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Fast alle Flüchtlingswohnungen belegt

Das Haus am Central wurde von der Stadt für Flüchtlinge angemietet. Noch steht es leer. Das soll sich aber bald ändern. Foto: Christian Beier
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Das Haus am Central wurde von der Stadt für Flüchtlinge angemietet. Noch steht es leer. Das soll sich aber bald ändern.

Nur noch wenige der von der Stadt gemieteten Objekte stehen leer. Zahl der Betroffenen steigt.

Von Andreas Tews

Die Zeiten, in denen viele Wohnungen leer stehen, die die Stadt für Flüchtlinge angemietet hat, sind offenbar vorbei. Aktuell würden nur drei Wohnungen nicht genutzt, teilte Rathaus-Sprecherin Birgit Wenning-Paulsen auf Anfrage mit. Weitere zehn würden derzeit von Flüchtlingen neu bezogen. Ähnlich sieht es laut Wenning-Paulsen bei den städtischen Übergangsheimen aus. Auch die seien „weitgehend ausgelastet“.

Das sah vor gut zwei Jahren noch anders aus. Damals stand ein gutes Viertel der 320 von der Stadt angemieteten Wohnungen leer. Unter anderem war dies nach Angaben der Stadtverwaltung darauf zurückzuführen, dass viele Wohnungen nicht den Anforderungen entsprächen. Umbau- und Renovierung habe den Einzug oft um Monate verzögert.

Einige Wohnungen werden als Reserve freigehalten

Dazu gibt es auch ein aktuelles Beispiel: das markante Eckhaus am Gräfrather Central. Die Stadt hat die Wohnungen dort vor knapp einem Jahr übernommen, ohne dass dort je ein Flüchtling eingezogen wäre. Dass es dort nicht voranging, lag unter anderem an einem Rohrbruch im Gebäude. Offenbar gehören die meisten der Wohnungen dort aber zu denjenigen, die laut Wenning-Paulsen jetzt bezogen werden.

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Standpunkt von Andreas Tews

„Wir waren in der Zwischenzeit nicht untätig“, erklärte die Rathaus-Sprecherin. Die wenigen derzeit noch nicht genutzten Wohnungen befinden sich nach ihren Angaben in Gräfrath und Solingen-Mitte. Der Leerstand dort sei auf die übliche Fluktuation zurückzuführen. Zwischen dem Auszug der alten und dem Einzug neuer Bewohner stünden Wohnungen eine Zeit lang leer. Außerdem, so berichtete Wenning-Paulsen weiter, würden Reserven für die Aufnahme von Geflüchteten benötigt, die neu in Solingen einträfen. Ein Gebäude werde zudem als Notunterkunft für Zeiten freigehalten, in denen möglicherweise wieder ungewöhnlich viele Flüchtlinge ankämen. Zum Teil werde dieses Haus von der Diakonie für die Stadtteilsozialarbeit genutzt. Für diese Einrichtung zahlt die Stadt derzeit eine Kaltmiete von 88 000 Euro.

FLÜCHTLINGE

ANZAHL Insgesamt leben nach Angaben der Solinger Stadtverwaltung 3139 Flüchtlinge in der Klingenstadt. Das sind rund 300 mehr als vor einem Jahr.

STATUS 2221 Frauen, Männer und Kinder sind nach abgeschlossenem Asylverfahren aufenthaltsberechtigt, 360 Flüchtlinge werden geduldet, und bei 558 läuft das Asylverfahren noch.

AUSREISEN Im vergangenen Jahr kam es zu 35 freiwilligen Ausreisen und 51 Abschiebungen.

Für die meisten einzelnen Wohnungen hat die Stadtverwaltung laut Wenning-Paulsen unbefristete Mietverträge abgeschlossen. Innerhalb der gesetzlichen Vorgaben seien diese mit einer Frist von drei Monaten kündbar. Bei Großobjekten bestünden hingegen Zeitverträge, die die Stadt Solingen mehrere Jahre binden – laut Wenning-Paulsen höchstens zehn Jahre. Die letzten dieser Verträge laufen demnach 2027 aus. „Wenn sie nicht verlängert werden“, fügte die Rathaus-Sprecherin hinzu.

In angemieteten Wohnungen leben nach den aktuellen Zahlen der Stadtverwaltung rund 2500 der etwa 3100 in Solingen untergebrachten Flüchtlinge. Dabei handelt es sich um privat oder durch die Stadt angemietete Objekte. Die übrigen rund 600 Asylbewerber wohnen in Gemeinschaftseinrichtungen – die meisten davon (178) an der Kronprinzenstraße. Knapp 100 Plätze – davon 29 an der Kronprinzenstraße – stehen in diesen Einrichtungen leer. In den beiden Holzmodul-Gebäuden an der Jaspers- und der Zietenstraße werden derzeit rund 13 der 100 zur Verfügung stehenden Plätze nicht genutzt.

Eine Vollbelegung sei aus organisatorischen Gründen generell nicht möglich, erklärte der zuständige Stadtdienst. Als Gründe werden unter anderem die Zusammensetzung der Flüchtlingsgruppen, die jeweils unterschiedliche Größe der einzelnen Familien, Renovierungsarbeiten und das Vorhalten von Reserveplätzen genannt. 

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