Aschermittwoch

Fasten: Pfarrer wollen ein Vorbild sein

Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf kleine Laster wie Süßigkeiten. Nicht wie gewohnt zuzugreifen, erfordere Konzentration, sagt Superintendentin Dr. Ilka Werner. Archivfoto: Christian Beier
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Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf kleine Laster wie Süßigkeiten. Nicht wie gewohnt zuzugreifen, erfordere Konzentration, sagt Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Die evangelische Kirche ruft zu „Sieben Wochen ohne“ auf. Bei den Katholiken geht es ums Innehalten.

Von Anja Kriskofski

Die evangelische Superintendentin Dr. Ilka Werner verzichtet in den kommenden sieben Wochen auf Süßes, Alkohol und Fleisch, der katholische Stadtdechant Michael Mohr will die Finger von „Naschereien“ lassen: Am heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die bis Ostern dauert. „Es geht nicht darum, dass wir fasten sollen oder müssen. Wir können, wenn wir möchten“, betont Werner. Die evangelische Kirche lädt zu ihrer traditionellen Aktion „Sieben Wochen ohne“ ein. Auch in den katholischen Gemeinden gehe es darum, innezuhalten, sagt Mohr.

Stadtdechant Michael Mohr möchte innehalten.

Die zentrale Misereor-Fastenaktion der deutschen Katholiken feiert ihren Auftakt diesmal im Erzbistum Köln. Zentrales Symbol ist das von Uwe Appold gestaltete „Hungertuch“, das als Reproduktion auch in einigen Solinger Gemeinden ausgestellt und in Gottesdiensten thematisiert wird. „Wir hängen unter anderem eines in St. Clemens auf“, berichtet Mohr. In das blaue Tuch habe Appold unter anderem Erde aus Jerusalem eingearbeitet.

Superintendentin Dr. Ilka Werner möchte kein Fleisch essen.

Die Fastenzeit biete Gelegenheit, „einmal aus dem Hamsterrad herauszutreten und sich grundsätzlichen Fragen zu stellen, die im Alltag sonst untergehen“. Er selbst versuche, in den Wochen bis Ostern den Terminkalender nicht ganz so vollzupacken, berichtet der Stadtdechant. Jeden Morgen halte er sich mindestens eine halbe Stunde frei, die nicht verplant sei. „Das ist eine gute Gelegenheit, um etwas mehr auf mich und meine Beziehung zu Gott zu schauen.“

Die evangelische Gemeinde Widdert serviert bis Ostern Vegetarisches

Der bewusste Verzicht in der Fastenzeit helfe dabei, mehr auf sich selbst zu achten und auf das, was wirklich wichtig sei, erklärt Stadtdechantin Werner. Das erfordere Konzentration: „Ich muss mich konzentrieren, um nicht automatisch wie sonst nach den Keksen auf dem Tisch zu greifen oder im Restaurant einen Grillteller und Wein zu bestellen.“ Wer sich konzentriere, gewinne Freiräume dafür, etwas Gewohntes anders zu machen und Neues anzufangen.

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Bei der evangelischen Fastenaktion stehen diesmal die kleineren und größeren Notlügen im Blickpunkt. Passend zum Motto „Sieben Wochen ohne lügen“ geht es jede Woche um Themen wie „Sich selbst nicht belügen“ oder „Ehrlich zueinander sein“ und einen entsprechenden Bibeltext. Beim Fasten können sich Gläubige auch ganz zeitgemäß von der kostenpflichtigen Smartphone-App „7 Wochen ohne“ begleiten lassen.

Auch die evangelischen Gemeinden beschäftigen sich mit dem Fasten: In der Walder Kirche gibt es bis Ostern jeden Donnerstag um 18 Uhr Zehn-Minuten-Andachten, in der Stadtkirche am Fronhof befasst sich Pfarrerin Friederike Höroldt am Sonntag, 7. April, 10 Uhr mit kleinen Notlügen und der Wahrheitsfindung.

FASTENZEIT

TRADITION In den Wochen vor Karfreitag erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Die Fasten- oder Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet am Karsamstag. Sie dauert länger als die in der Bibel angegebenen 40 Tage, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte, weil die Sonntage vom Fasten ausgenommen wurden.

www.7wo.de

www.misereor.de/mitmachen/fastenaktion/

Die Gemeinde Widdert möchte in der Passionszeit ein besonderes Zeichen setzen und auf Fleisch verzichten, kündigt Pfarrerin Kristina Ziegenbalg an. „Von Aschermittwoch bis Karfreitag gibt es in unseren Veranstaltungen, bei und nach den Gottesdiensten, bei den Soulteens-Workshops und Konzerten ausschließlich leckere vegetarische Speisen.“ Gemeinsam wolle die Gemeinde einen Schritt in Richtung eines bewussteren Lebens und Konsumierens gehen, das die Würde aller Lebewesen respektiere.

Auch das von den Konfirmanden gespielte Musical „Ninive“, das am Sonntag, 10. März, um 11 und 18 Uhr in der Widderter Kirche aufgeführt wird, greife die Kritik am Konsumverhalten unserer Gesellschaft auf, berichtet Ziegenbalg.

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