Hochwasser im Juli

Stadt Solingen will Flutkatastrophe aufarbeiten

Das Hochwasser hat an den Ufern des Eschbachs Spuren der Zerstörung hinterlassen. Foto: Christian Beier
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Das Hochwasser hat an den Ufern des Eschbachs Spuren der Zerstörung hinterlassen.

Der Wupperverband zieht erste Lehren aus dem Hochwasser Mitte Juli. Dabei steht auch die Steuerung der Talsperren im Fokus.

Von Kristin Dowe

Solingen. Gut vier Wochen nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe, die in Solingen vor allem Unterburg sowie die Hofschaften Rüden und Glüder getroffen hat, gehen Stadt, Wupperverband, Feuerwehr, Polizei, Stadtwerke und Technisches Hilfswerk in die Manöverkritik, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. „Der Prozess dauert auch wegen der Sommerferien noch an“, berichtet Rathaussprecher Daniel Hadrys. „Langfristige Konsequenzen dürfen nicht als Schnellschüsse gezogen werden. Deshalb ist eine gründliche Evaluation sehr wichtig.“

Entgegen der Vorwürfe, die mehrere betroffene Anwohner aus Solingen und Wuppertal zuletzt im Zusammenschluss als IG Kohlfurth erhoben, habe die Kommunikation laut Hadrys am Tag des Hochwassers zwischen Stadt und Wupperverband funktioniert – verschiedene Stellen der Stadt hätten an jenem Tag mit dem Wasserwirtschaftsverband im Austausch gestanden.

Hochwasserkatastrophe in Solingen: Stauinhalt der Wupper- und Bever-Talsperre wurde abgesenkt

Dort sei man ebenfalls noch in der Analysephase, berichtet Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbands. Als „kurzfristige Maßnahme“ habe man insbesondere den Stauinhalt der Wupper- und der Bever-Talsperre abgesenkt – in der Wupper-Talsperre sei dadurch ein freier Stauraum von rund fünf Millionen Kubikmetern geschaffen worden. Weiterhin würden die Betriebsregeln für die Steuerung der Talsperren überarbeitet, um die Erfahrungen vom 14. Juli einzuarbeiten. Grundsätzlich haben die Talsperren die Aufgabe, in Trockenphasen die Wupper mit Wasser zu unterstützen und für eine Mindestwasserführung von 3,5 Kubikmetern pro Sekunde zu sorgen.

„Diese Niedrigwasseraufhöhung ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch von großer Bedeutung und stand vor dem Hintergrund der drei extremen Trockensommer in den vergangenen Jahren unter besonderem Augenmerk“, erläutert Susanne Fischer. Für den Hochwasserschutz werde in den Talsperren Wasser aufgestaut und unbedenkliche Mengen vorsorglich abgelassen.

Hochwasserkatastrophe in Solingen: Verbesserungspotenzial sieht Wupperverband bei Vorwarnungen und Meldungen

Speziell für die Nebenflüsse der Wupper wie etwa Nacker oder Weinsberger Bach stehe auch die Hochwasservorsorge im Fokus – „zum Beispiel an Hotspots, wo bei Starkregen Probleme aufgetreten sind“, so Fischer. Klar sei auch schon jetzt: „Nicht überall wird bauliche Vorsorge möglich sein.“ Konzepte zum Rückhalt von Niederschlägen seien gemeinsam mit den Kommunen zu entwickeln und umzusetzen. Auch die Verfügbarkeit von Pegeln müsse verbessert werden, um Ausfälle wie am 14. Juli zu vermeiden.

Verbesserungspotenzial sehe der Wupperverband bei Vorwarnungen und Meldungen. Hierbei müsse „der Automatisierungsgrad erhöht und die Informationen klarer und eindeutiger werden, damit es keine Missverständnisse bei den Empfängern dieser Meldungen gibt“, heißt es weiter. Konkret bedeutet dies laut Fischer: „Abläufe müssen verbessert und auch mit Beteiligten geübt werden. Der Adressatenkreis der Meldungen ist so zu erweitern, dass die potenziell Betroffenen alarmiert werden können.“ Zudem werde das Hochwasserereignis von externen Gutachtern aufgearbeitet, wodurch sich weitere Anknüpfungspunkte für das Wasser- und Warnmanagement ergeben könnten.

Die Feuerwehr plädiert außerdem für die Anschaffung neuer Hartschalenboote für die Menschenrettung in Hochwassersituationen. Aktuell wird geprüft, ob diese in den Bedarfsplan aufgenommen werden können.

Hintergrund

Kritik: Die IG Kohlfurth, ein Zusammenschluss betroffener Anwohner aus Solingen und Wuppertal, erhebt derzeit Vorwürfe gegen den Wupperverband. Er habe die betroffenen Stellen zu spät alarmiert – auch sei der Füllstand der Talsperren zu hoch gewesen. Unter anderem steht der Vorwurf nach Paragraf 313, dem Herbeiführen einer Überschwemmung, im Raum.

Hier finden Sie einen Überblick, wo sie für Solinger Betroffene spenden und helfen können.

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