Berufsleben

Fachpraktiker-Ausbildung als Chance

Der Fokus liegt bei der Fachpraktiker-Ausbildung – unter anderem im Ausbildungsgang Metalltechnik – auf der Praxis. Symbolfoto: Roland Keusch
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Der Fokus liegt bei der Fachpraktiker-Ausbildung – unter anderem im Ausbildungsgang Metalltechnik – auf der Praxis. Symbolfoto: Roland Keusch

Angebot erleichtert Menschen mit Behinderung den Weg ins Berufsleben.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Sie ist eine bisher recht unbekannte Möglichkeit, Menschen mit kognitiven Einschränkungen die Tür ins Berufsleben zu öffnen: die Fachpraktiker-Ausbildung. Über die Chancen für Lehrlinge und Betriebe informierte der Rotary Club Solingen-Klingenpfad bei einem Online-Seminar. 50 Zuhörer folgten der Einladung.

Die Veranstaltung moderierte Rotarierin Prof. Dr. Susanne Schwalen. Die Vorstandsvorsitzende der Solinger Lebenshilfe zeigte sich im Themenkomplex „Menschen mit Behinderung“ bewandert. Gabriele Naurath-Prangel und Stefan Bugdol von der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal sowie Carmen Bartl-Zorn von der Bergischen Industrie und Handelskammer (IHK) gaben Einblicke in die bisher eher wenig praktizierte Realität der Fachpraktiker-Ausbildung.

Zwei Erfahrungsberichte, einmal von Dr. Manfred Lütz, dem ehemaligen ärztlichen Direktor des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz, und Vertretern der Deutschen Angestellten-Akademie Wuppertal (DAA) vermittelten eindrucksvoll die beidseitigen Vorzüge einer Fachpraktiker-Ausbildung. Das steckt hinter dem Konzept.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Fachpraktiker?

So werden in Deutschland Auszubildende genannt, die den theoretischen Anforderungen einer gängigen Berufsausbildung aufgrund einer Behinderung nicht gewachsen sind, so dass fachpraktische Inhalte der Ausbildung stärker gewichtet werden. Die Theorie wird dagegen reduziert. Die Ausbildung zum Fachpraktiker soll das Gebot der Inklusion erfüllen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine solche Ausbildung erfüllt sein?

Es muss ein Rehabilitationsbedarf über das Ende der Schulzeit hinaus festgestellt sein. Ein junger Mensch mit Migrationshintergrund und ausschließlich Sprachbarrieren kommt beispielsweise nicht für eine solche Ausbildung infrage. Am Ende der Schulzeit – in der Regel nach Besuch einer Förderschule oder inklusiver Beschulung – wird individuell geprüft, ob der Grad der Behinderung eine „verwertbare Leistungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt“ zulässt.

Wie läuft eine solche Ausbildung ab?

Die Ausbildung erfolgt, wie üblich, in dem dualen System. Die Lehrlinge verbringen sowohl Zeit im Betrieb als auch in der Berufsschule. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass der Schwerpunkt klar auf der praktischen Arbeit im Unternehmen liegt. Am Ende der Ausbildung steht eine IHK-Prüfung.

In welchen Berufen ist eine Fachpraktiker-Ausbildung möglich?

Folgende Ausbildungsgänge gibt es bislang für Fachpraktiker: Bürokommunikation, Küche, Gastgewerbe, Metalltechnik, Kreislauf- und Abfallwirtschaft, soziale Einrichtungen, Verkauf und Fahrzeugpflege. Eine Erweiterung der Sparten ist auf Antrag bei der Industrie- und Handelskammer denkbar.

Was müssen Auszubildende, Betriebe, Träger und Einrichtungen beachten?

Eine rehabilitationsspezifische Zusatzqualifikation für diese Ausbildung ist erforderlich. Es steht ein vielfältiges Förderprogramm zur Verfügung, zum Beispiel finanzielle Zuschüsse bei der Ausbildungsvergütung, zur Förderung neuer Arbeitsplätze oder ein Eingliederungszuschuss.

Kontakt

Arbeitgeber: Betriebe, die sich für die Fachpraktiker-Ausbildung interessieren, können sich unter Tel. (02 12) 23 55-7 07 oder per Mail an die Arbeitsagentur wenden.

Solingen-Wuppertal.161-AGS@arbeitsagentur.de

Bewerber: Auch für Bewerber gibt es Kontaktmöglichkeiten: Tel. 08 00 4 55 55 00 oder Solingen-Wuppertal.Reha @arbeitsagentur.de

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