen Universität. „Für mich ist das ganz einfach Winter“, fährt er fort, „ein heftiger, aber kein einzigartiger. 1978/79 war das Wetter ähnlich“.

Auf den Unterschied zwischen Wetter („eine Momentaufnahme“) und Klima („Messergebnisse der letzten 30 Jahre“) geht der Atmosphärenphysiker zum Auftakt der diesjährigen Vortragsreihe von Solinger Tageblatt und Bergischer Universität am Montag im Gründer- und Technologiezentrum noch einmal ein. „Denn die beiden Begriffe werden häufig verwechselt“, ärgert sich Koppmann, „Vor allem in einer so entscheidenden Frage wie der des Klimawandels.“PROF. DR. RALF KOPPMANN ist 52 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Der gebürtige Viersener wohnt heute in Mönchengladbach. Nach dem Abitur studierte er an der Uni Bonn Physik und arbeitete lange Zeit im Forschungszentrum Jülich. Seit 2006 ist er im Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften (Fachgruppe Physik) an der Bergischen Universität tätig. Er leitet die Arbeitsgruppe Atmosphärenphysik. THEMA „Forschung mit Flugzeug, Zeppelin und Satelliten. Was wird aus der Atmosphäre unserer Erde?“ TERMIN Montag um 19 Uhr im Gründer und Technologiezentrum, Grünewalder Straße 29-31. Der Eintritt ist frei.

Auch mit einem zweiten Ammenmärchen wird der Forscher aufräumen: „Der Abbau der Ozonschicht ist keine Ursache für den Klimawandel.“ Vielmehr sorgt die Erwärmung der erdnahen Luftschichten dafür, dass die höher gelegene Stratosphäre abkühlt. Folge: Die dort verankerte Ozonschicht erholt sich nicht so wie man es sich nach dem Verbot von FCKW - früher zum Beispiel in Deo-Sprays - und anderen Treibhausgasen erhofft hatte.

Und genau hier setzt ein Teil der Prozessstudien der Arbeitsgruppe Atmosphärenphysik der Bergischen Universität an: Mit hochempfindlichen Messgeräten untersuchen sie die verschiedenen Luftschichten. Zuletzt waren mit „Crista NF“ (optisches Messgerät) und „Hagar“ (nimmt Luftproben) zwei Instrumente aus Wuppertal an Bord des russischen Höhenflugzeugs Geophysica. Der ehemalige Spionagejet kann mit 20 Kilometern etwa doppelt so hoch fliegen wie eine Linienmaschine. Einsatzgebiet war die winterliche Stratosphäre über der Arktis. Zwar ist die Ozonschicht im Norden weniger angegriffen, doch lassen sich die Erkenntnisse von hier auf die südliche Erdhalbkugel ableiten. Ausgewertet werden die Daten, die „Hagar“ gesammelt hat, in Wuppertal.

„Als Plattform dient uns alles was fliegt“, erzählt Professor Koppmann. Soll meinen: Auch von Satelliten und Luftschiffen aus wird gemessen. Flugzeuge kommen zum Einsatz, wenn es darum geht, bestimmte Luftströmungen zu verfolgen. Etwa, wenn der Transport von Schadstoffen aus China zum Mittelmeer erfasst wird. Ein Zeppelin eignet sich dagegen für Untersuchungen der unteren Luftschichten.

„Um ein Grad Celsius ist die Durchschnittstemperatur auf der Erde in den letzten 150 Jahren schon gestiegen“, widerspricht Koppmann allen, die den Klimawandel leugnen. Und er fürchtet, dass es bis Ende des Jahrhunderts zwei Grad sind.

Seine Gegenstrategie, die er am Montag im Detail erklären wird, ist zweigleisig: „Um das Schlimmste zu verhindern, müssen wir die Emission von Treibhausgasen so weit zurückfahren wie eben möglich.“ Und: „Wir müssen uns anpassen.“ Denn die Klimazonen werden sich verschieben. Der mittlere Westen der USA, heute die Kornkammer eines ganzen Kontinents, wird unter einer starken Trockenheit leiden. „Und auch hierzulande werden in der Landwirtschaft andere Nutzpflanzen Einzug halten“, blickt Koppmann voraus.

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