Oldtimer

Er fährt das älteste Auto der Stadt

Alexander Linder ist stolzer Besitzer eines Stoewer D 3, der wurde 1923 in Stettin gebaut. Er ist damit der Besitzer des ältesten Solinger Autos.
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Alexander Linder ist stolzer Besitzer eines Stoewer D 3, der wurde 1923 in Stettin gebaut. Er ist damit der Besitzer des ältesten Solinger Autos.

Alexander Linder besitzt einen Stoewer D 3 von 1923. Der Wagen war 40 Jahre lang in einem Speicher eingemauert.

Von Andriana Sakareli

Als der Anruf von der Stadt kam, war Alexander Linder überrascht. Ob er denn wisse, dass er das älteste in Solingen zugelassene Fahrzeug besitze, fragte ihn der Anrufer. Linder wusste es nicht. Er freute sich über die Nachricht, zumal er besagten Wagen erst vor einem Jahr bei einem Sammler in Düsseldorf gekauft hatte. Eine sehr gute Wahl, wie Linder findet. Schließlich handelt es sich bei seinem Auto nicht um irgendein 08/15-Modell. Der Maschinenbauingenieur besitzt einen Stoewer D 3, Baujahr 1923, mit einer Sportkarosserie. Davon wurden weniger als zehn gebaut.

Die Geschichte des Autoherstellers Stoewer endet 1945. Die Autos der Marke haben heute absoluten Seltenheitswert.

Mit dem Stoewer fährt Linder natürlich nicht zur Arbeit. Es ist sein kleines Hobby, Oldtimer zu sammeln. Linder besitzt zwei weitere, darunter ein Mercedes Stuttgart von 1929. Mit ihm nimmt er auch schon mal an Ausfahrten teil. Den Stoewer fährt Linder dagegen eher ab und an privat. „Denn es ist schon anstrengend, ihn zu fahren“, erklärt der Geschäftsführer der Firma Junkerwerk. Das liegt unter anderem an den Gängen, die man über Hebel betätigt. Sie befinden sich rechts außen neben der Fahrertür. Auch die Kupplung, eine Lederkonuskupplung, will nicht immer so, wie Linder will. „Die Kupplung ist schwer zu dosieren.“ Er gibt eine Kostprobe davon. Linder drückt den Anlasser, tritt auf die Kupplung und zieht gleichzeitig an einem der beiden Hebel. Langsam setzt sich der Stoewer in Bewegung, hier und da ruckelt er. Ansonsten ist der Wagen in einem Topzustand, technisch wie optisch.

Der Vierzylinder mit Sportkarosserie wurde vor der Wehrmacht versteckt

Dass der Stoewer so gut erhalten ist, liegt an seiner Vorgeschichte: Der Wagen gehörte einem Johann Feldkamp aus Rendsburg. Er fuhr den Wagen bis 1930, nahm damit auch erfolgreich an Rennen teil. Als Feldkamp bei einem Jagdunfall ums Leben kam und seine Familie mit dem Stoewer nichts mehr anzufangen wusste, ihn aber auch nicht verkaufen wollte, kam sie auf eine ungewöhnliche Idee: Sie mauerte den Wagen in einem Speicher ein, um ihn während des Zweiten Weltkrieges vorm dem Zugriff der Wehrmacht zu schützen. Erst 1970 wurde der Wagen „geborgen“. Ein Sammler hatte von dem eingemauerten Auto gehört und die Familie überzeugt, es ihm zu verkaufen. Drei Jahre lang restaurierte der zweite Fahrzeughalter den Stoewer. Dabei wurden die Originalteile weitmöglich erhalten.

HINTERGRUND

TECHNISCHES 1,3 Liter Hubraum, 32 PS, vier Zylinder; Benzinförderung durch Autovakuum; neben dem Gaspedal gibt es auch Handgas. 

STOEWER Autobauer in Stettin, Produktion von 1899 bis 1945. Stoewer baute Autos in geringer Stückzahl. Der Typ D 3 war das Standardmodell. Auch Fahrräder produzierte das Unternehmen.

Das ist das älteste Auto Solingens

 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier

Linder war von dem Auto sofort fasziniert, weil „ich mich sehr für die 20er und 30er Jahre interessiere“. Interessant fand er die Geschichte hinter dem Wagen. Der vorige Halter überließ ihm auch eine Reihe von Fotos. Eines zeigt, wie der Sammler den Stoewer durch die aufgebrochene Mauer über eine Holzrampe auf die Ladefläche eines Lasters schiebt. Als Linder den Stoewer erwarb, ließ er ihn ein weiteres Mal überarbeiten. Dabei stieß eine auf Oldtimer spezialisierte Werkstatt in Gütersloh auf etwas bis dahin Unbekanntes: Der Wagen ist viel höher motorisiert als in den Papieren angegeben. Statt 24 sind es 32 PS.

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