Frühe Hilfen

Familienhebamme unterstützt junge Eltern

Regelmäßig besucht Familienhebamme Susanne Hessing die jungen Eltern Jan und Elena und ihre zehn Wochen alte Tochter Stella. Foto: Christian Beier
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Regelmäßig besucht Familienhebamme Susanne Hessing die jungen Eltern Jan und Elena und ihre zehn Wochen alte Tochter Stella.

Susanne Hessing und die anderen sechs Fachfrauen haben vor allem das Wohl der Kinder im Blick.

Von Anja Kriskofski

Stella ist erst neun Wochen alt, doch mit ihren dunklen Augen beobachtet sie ihre Umgebung schon aufmerksam. Ihre Eltern Jan (22) und Elena (24, Namen geändert) sind stolz auf ihre kleine Tochter. Beim Start ins Leben zu dritt werden sie von Familienhebamme Susanne Hessing unterstützt. Sie zeigt den jungen Eltern, wie sie Stella richtig versorgen, füllt mit ihnen Anträge aus und hat die Entwicklung des Babys im Blick. Vier Familienhebammen und drei Familienkrankenschwestern arbeiten für die Stadt Solingen. Sie helfen Schwangeren und jungen Eltern, die mehr Hilfe brauchen, als eine reguläre, von der Krankenkasse finanzierte Hebamme leisten kann.

Die Geburt des ersten Kindes: Für Jan und Elena brachte das neben Freude auch viel Unsicherheit mit sich. „Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen“, erzählt die 24-Jährige. „Bei dem ganzen Bürokratiekram haben wir nicht so den Durchblick. Und Susanne kann man fragen, wenn mal etwas mit der Kleinen sein sollte“, ergänzt ihr Partner. Bislang war nichts. Im Gegenteil: „Die beiden machen das gut“, lobt Susanne Hessing.

Leicht ist es dennoch nicht für die junge Familie, die von Hartz IV lebt. Jan hat zwar eine Ausbildung zum Teilezurichter gemacht, „ich habe die Jobs danach aber nie lange halten können, hatte keine gefestigte Lebenssituation“. Das sei nun besser. Ein gesetzlicher Betreuer kümmert sich um seine Finanzen. Elena hat als Hilfskraft in einem Altenheim gearbeitet, bevor sie vor anderthalb Jahren von Köln nach Solingen zog.

Die Einrichtung und die Ausstattung für ihr Kind haben sie sich Stück für Stück zusammengesucht. Ein Schreibtisch dient als Wickelkommode für Stella, die im Wohnzimmer in einem Reisebett mit Mobile liegt. Susanne Hessing hat bei ihren wöchentlichen Besuchen vor allem den Säugling im Blick. Sie erklärt den jungen Eltern, dass sie ihr Baby nicht schreien lassen sollen, klärt Ernährungsfragen und achtet auf Stellas Entwicklung. „Mir geht es darum, dass alles gut bleibt.“ Seit drei Jahren arbeitet sie auch als Familienhebamme. „Ich mache das gerne.“ Dennoch komme es auch vor, dass Eltern die Betreuung abbrechen.

27 Familien werden derzeit betreut

Auch die Sozialpädagogin Cordula Weck von den psychologischen Diensten im Coppelstift unterstützt Schwangere und junge Eltern. Ihr ist vor allem die sichere Bindung zwischen Eltern und Kind wichtig. Kein leichtes Unterfangen, wenn viele der Frauen das selbst nie so erlebt haben. Bei ihrer Arbeit hat Weck es mit vielen Problemen zu tun: Heimerfahrung, finanzielle Nöte, Missbrauch, Gewalt. Ihre Klienten versucht sie zu ermutigen, dass sie es trotz ihrer wenig schönen Erfahrungen selbst als Eltern bestehen können.

Cordula Weck berät die Familien in Einzelsitzungen und bietet eine Gruppe für Eltern und Kinder an. „Wir üben, wie man mit Kindern umgeht.“ Und sie sensibilisiert die Mütter für die Bedürfnisse ihres Babys. „Wir bringen unseren Klienten viel Vertrauen entgegen“, betont Weck. Doch an erster Stelle stehe immer das Kind.

FRÜHE HILFEN

KINDERSCHUTZ Seit 2012 schreibt der Gesetzgeber frühe Hilfen in den Kommunen vor. In Solingen werden seit 2013 Familienhebammen eingesetzt. Bereits in der Geburtsklinik bieten die Mitarbeiter jungen Eltern in schwierigen Lebenssituationen Hilfe an. Die Unterstützung durch eine Familienhebamme oder eine Familienkrankenschwester kann beim Stadtdienst Jugend beantragt werden: P 2 90-23 45, E-Mail: R.Brandt@Solingen.de

27 Familien betreuten die Familienhebammen und -kinderkrankenschwestern derzeit, teilt Christoph Steinebach von der Jugendhilfeplanung mit. „Wir haben leicht steigende Anfragen.“ Doch Fachfrauen mit entsprechender Ausbildung gebe es nicht viele. Denn die Arbeit mit Familien in schwierigen Lebenslagen sei nicht für jeden etwas.

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