Ausbildung

So finden Firmen neue Fachkräfte

Daumen hoch für eine tolle Chance: Agon Hyseni (l.) und Dennis Kainz (2. v. l. vorne) haben das Programm in der Dr. Haubitz GmbH & Co. KG durchlaufen und sind jetzt Fachkräfte. Ndi Nchanji Edmund (vorne r.) steckt gerade mittendrin. Mit ihnen freuen sich (v.l.): Dirk Triphan, Udo Lindemann, Christoph van Es, Ilona Schirmer-Zinßer, Martin Klebe, Martina Wildförster. Foto: Uli Preuss
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Daumen hoch für eine tolle Chance: Agon Hyseni (l.) und Dennis Kainz (2. v. l. vorne) haben das Programm in der Dr. Haubitz GmbH & Co. KG durchlaufen und sind jetzt Fachkräfte. Ndi Nchanji Edmund (l. vorne) steckt gerade mittendrin. Mit ihnen freuen sich (v.l.): Dirk Triphan, Udo Lindemann, Christoph van Es, Ilona Schirmer-Zinßer, Martin Klebe, Martina Wildförster.

Es hakt gewaltig beim Nachwuchs. Aber das beste Potenzial schlummert oft im eigenen Betrieb. Ein Umschulungsprogramm liefert den Schlüssel.

Von Thomas Kraft

Standpunkt von Thomas Kraft

Wo sind die Fachkräfte der Zukunft? Wie kommen Firmen in den kommenden Jahren an jenes Personal, von dem ihr wirtschaftlicher Erfolg entscheidend abhängt? Diese Fragen quälen Unternehmer seit Jahren. Die Auswahl wird immer dünner warnen sie. Es entsteht ein Engpass, dessen Beseitigung bisher kaum lösbar erscheint. Wie schwer es die Wirtschaft treffen wird, verdeutlicht Martin Klebe, Chef der bergischen Arbeitsagentur: „Von 50 000 Arbeitnehmern in Solingen gehen in den kommenden Jahren 10 000 in den Ruhestand,“ sagt er. „Und 8000 davon sind Fachkräfte.“

Es wird also höchste Zeit, sich in den Führungsetagen Gedanken zu machen, wie dieses Loch zu stopfen ist. Denn der Markt ist mehr als überschaubar. Deshalb wirbt die Agentur für Arbeit für ein Programm, das bisher noch nicht auf dem Radar vieler Unternehmer steht. Das Prinzip ist klug: Die Agentur hilft Firmen, ungelernte Kräfte, die sich bewährt haben, Potenzial besitzen und ehrgeizig sind, zu Fachkräften zu schulen. Es gibt Unterstützung bei den Formalien und es gibt vor allem Geld.

40 000 Euro gibt die Agentur für eine Umschulung dazu

„Für die Umschulung eines Kandidaten geben wir einen Zuschuss von 40 000 Euro“, sagt Klebe. Das hilft dem Betrieb, der die Ausbildungsphase von in der Regel zwei Jahren auf sich nimmt. Und es hilft dem Mitarbeiter, sein gewohntes Einkommensniveau zu halten. Er muss also nicht darauf verzichten, besser und wertvoller zu werden, weil er sonst sein Leben nicht mehr bezahlen kann. Denn in einer gewöhnlichen Ausbildung hätte er Einbußen zu verkraften.

„Ich hätte es sonst wohl nicht gemacht“, sagt Dennis Kainz. Der 29-Jährige arbeitet bei der Dr. Haubitz GmbH & Co. KG in Ohligs als Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk. Von 2012 bis 2014 ließ er sich fit machen. Vorher war er Produktionshelfer. „Ich bin froh, dass es so etwas gibt. Ich verstehe nicht, dass es so selten angenommen wird.“

Tatsächlich wird das Programm im laufenden Jahr nur in 32 Fällen genutzt, teilt Klebe mit. Vor allem im Pflegebereich. Mit einem guten Dutzend Unternehmen arbeitet die Agentur derzeit. Mit Blick auf die drohende Fachkräfte-Krise wirbt Klebe derzeit intensiv für die Möglichkeiten.

HINTERGRUND

VORAUSSETZUNG Auch bei Neueinstellung wird die Qualifizierung gefördert. Beschäftigte müssen ohne Abschluss sein oder vier Jahre nicht im erlernten Beruf gearbeitet haben.

KONTAKT Beratung zum Thema erhalten Unternehmen bei der Agentur durch Martina Wildförster: (0 21 91) 4 60 65 53.

Dr. Haubitz hat bisher schon dreimal zugegriffen. „Es hat jedes Mal super geklappt“, berichtet Geschäftsführerin Ilona Schirmer-Zinßer. Es werde auch für sie immer schwerer, gutes Personal zu finden. „Bei den eigenen Leuten weiß man, was man hat.“ Alle drei seien gut mit den Herausforderungen zurechtgekommen. „Das sind drei clevere Kerlchen“, sagt die Chefin. Aber auch sie wusste nichts von dem Programm, bevor sie im Kontakt mit der Agentur eher zufällig darauf stieß. Das Unternehmen fertigt Kunststoffspritzteile für den Fahrzeugbau. „Als Produktionsbetrieb werden wir immer wieder Fachkräfte suchen“, sagt Ilona Schirmer-Zinßer. „Wir würden diesen Weg immer wieder gehen.“

Agon Hyseni (43) ist so zur Fachkraft für Lagerlogistik aufgestiegen und inzwischen stellvertretender Abteilungsleiter. Mit 41 Jahren entschloss sich Hyseni zur Umschulung. „Es war meine letzte Möglichkeit, einen Berufsabschluss zu bekommen.“ Dafür setzte er sich wieder in die Berufsschule und hatte zum Teil Lehrer, die jünger waren als er. „Es hat sich gelohnt.“ Heute ist er, der im Kosovo einst ein Elektrotechnik-Studium begann und dann in Deutschland ganz neu anfangen musste, dort angekommen, wohin er wollte.

Dagegen steckt Ndi Nchanji Edmund noch mitten im Prozess. Wenn alles glatt läuft, ist er in eineinhalb Jahren fertig. Der 37-Jährige wird zum Werkzeugmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ausgebildet. Wenn er seinen Abschluss hat, wird es in der 200 Mitarbeiter starken Belegschaft von Dr. Haubitz einen Posten für ihn geben. Edmund hat drei Kinder, die ihn zu Hause neugierig fragen, warum er wieder zur Schule geht. „Ich finde, ich kann ihnen so gut zeigen, dass man etwas tun muss, um voranzukommen.“ 

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