Aktion

Familien wandern auf den Pfaden der Liewerfrauen

Mit dem Bollerwagen ging es auf Entdeckungstour durch das Lochbachtal: Mit dabei waren auch Frederik und Max Meyer mit ihrem Vater. Foto: Moritz Alex
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Mit dem Bollerwagen ging es auf Entdeckungstour durch das Lochbachtal: Mit dabei waren auch Frederik und Max Meyer mit ihrem Vater.

LVR-Industriemuseum bietet in den Sommerferien Guide-Touren durchs Lochbachtal.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Wenn es schon so schwierig ist, einen kleinen Korb mit Scheren-Rohlingen auf dem Kopf zu balancieren: Wie geübt müssen dann früher die Liewerfrauen gewesen sein, ihre schwere Last der „Mang“ von der Gesenkschmiede zu den Schleifer-Kotten zu transportieren?

Timo, Frederik und Max (fünf und drei Jahre alt) waren sehr beeindruckt, als sie am Samstagnachmittag spielerisch versuchten, diese historische Szene nachzustellen. Ruth Grützmacher, der „Guide“ des nachmittäglichen Spazierganges durchs Lochbachtal, führte die drei Jungen und ihre Eltern auf die Spuren der Liewerfrauen, um sie auf diese Weise ein bisschen plastischer in die Welt der Scheren- und Messerherstellung im Solingen vor 100 Jahren mitzunehmen als ein reiner Museumsbesuch das vermag.

Die Wanderung war Teil des Sommerprogramms im LVR-Industriemuseum (| siehe Kasten). Familie Meyer war dafür extra aus Köln angereist, ihre Mitstreiter hatten eine weniger weite Anfahrt: Sie kamen aus Leichlingen.

Rohlinge wurden von Liewerfrauen oder Hundekarren transportiert

Bevor es mit knallrotem Bollerwagen voller Equipment für Spiel und Spaß in die Natur ging, gab es einen schnellen Basiskurs im Industriemuseum zum Thema Scheren-Herstellung: Was sind Gesenke? Wie arbeiteten früher die schweren Fallhämmer? War es nicht furchtbar laut am Arbeitsplatz in solch einer Gesenkschmiede wie Hendrichs eine war? Was ist „schwarze Ware“ und warum musste sie überhaupt zu den Kotten transportiert werden?

Anschaulich erläuterte Ruth Grützmacher alle dieser Fragen rund um die Scherenherstellung und schaffte es schnell, Interesse zu wecken. Staunend standen die Kinder zum Beispiel vor den Vitrinen mit den verschiedenen Schmuck-Scheren und vor der Alternative zur Liewerfrau als Transportmittel der Rohlinge, dem Hundekarren. Mit großen ausgedruckten Wegekarten ausgerüstet, ging es schließlich ins Grüne.

Auch hier gab es viel aus vergangenen Zeiten zu erfahren. Zum Beispiel, dass es vor gut 100 Jahren am Lochbach elf Schleifer-Kotten, zwei Hämmer und vier Fruchtmühlen gab, von denen so gut wie nichts mehr zu sehen ist. Lediglich der übrig gebliebene Stauteich des Tiefendicker Kottens voller grüner Wasserlinsen war hinter Bäumen sichtbar, und eine Senke ließ die ehemals hier stehenden Gebäude des Locher Kottens erahnen.

Industriebauten wurden einst aufwendig verziert

Am hohen Schornstein ehemaligen Bleicherei Jäger vorbei schauend, konnte man ein beeindruckend mit Stuck verziertes Fenster der ehemaligen Maschinenhalle der Fabrik Kortenbach und Rauh erkennen. „Heute sind Industriegebäude ausschließlich sachlich nüchtern, damals legte man Wert auf aufwendige optische Details, die durchaus kosten durften“, sagte Ruth Grützmacher.

Bei einem Zwischenstopp am Lochbach wurden vorher gefaltete Papierschiffchen zu Wasser gelassen, Staudämme gebaut und ein Wasserrad zum Drehen gebracht. Der vier Kilometer lange Weg war kurzweilig, lehrreich für Groß und Klein und machte Spaß – inklusive eines Picknicks.

Programm

Termine: Weitere Guide-Wanderungen durchs Lochbachtal gibt es an den Samstagen 17. und 31. Juli sowie 14. August, jeweils 13 bis 16 Uhr.

Kosten: 8 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Kinder

Sommerführung: „Spurensuche auf dem Gelände der historischen Scherenfabrik“: Mittwochs, 14. Juli, und 11. August, sonntags, 25. Juli und 15. August, jeweils 15 Uhr. Preis: 6,50 Euro pro Person

Tickets: kulturinfo rheinland, Tel. (0 22 34) 9 92 15 55, info@kulturinfo-rheinland.de

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