Jahrhunderthochwasser im Juli 2021

Flutfolgen in Solingen: Das Aufräumen zieht sich hin

Die Brücke Haasenmühle wird am 30. Mai abgerissen.
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Die Brücke Haasenmühle wird am 30. Mai abgerissen. Foto: Christian Beier

Beim Hochwasserschutz wollen Städte enger zusammenarbeiten – Behelfsbrücke an Haasenmühle kommt.

Von Kristin Dowe, Anne Palka und Andreas Tews

Solingen. Bei den Arbeiten zum Hochwasserschutz an der Hofschaft Haasenmühle in Höhscheid geht es weiter voran: Ab kommenden Montag (30. Mai) wird die Brücke zwischen Leichlinger Straße und der Wipperaue abgerissen, die Arbeiten werden nach Rathausangaben einige Tage in Anspruch nehmen. Danach soll der Verkehr vorläufig über eine Behelfsbrücke fließen. Dieser Vorgang zeigt, dass die Folgen des Julihochwassers von 2021 längst nicht beseitigt sind. Verzögerungen stoßen immer wieder auch auf Kritik. Mit diesem Thema befasste sich jetzt auch der Bergische Rat der Städte Solingen, Remscheid und Wuppertal.

Lesen Sie auch: Haasenmühle - Brücke wird im Mai abgerissen

„Das Hochwasserereignis hat nicht an der Stadtgrenze geendet“, hielt Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, in dem Gremium mit 50 Politikern aus drei Städten fest. Georg Wulf, Vorstand des Wupperverbands, berichtete, dass das „Zukunftsprogramm Hochwasserschutz“ sechs Bereiche umfasse: Der technische Schutz werde verbessert, ebenso der natürliche Schutz, die Talsperrenbewirtschaftung werde angepasst, die Messdaten und Modelle verbessert, ebenso die Kommunikation, und die Schäden würden beseitigt.

„Das ist bis zum heutigen Tage bei Weitem nicht abgeschlossen“, sagte Wulf. Im Sommer wird beispielsweise das Profil des Eschbachs wiederhergestellt. Arif Izgi (SPD Wuppertal) fragte, warum es so lange dauert, das Gewässer von Treibgut zu befreien. „Wir brauchen zum Teil schweres Gerät und Spezialfahrzeuge. Und nicht nur im Wupperverbandsgebiet geht es um Aufräumarbeiten“, antwortete Wulf. In der Diskussion um künftigen Schutz betonte er: „Egal, was wir tun, wir werden nie hundertprozentigen Hochwasserschutz gewährleisten können.“

„Wir kommen voll in die Saison des Starkregens hinein.“

Benedikt Wiemer, Anwohner der Haasenmühle

Umso wichtiger sei eine gute Kommunikation zwischen Verband, den Kommunen und den Bürgern, sagte Carsten Voigt (CDU Solingen). Er appellierte auch an die Eigenverantwortung und Vorsorge der Bürger. „Wir können gemeinsam daran arbeiten, dass Fachleute für die Beratung in die Stadtteile hineingehen.“

Nicht nur beim Hochwasserschutz wollen die drei Städte enger zusammenarbeiten. Ziel müsse sein, eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu erreichen, nicht nur gegen Hochwasser, sagte Josef Neumann (SPD Solingen): „Wir werden viele Veränderungen einleiten müssen, die werden viel Geld kosten.“

Im Fall der Haasenmühle rechnet das Rathaus mit der Fertigstellung der Behelfsbrücke – leicht versetzt zur alten Querung – für Mitte Juli. Die eigentliche neue Brücke ist dann einige Meter stromabwärts geplant. Trotz dieses Fortschritts sorgt der Zeitplan bei einigen Anwohnern für Verunsicherung. „Es hieß zunächst, dass schon Ende April alles erledigt sein sollte. Wir haben allmählich den Eindruck, dass die Dringlichkeit der Sache nicht ausreichend ernstgenommen wird“, kritisiert Benedikt Wiemer, der mit seiner Familie stark von der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 betroffen war. „Mit diesem Zeitplan kommen wir nun voll in die Saison der Sommergewitter und des Starkregens hinein.“ Sorge macht der Familie vor allem die Übergangszeit, in der die Ersatzbrücke noch nicht errichtet ist und in der die Feuerwehr im Ernstfall einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen müsste. Die alte Brücke ist für den öffentlichen Verkehr nur bis 2,5 Tonnen zugelassen. Einsatzfahrzeuge mit bis zu zwölf Tonnen Gewicht dürfen im Notfall drüberfahren, schwerere Löschfahrzeuge müssen aber einen Umweg über die Lacher Straße nehmen.

Ursprünglich hatte auch das Technische Hilfswerk angeboten, vorübergehend eine Behelfsbrücke zu errichten, die deutlich schneller fertiggestellt werden könnte. Dies sei allerdings keine praktikable Lösung, bedauert Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller: Eine Behelfsbrücke des THW sei „niemals geeignet für den öffentlichen Straßenverkehr.“ Zudem werde die jetzt geplante vorübergehende Brücke so gebaut, dass sie den Fließquerschnitt des Baches deutlich verbessere und damit die Gefahr einer Überschwemmung des Bauwerks mindere. So lange es noch keine neue Brücke gebe, verlängere sich die Anfahrtszeit für die zuerst eintreffende Wache der Berufsfeuerwehr um fünf Minuten, berichtet Dr. Müller. Dies sei vertretbar.

Pegelstände

Der Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW) veröffentlicht die aktuellen Stände seiner Pegel und Wetterdaten ab sofort im Internet. In Solingen betrifft dies den Pegel Itter/Gräfrath. Beim Wupperverband erfolgt dies bereits seit Jahren. Die Pegelstände sind im Internet abrufbar:

https://pegelonline.brw-haan.de
https://t1p.de/vzmb4

Standpunkt von Andreas Tews: Schnell und gründlich

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die Unruhe unter den Betroffenen der Jahrhundertflut vom Juli 2021 ist bei jeder größeren Unwetterwarnung zu spüren. Die Überflutungen mit ihren drastischen Folgen waren für viele Anrainer von Flüssen und Bächen ein traumatisches Erlebnis. Darum ist es verständlich, dass sie ungeduldig sind, wenn es um den Neubau von Brücken oder den Ausbau des Hochwasserschutzes geht. Von den zuständigen Behörden erwarten sie für kommende Unwetterereignisse den größtmöglichen Schutz.

Der Einwand des Wupperverbandes, dass es eine hundertprozentige Sicherheit vor Katastrophen nicht geben kann, ist zwar berechtigt. Dennoch sollten die Ängste der Anwohner ernstgenommen werden. Aber auch die Betroffenen sollten Verständnis für die Akteure der Behörden aufbringen. Es ist wichtig, dass diese nicht nur schnell, sondern auch gründlich arbeiten.

Ein eilig umgesetzter Hochwasserschutz bringt nichts, wenn er nicht bis zu Ende durchdacht ist.

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