Umzug an den Bodensee

Familie Ferres sucht Käufer für Wupperhof

Margit und Herbert Ferres möchten das nach der Flut sanierte Fachwerkhaus aus dem Jahr 1700 jetzt verkaufen.
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Margit und Herbert Ferres möchten das nach der Flut sanierte Fachwerkhaus aus dem Jahr 1700 jetzt verkaufen.

Ehepaar verkauft das Landgasthaus direkt an der Wupper nach der Sanierung der Flutschäden.

Von Philipp Müller

Solingen. Der langfristige Plan war klar, berichten Margit und Herbert Ferres: Fünf Jahre lang wollten die beiden die Gastronomie im Traditionshaus direkt an der Wupper wieder nach oben bringen. Zunächst bremste Corona das aus. Nach den Lockdowns hatte das Ehepaar eine neue Küchencrew eingestellt und alles lief optimal, wie sie berichten. Dann kam die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 und das Gebäude wurde durch die reißende Wupper im Erdgeschoss zerstört. Wasser rauschte rund 1,20 Meter hoch durch das Haus.

Das ist inzwischen wieder vollständig saniert. Aber die Gastronomie ist noch nicht wieder eingerichtet, das wollen die beiden auch nicht mehr selbst machen. Sie setzen jetzt ihren ursprünglichen Plan etwas früher um. Margit Ferres stammt aus Radolfzell am Bodensee. Dorthin wollen die Ferres ihren Lebensmittelpunkt künftig verlegen.

Diese Geschichte ist eigentlich sehr privat. Und doch wissen Margit und Herbert Ferres schon, dass der Wupperhof als Traditionslokal bei vielen Solingerinnen und Solingern mit vielen Erinnerungen verbunden ist. So wollen sie sich nicht einfach aus dem Staub machen, sondern erklären, dass es langfristig vorgesehen war, sich von Gaststätte und Haus zu trennen. Aber das machten sie nicht einfach so, dass sie einfach die Trümmer verkauften. „Wir haben fast ein Jahr in einer Baustelle gelebt“, beschreibt Herbert Ferres die vergangene Zeit. Zunächst sei nach dem Hochwasser unklar gewesen, ob die Statik des aus dem Jahr 1700 stammenden Fachwerkhauses betroffen war. War sie nicht, aber die Gefache mussten ausgetauscht werden.

Die Sanierung des Wupperhofs war nach dem Hochwasser aufwendig

In Absprache mit den Denkmalschützern aus Leichlingen, das alte Haus in Wupperhof liegt nicht auf Solinger Seite, wurde die Sanierung geplant. Neue Eichenbalken wurden eingesetzt, Lehmputz und Ziegel aus Lehm kamen zum Einsatz. „Im Grunde haben wir es so gemacht, wie im 17. Jahrhundert gebaut wurde“, erklären die beiden.

Was an moderner Technik eingebaut werden konnte, was die Denkmalschützer dabei mittrugen, das wurde eingesetzt. Dazu gehören etwa Weichholzfaserplatten für eine energetische Dämmung. Zuletzt hatten alle Bewohner der Hofschaft die Helferinnen und Helfer eingeladen, die unmittelbar nach der Flutkatastrophe mit angepackt hatten. Und das waren viele. Damals war die Wupperbrücke einige Tage gesperrt. Es war befürchtet worden, die Statik der Brücke, an dessen Geländern und Pfeilern sich Holz- und Trümmerrest stapelten, hätte gelitten. Doch wie beim Haus der Ferres bestätigte sich das später durch Gutachter von Straßen NRW nicht.

Der Wupperhof soll in gute Hände abgegeben werden

Auf gepackten Koffern sitzen Margit und Herbert Ferres aber nicht, um zum Bodensee aufzubrechen. Sie wollen sich bei der Suche für einen Käufer Zeit lassen. Das Haus mit der langen Geschichte soll auf jeden Fall in gute Hände. Der von ihnen begangene Weg, vor allem die Gastronomie mit der großen Terrasse wieder mit Können und Liebe aufzubauen, ist beiden wichtig. Das sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer der Fall gewesen.

Herbert Ferres, der vor einigen Jahren seinen Marktstand aus Altersgründen aufgab, hat den Verkauf in die Hände von Dr. Thorsten Meis von Kubikom gegeben. Er ruft für die rund 1700 Quadratmeter Grundstücksfläche und die 610 Quadratmeter vermietbarer Fläche 850 000 Euro auf. Margit und Herbert Ferres halten das deshalb für gerechtfertigt, weil nach der Sanierung alles auf neustem Stand sei – „besser als vorher.“ Thorsten Meis betont: „Wir haben konkrete Interessenten, was die Nutzung des Erdgeschosses angeht. Wir hatten ja Gastronomie, Wohnen oder Dienstleistungen in den Fokus gerückt – da gibt es Interesse aus allen Richtungen.“

Wupperhof in der Geschichte

Erstmals im Jahr 1488 wurde die Hofschaft als Wypper Hoeve urkundlich erwähnt. Das 1700 entstandene große Haus des Ehepaars war nach dessen Angaben vermutlich schon immer eine Gastronomie. Dort habe es eine Postkutschenstation gegeben. Wupperhof gehört zur Ortschaft Witzhelden.

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