Bestecksammlertreffen

Familientreffen der „Besteck-Bekloppten“

Volontär Jannis Schmidt erläutert dem Fachpublikum die Online-Sammlung des Deutschen Klingenmuseums.
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Volontär Jannis Schmidt erläutert dem Fachpublikum die Online-Sammlung des Deutschen Klingenmuseums.

Sammler kamen zum Austauschen, Fachsimpeln und Lernen ins Klingenmuseum.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Löffel, Messer, Gabel. Für viele einfach nur Esswerkzeug – für manche mehr als das. Denn bei den Bestecksammlern wird der Löffel nicht abgegeben, sondern sorgfältig restauriert, geputzt und poliert. Für sie ist das Besteck Kunst und ein Ausdruck von Kultur. Die Möglichkeit zum Betrachten und Bewundern der Bestände zahlreicher Privatsammler bot das Bestecksammlertreffen. Bereits zum 27. Mal fand es am Sonntag im Deutschen Klingenmuseum in Gräfrath statt.

Dort wurde sich in einer geselligen Runde getroffen, ausgetauscht und gefachsimpelt. Liebevoll wurden die Exponate auf Tischen drapiert und darüber diskutiert. Auch Sammler Hermann Freiß war vor Ort. Die Herkunft seiner Sammlung: „Ganz unterschiedlich.“ Egal ob aus der DDR, aus der Schweiz oder aus Österreich. Das Sammeln des Tafelbestecks ist seine große Leidenschaft – und auch ein Beitrag zur Bewahrung alter Traditionen. „Tischkultur spielt heute keine Bedeutung mehr“, bedauerte er. Grund dafür seien „die schnelllebige Zeit, Fast Food, Fingerfood“. Mit der Sammlung versuche er, diese Kultur ein wenig zu bewahren.

Auf dem Treffen fand er Gleichgesinnte. Als „Besteck-Bekloppte“ bezeichnete Freiß die Sammler liebevoll. Viele von ihnen kommen jedes Jahr nach Solingen und sind Stammgäste. „Wie ein Familientreffen“, erklärte Dr. Isabell Immel, stellvertretende Leiterin des Deutschen Klingenmuseums. „Gesammelt wird vom mittelalterlichen Besteck bis zum 20. Jahrhundert.“

Dass die Veranstaltung in Solingen stattfindet, sei folgerichtig, denn: „Wir rühmen uns, die weltgrößte Bestecksammlung hier im Klingenmuseum zu haben“, erzählte sie stolz. Auch für den Gastgeber sei das Treffen bereichernd. „Für uns als Museum ist das ein großer Input“, sagte Isabell Immel im Hinblick auf den Austausch, der mit den Sammlern stattfindet. „Da bekommen wir Informationen und Entdeckungen, von denen wir auch profitieren.“

Neben dem Austausch regten auch Fachvorträge zur Diskussion an. So hielt der aus Leipzig angereiste Dr. Gerald Kolditz eine Präsentation über die sächsische Besteckindustrie im 19. und 20. Jahrhundert. Vom Wiener Kongress über die beiden Weltkriege bis hin zur DDR gab es einen Schnelldurchlauf durch die Geschichte, der die Erfindungen und Entwicklungen des Tafelbestecks thematisierte und mit zahlreichen Mustern, Marken und Materialien dessen Vielfalt verdeutlichte. „Was bleibt, sind Tausende Besteckstücke, die heute noch in Haushalten ihren Dienst leisten“, fasste er am Ende dieser Reise durch die Welt des sächsischen Bestecks zusammen.

Aber nicht nur die Herkunft der heute historischen Exemplare, sondern auch ihre Zukunft wurde behandelt. Einen Beitrag zur Konservierung dieser Kunstobjekte leistet das Digitalisierungsprojekt des Klingenmuseums. Vorgestellt wurde es von Volontär Jannis Schmidt. Bereits 2705 Datensätze umfasse die Online-Sammlung, die der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt werde und einen niedrigschwelligen Zugang zu vielen Exponaten bieten solle. „Sie können wirklich nach allem suchen. Wir haben Material, Marke, Inschriften“, erläuterte er. Für die Sammler interessant: „Wir haben auch umfangreiche Bestecke digitalisiert“, berichtete Museumsleiter Dr. Sixt Wetzler. Im Anschluss an die Vorträge folgte ein gemeinsames Mittagessen, bei dem sich zumindest keine Gedanken um fehlendes Besteck gemacht werden musste.

Hier geht es zur Online-Sammlung des Klingenmuseums: www.klingenmuseum.de/exhibits

Hintergrund

Die nächste Veranstaltung im Klingenmuseum findet am 1. April ab 15 Uhr mit der Kunstperformance „Gewalt und Mitgefühl“ statt. Zum nächsten Sammlertreffen, der Messermacher-Messe Knife, wird für den 6. und 7. Mai eingeladen.

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