Malteserstraße

Fensterrose macht jüdisches Leben wieder sichtbar in Solingen

Zur feierlichen Einweihung kamen am Samstagabend viele Solinger an die Malteserstraße.
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Zur feierlichen Einweihung kamen am Samstagabend viele Solinger an die Malteserstraße.

Einweihung und Festakt am Standort der früheren Synagoge. Was die Fensterrose bedeutet.

Von Tanja Alandt

Solingen. Eine Fensterrose mit Davidsternen erinnert ab sofort am alten Hochbunker an der Malteserstraße an das jüdische Leben in Solingen. Sie soll Erinnerung und Mahnung zugleich sein.

Am Samstagabend weihte Oberbürgermeister Tim Kurzbach die Fensterrose ein. In seiner Rede zitierte er den damaligen Rabbiner Hirsch Laubheim, der die vor 150 Jahren an gleicher Stelle neu gebaute Solinger Synagoge eingeweiht hatte. Zum anschließenden Festakt am Samstagabend im Bürgersaal der Stadtkirche kamen 200 Gäste – darunter neben vielen Vertretern aus der Stadtgesellschaft auch der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer.

Die Synagoge an der Malteserstraße war in der Pogromnacht im November 1938 geplündert und in Brand gesteckt worden. Die Ruine wurde schließlich abgerissen und die Gemeinde gezwungen, das Gelände an die Stadt Solingen zu übertragen, die 1943/44 einen Hochbunker an dieser Stelle errichtete.

Fensterrose als Mahnung gegen Antisemitismus

Diese Geschichte solle die Fensterrose sichtbar machen, erläuterte OB Kurzbach. Er mahnte zudem, dass Antisemitismus nicht weit weg sei und versicherte, sich „immer vor die jüdischen Freunde zu stellen“. Kurzbach betonte, wie glücklich er sei, dass „der Davidstern 84 Jahre nachdem er niedergebrannt wurde, wieder in der Stadt leuchtet“ und bezeichnete diesen Tag als „einen großen Tag für die Stadt“.

Bleibt so neugierig, wachsam, kritisch und vergesst nicht.

Abraham Lehrer

Rabbiner Chaim Kornblum bedankte sich bei OB Kurzbach, da er einer der wenigen Politiker sei, die im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zeigen und diese hissten. Er erinnerte damit an den September 2021, als Kurzbach am Gedenktag deutsch-israelischer diplomatischer Beziehung am Rathaus demonstrativ zum zweiten Mal die israelische Flagge hissen ließ, nachdem Unbekannte die erste heruntergeholt und verbrannt hatten. „Nein, die Geschichte werden wir niemals vergessen, aber auch nicht die Menschen, die an unserer Seite stehen“, so Kornblum.

Festakt zur Einweihung der Fensterrose.

Beim anschließenden Festakt betonte der OB nach einem Friedenslied der Musikerinnen Annette Maye und Roswitha Dash, dass dieser Tag einer der herausragendsten Ereignisse seiner Amtszeit sei. Er wies außerdem auf die Wichtigkeit hin, Erinnerungsorte in der Gegenwart sichtbar zu machen, neu zu entdecken und sich neu damit auseinanderzusetzen. Er appellierte, „nicht stehenzubleiben, sondern aufzubrechen“.

Schüler: Digitaler Pfad mit Informationen über Malteserstraße

Eine Schülergruppe des Gymnasiums Schwertstraße berichtete, wie wenig sie vor ihrem neuen Projekt über den gegenüberliegenden Bunker und seine Geschichte wussten. Sie wollen für Schüler einen digitalen Pfad mit Informationen zur Entwicklung an der Malteserstraße errichten.

Abraham Lehrer (Zentralrat der Juden) appelliert an die Menschen

Abraham Lehrer vom Zentralrat der Juden erinnerte daran, dass die Zeitzeugen des Holocaust „bald nicht mehr unter uns sind“ und rief dazu auf, sich entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Hass zu engagieren. „Bleibt so neugierig, wachsam, kritisch und vergesst nicht!“, so Lehrer.

Er sprach sich dafür aus, nicht nur die traurigen Seiten des jüdischen Lebens und den millionenfachen Massenmord zu sehen. Er ermunterte dazu, auch die jüdische Kultur in ihrer Schönheit und Vielfältigkeit zu entdecken.

Lehrer trug sich am Wochenende ebenso in das Goldene Buch der Stadt ein wie Nachfahren der bekannten Solinger jüdischen Familien Coppel und Feist.

Hintergrund: Die Fensterrose in der Malteserstraße

Die von Michael Bauer-Brandes entworfene Fensterrose aus Cortenstahl ähnelt mit vier Metern Durchmesser an die originale Fensterrose der Synagoge. Ihre sechs Davidsterne stehen für das jüdische Leben; der Davidstern leuchtet damit nach 1938 wieder an dieser Stelle.

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