Blaues Kreuz

Die Familie leidet am meisten unter der Sucht

Willi Klapper ist Vorsitzender des Blauen Kreuzes Solingen, das Erika Jansen (l.) und Christiane Krone in schweren Zeiten geholfen hat.    Foto: Michael Kremer
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Willi Klapper ist Vorsitzender des Blauen Kreuzes Solingen, das Erika Jansen (l.) und Christiane Krone in schweren Zeiten geholfen hat.

Zwei Angehörige berichten, wie das Blaue Kreuz in Solingen sie unterstützt hat.

Von Michael Kremer

Sie teilen das gleiche Schicksal: Erika Jansen und Christiane Krone haben es erleiden müssen, mit einem alkoholabhängigen Ehemann verheiratet zu sein. Hilfe haben beide beim Blauen Kreuz gefunden – mit einem Unterschied. Während der Ehemann der 62 Jahre alten Christiane Krone seine Sucht als Krankheit akzeptiert hat und mit ihr die Gruppenabende besucht, ist die zehn Jahre ältere Erika Jansen allein dorthin gegangen. Sie hat sich später von ihrem Mann scheiden lassen.

Ihr Leidensweg als Angehörige weist weitere Parallelen auf. Beiden ist der übermäßige Alkoholkonsum ihrer Ehemänner erst nach einigen Jahren aufgefallen. „Man nimmt es anfangs einfach nicht richtig wahr“, erzählt Krone: „Vor allem, weil er nicht bösartig geworden ist.“ Viele Jahre habe ihr Ehemann seine Sucht auch vor ihr verheimlichen können. Eskaliert sei es dann ausgerechnet an ihrem 60. Geburtstag, als der Ehemann zweimal volltrunken zusammengebrochen sei.

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Dieses Ereignis brachte die Familie auf den Plan. Mit den Kindern wurde das Thema angesprochen. Der einsichtige Ehemann konnte dabei sogar erklären, wie es dazu gekommen sei. Nach gesundheitlichen Problemen sei er berufsunfähig gewesen und habe sich deshalb wertlos gefühlt, er sei sogar depressiv geworden. Die Einsicht allein reichte aber noch nicht aus, sich Hilfe zu suchen. Erst die Drohung der Kinder, dass er seine Enkel nicht wiedersehen würde, bis seine Sucht überwunden sei, führte zum Gang zum Blauen Kreuz.

„Die Erkenntnis, welche Probleme er in der Familie verursacht, ist ihm erst im Gespräch mit den Kindern bewusst geworden“, erzählt Krone rückblickend. Dieses Bewusstsein habe sich bei ihrem Ex-Ehemann nicht eingestellt, berichtet Jansen. Auch bei ihm sei der Alkoholkonsum mit den Jahren stetig gewachsen. „Als wir eine neue Küche eingebaut haben, wollte er dort unbedingt eine Bierzapfanlage haben“, erzählt sie. Anfangs hätte ein 30-Liter-Fass noch zwei Monate gehalten. „Dann nur noch einen Monat, einen halben Monat und schließlich nur noch eine Woche“, erzählt sie. „Und dann kam der Wodka hinzu.“

Schlaflose Nächte aus Angst vor Übergriffen

An diese Zeit denkt Erika Jansen nicht gern zurück. „Ich konnte aus Angst vor Übergriffen nachts nicht mehr schlafen“, erzählt sie von ihrer Leidenszeit. Darauf angesprochen habe ihr damaliger Ehemann alles verleugnet. „Er wusste am nächsten Morgen nicht einmal mehr, was in der Nacht passiert ist, was er angerichtet hat“, sagt die 72-Jährige. Als sie ihm daraufhin den Alkoholkonsum gänzlich verbot, habe er dies nicht akzeptieren wollen und sei ausgezogen.

BLAUES KREUZ

SELBSTHILFEGRUPPEN Die Selbsthilfegruppe für Suchtkranke und Angehörige trifft sich montags und donnerstags ab 19 Uhr in der Stadtmission, Brühler Straße 60, sowie freitags in Ohligs, Nippesstraße 2. Eine Gruppe für Alkoholkranke trifft sich dienstags ab 19 Uhr in der Oststraße 32. Mittwochs ab 19 Uhr trifft sich eine Gruppe für Suchtkranke und weibliche Angehörige in der Goerdelerstraße 72. Die Gruppen sind offen für alle Hilfsbedürftigen. Ein Erstkontakt unter Tel. 2 30 75 75 ist ratsam.

Von einem Bekannten erfuhr sie schließlich, dass das Blaue Kreuz auch Angehörigen von suchtkranken Menschen hilft. „Es war gut, darüber reden zu können“, erzählt Jansen von ihren Erfahrungen. „Darum ist es wichtig, dass auch Angehörige zu den Treffen kommen“, sagt Willi Klepper, Vorsitzender des Ortsvereins Solingen im Blauen Kreuz. „Das sind diejenigen, die am meisten leiden“, weiß Krone aus Erfahrung.

Das Schicksal verbindet Christiane Krone und Erika Jansen nicht nur in den erlittenen Leiden, es führt die zwei Frauen auch in ihrem Vorhaben zusammen, die beim Blauen Kreuz erhaltene Unterstützung selbst anbieten zu können. Beide wollen sich dort in der Angehörigenarbeit engagieren. Christiane Krone beginnt noch in diesem Jahr eine Ausbildung zum Freiwilligen Suchtkrankenhelfer, Erika Jansen im kommenden Jahr.

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